Die Zinselmännchen

Eine Sage aus Thüringen von Ludwig Bechstein
und zahlreichen Fotos von Ulrich Göpfert

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Am Eingang zur Zinselhöhle
Foto: © Ulrich Göpfert

Im Meininger Oberland zwischen den Dörfern Meschenbach und Rabenäußig liegt eine ziemlich enge, aber sehr lange Tropfsteinhöhle, das Zinsel- oder Zinsenloch genannt, die hat ihren Namen von den Zinseln, Zinselmännchen oder Drigelein, das sind Bergzwerge, welche ehedem darinnen gewohnt haben. Nicht weit davon liegt eine andere unterirdische Grotte, welche die Zinselkirche heißt. Aber diese wurde, wie das Zinselloch, zu Anfang des vorigen Jahrhunderts von ihren Kirchkindern verlassen.

Wie sich das zugetragen, wird unterschiedlich erzählt

Ein Bauer aus Meschenbach traf auf seinem Erbsenacker eine Menge Zinselmännchen; sie sprangen neckisch über die Furchen hin und her, verspeisten viele der grünen Erbsen aus den Schoten und ärgerten den Bauern sehr. Endlich glückte es ihm beim Haschen nach ihnen, einem sein Mützchen zu nehmen; da barmte das Zinselmännchen schrecklich, denn ohne das Mützchen konnte es nicht wieder nach Hause, und verhieß dem Bauer, wenn er ihm sein Mützchen wiedergebe, so wolle es ihm eine Wünschelrute auf seinen Acker stecken, mit deren Hilfe er einen großen Schatz finden solle.

Darauf hat der Bauer dem Männchen sein Mützchen wiedergegeben, aber das falsche Drigelein hat sich als ein Trügerlein erwiesen und hat den ganzen Acker voll Ruten gesteckt, so dass der Bauer die Wünschelrute aus ihnen nicht heraus- und folglich auch keinen Schatz finden konnte. Andere sagen, der Bauer habe gleich anfangs, als er auf seinem Acker die Zinselchen gesehen, geschimpft und mit der Rute gedroht, wie man kleinen Kindern droht, und da habe das ganze Zwergenvolk ihm Ruten auf den Acker gepflanzt, dass er daran bei spontaner Prügellust keinen Mangel habe.

Hierüber ergrimmt, passte der Bauer, weil ihm sein Acker verdorben war, heimlich auf, und als er wieder einem Zinselmännchen das Mützchen genommen, wodurch dieses in seine Gewalt kam, schlug er das arme Männchen tot.

Das betrübte die Zinselmännchen gar sehr
Über Nacht wuchsen die Ruten zu Bäumen auf, und zwar zu den alten götterheiligen Eschen, und in derselben Nacht sind die Zinselmännchen fortgezogen, und hat sich niemals auch nur ein allereinziges wieder in dieser Gegend blicken lassen.

Quelle: Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersburg und Leipzig 1930, Seiten: 472-473.

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Foto: © Ulrich Göpfert

Die Verbindung der Bewohner des Kreises Sonneberg/Thüringen zur Zinselhöhle wurzelt in der Heimatgeschichte aus der frühen Schulzeit. Es war Tradition im Heimatkundeunterricht der 3. und 4. Klasse, dass die Kinder an einem Wandertag die Zinselhöhle besuchten. Als Erwachsene trafen sich die Bewohner wieder zu den Höhlenfesten und Sängertreffen und gaben diese Tradition an ihre Kinder und Enkelkinder weiter. Dazu tragen die Märchen über die in grauen Zeiten vertriebenen Zinselmännchen bei, die in der Höhle gelebt haben sollen, und nach denen die Höhle benannt ist.

Anlässlich meines Besuchs der Zinselhöhle nahe der Ortschaft Meschenbach in Thüringen
habe ich zahlreiche Fotos angefertigt:

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Vom Parkplatz aus…

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…geht es durch eine Schlucht…

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…nach ein paar 100 Meter erreichen wir den Eingang der Zinselhöhle.

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Der Höhlenführer Rolf Babucke erwartete uns schon.

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Bei der Zinselhöhle handelt sich um eine unerschlossene Tropfsteinhöhe
im Muschelkalk.

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Vor der Höhle steht noch eine Hütte zum Umziehen und Tische und Bänke zum
Verweilen vor und nach dem Besuch der Höhle.

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In der Nähe plätschert der "Kieselstää-Brunnen".

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Es war sehr interessant was der Höhlenführer Rolf Babucke
über die Zinselhöhle zu erzählen wusste. Auch über die Blessberg-Höhle
an der IC-Neubaustrecke zeigte er mir viele Fotos und berichtete darüber.

Alle Fotos: Archiv © Ulrich Göpfert

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