Die Sage von Frau Idisa

Die Itzquelle am Bleßberg in Thüringen

Die heutige Sage stammt aus der Feder von Ludwig Bechstein, geboren am 24. November 1801 in Weimar, gestorben am 14. Mai 1860 in Meinigen. Er gilt als der bedeutende Sammler und Nacherzähler thüringischer und fränkischer Volkssagen. Der Herzog von Meinigen förderte ihn sehr, ermöglichte ihm das Studium der Philosophie, Geschichte und Literatur und ernannte ihn 1831 zum Bibliothekar. Nach der Gründung des "Hennebergischen altertumsforschenden Kreises", gab Bechstein mehrere Sammelwerke heraus. 1840 wurde er Hofrat, 1848 Archivar des hennebergischen Gesamtarchivs. Dadurch kam er auch mit dem Herzogtum Coburg in enge Beziehung.

In den Jahren 1835-1838 entstand seine Sammlung "Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringer Landes", und 1842 erschien "Der Sagenschatz des Frankenlandes".

Bekannt geworden sind auch seine Märchendichtungen, die im "Deutschen Märchenbuch" (1845) und "Neues Deutsches Märchenbuch" (1856) zusammengefasst sind. Ludwig Richter, der Zeichner der Romantik und des Biedermeier, schuf für beide Sammlungen eine Fülle von Zeichnungen.

Einen großen Teil der Sagen des Coburger Landes verdanken wir dem Sammeleifer Ludwig Bechsteins.

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Die Itzquelle oberhalb von Stelzen
Foto: © Ulrich Göpfert

Der Hauptfluss des Coburger Landes ist die Itz. Ihr Ursprung liegt am Bleßberg, der zum Thüringer Wald gehört. Um die Quelle und den Flussnamen rankt sich folgende Sage:

Nahe dem Zusammenfluss der beiden Quellbäche der Werra standen vor vielen hundert Jahren ein paar armselige Holzhütten. Die Bewohner verdienten sich in der nahen Goldwäscherei ihren kargen Lebensunterhalt. Der Vater einer Familie war gichtbrüchig und konnte kaum noch gehen, um Geld zu verdienen und seinen Kindern Brot kaufen zu können.

Der kleine Sohn Elis hatte an einem schönen Sonntagmorgen von der Mutter die Erlaubnis bekommen, durch die Natur zu streifen. In der Nähe der Quelle legte sich der Knabe in das weiche Moos und schlummerte ein. Da umfing ihn ein wundersamer Traum:

Aus dem munter sprudelnden Quell kamen Nixen hervor, tanzten im Kreis und sangen dazu. Plötzlich verstummte der Gesang und aus dem geteilten Felsen kam eine wunderschöne Frau hervor, weiß gekleidet und von einem zarten Schleier umhüllt. Sie sprach die bedeutungsvollen Worte:

Der Quell aus meines Berges Grund

macht kranker Menschen Leib gesund.

Steigt keiner noch in meine Flut,

dass Idisa auf ewig ruht?

Als Elis aufspringen wollte, bemerkten ihn die Nixen und Frau Idisa sprach freundlich zu ihm:

Du hast Frau Idisa geschaut,

das Heil des Quells ist dir vertraut.

Nun find ich Ruh, durch dich befreit,

hab Dank, hab Dank in Ewigkeit!

Unter freundlichem Zuwinken zogen sich die Nixen zurück und verschwanden in der Felsspalte. Schnell wollte Elis die Hand der Nixe ergreifen, da - erwachte er. Schnell machte er sich auf dem Heimweg, um den Eltern und Geschwistern den wunderbaren Traum zu erzählen. Gemeinsam mit Elis machte sich der Vater auf zur Quelle, und, nachdem er von dem frischen Quellwasser getrunken hatte, fühlte er sich wunderbar erfrischt an Leib und Seele gestärkt. Er warf die Krücken fort, denn jetzt brauchte er sie nicht mehr.

Diese Heilung sprach sich schnell herum, und bald kam ein reicher Mann aus der Gegend von Würzburg. Auch er badete in der Quelle und wurde gesund. Als aber schließlich ein geschäftstüchtiger Mann kam, die Quelle einfassen ließ, um vom Wasser trinken Geld verlangen zu können, wanderte ein armer Bettler hinauf, um Heilung zu finden. Aber er durfte trotz flehentlicher Bitten keinen Schluck trinken.

Da stieß er einen fürchterlichen Fluch aus. Aus der Quelle rauschte das Wasser hervor und spülte die Einfassung fort. Dem Wasser aber war, als es wieder in das Bachbett zurückgekehrt war, die Heilkraft genommen.

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Die Kirche in der Ortschaft Stelzen
Foto: © Ulrich Göpfert

Gleich unterhalb der Itzquelle liegt das Dorf Stelzen. Sein Name mag davon herrühren, dass viele leidende Menschen einstmals Heilung fanden, ihre Krücken, Stelzen und Stöcke wegwarfen und gesunden Fußes den Heimweg antraten. Noch im Jahre 1830 wurden auf dem Dachboden der Kirche zu Stelzen solche Krücken aufbewahrt.

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Die Kirchentür von Stelzen
Foto: © Ulrich Göpfert

Quellenhinweis: Ludwig Bechstein

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