Nicolaus Zech

Fürstlich Sächsischer Landrentmeister und Kammerrat
am Hofe von Herzog Johann Casimir

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Das Pfarrhaus im Ortsteil Scheuerfeld
Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

Man vermutet, dass einst auf dem Hügel hinter dem heutigen Pfarrhaus der sogenannte "Alte Bau", das frühere Schloss von Scheuerfeld gestanden hat. Darin hatte Nicolaus Zech seinen Sitz als Dorfherr von Scheuerfeld

Herzog Johann Casimir gilt unter den Fürsten des Coburger Landes als einer der Größten und seit Jahrhunderten wird sein Andenken in hohen Ehren gehalten. Die prächtigen Staatsbauten, die er errichten ließ, werden heute noch bewundert und beweisen, wie gut er es verstand, seine Macht aller Welt vor Augen zu stellen. Er besaß eine glückliche Hand, tüchtige Männer an sich zu ziehen und ihre Kräfte für seine Zwecke zu nutzen. 

Einer von diesen Männern war der Fürstlich Sächsische Landrentmeister und Kammerrat Nicolaus Zech. Von bäuerlicher Herkunft, stieg er in kurzer Zeit vom Küchenschreiber am Hofe von Herzog Casimir zu einem der höchsten Regierungsbeamten empor. Klug und geschickt ordnete er die ungeheure Schuldenlast des Herzogs, vereinfachte die Hofverwaltung und verbesserte die Staatseinnahmen. Schwierige Aufgaben, die ihm übertragen worden waren, erledigte er zur vollen Zufriedenheit des Herzogs. Dieser überhäufte ihm mit Gunstbeweisen und wurde sein erklärter Freund. Nicolaus Zech war seinem Landesherrn mit ganzer Seele ergeben und unermüdlich um dessen Wohl besorgt. Gewissenhaft erfüllte er seine Pflicht und niemand konnte ihm Unredliches nachsagen. Dabei war er kein Schmeichler und Schöntuer; mit gesundem Menschenverstand begabt, redete er frei von der Leber weg und hatte eine scharfe Zunge, die niemand schonte, auch nicht die hohen Herren bei Hofe. Oft genug warf er ihnen Unfähigkeit vor. Einmal benötigte der Herzog eine bedeutende Summe Geld und wandte sich deshalb an seine Räte. Sie übersandten als Antwort kluge Ratschläge, aber kein Geld.

Nicolaus Zech rahmte ihre Unterschriften ein und schrieb dazu: "Wascht mir den Beltz und machtt mir In Nichtt nass, Ich hab das Geld geschafft gehabt, ehe sie diese Rahdschlagung gehaltten, Ist nur zur Versuchung An sie kommen". Nicolaus Zech, F.S. Rendtmeister. Und weiter: "Viel knippens und knappens und wenig zu fressen, Sagt jener Narr".

Diesen offenkundigen Hohn vergaßen ihm die Herren nicht. Mit der Gunst Johann Casimirs wuchs auch die Zahl der Neider und Feinde Zechs bei Hofe. Heimlich nannte man ihn bereits "den wahren Fürsten des Landes". Doch als es 1601 zwischen Zech, dem Kanzler Volkmar Scherer und dem Hofmarschall von Gottfahrt zum offenen Bruch gekommen war, schied Zech, der sich zeitlebens nie nach einem Amt gedrängt hatte, aus der Regierung aus und zog sich auf sein Gut Scheuerfeld zurück. Dort wirkte er als Dorfherr und Begründer der Pfarrei. Durch Hetze und Verleumdung suchten nunmehr Zechs Feinde, die Freundschaft des Herzogs zu untergraben. Sie trugen dem Herzog zu, Zech überhebe sich mit seinen Leistungen und schmälere die Verdienste des Herzogs um sein Land und lasse den gebührenden Respekt vor dem Landesherrn vermissen. In seiner Überheblichkeit achte er die anderen Diener des Herzogs gleich Fußsocken...

Johann Casimir, nunmehr auf die Dienste jener Männer allein angewiesen, erkannte, dass es zu seinem Vorteil wäre, den getreuen Zech fallen zu lassen und opferte ihn dem Hass seiner Feinde, zu denen auch Johann Ernst, der Bruder Johann Casimirs zählte. Nichts hat die fürstliche Ehre Johann Casimirs mehr besudelt als der Verrat an Nicolaus Zech.

Am 14. April 1603 wurde Zech verhaftet und gefangen auf die Festung überführt
Von guten Freunden vorher gewarnt, wäre es ihm ein leichtes gewesen, zu fliehen, hätte er ein schlechtes Gewissen gehabt. Sein Vertrauen auf die Hilfe Johann Casimirs war so groß, dass er noch nach wochenlanger Haft erklärte, die Gefangensetzung sei nur das Werk seiner Feinde und nicht der Wille des Herzogs. Vergeblich bat er flehentlich, dem Herzog gegenübergestellt zu werden, um sich zu rechtfertigen. Als er erkennen musste, wie erbärmlich der Fürst an ihm gehandelt hatte, fügte er sich gebrochen und gottergeben in sein unverdientes Schicksal.

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Erst die Gegenwart stellte die Ehre seines
Namens wieder her. Im Coburger Ortsteil
Scheuerfeld hat man eine Straße nach Nicolaus Zech benannt
Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

In der Anklage wurde Nicolaus Zech vorgeworfen:

Punkt 1:  Er habe in einem Brief das Andenken des Vaters Johann Casimirs
                beleidigt.

Punkt 2:  Er habe seine dienstliche Schweigepflicht verletzt, indem er geheime
                 Dienstsachen sowie seine Bestallung nicht rechtzeitig abgeliefert hätte.

Punkt 3:  Seinem Pfarrer Einblick in die Akten gewährt und solche versteckt.

Punkt 4:  Habe er bei der Erbteilung Uneinigkeit zwischen den herzoglichen Brüdern
                gestiftet.

Punkt 5:  Habe er über 100 Briefe, die er von Johann Casimir empfangen, nicht
                zurückgegeben.

Für diese "Verbrechen" forderte die Anklageschrift die Todesstrafe
Das Fürstliche Hofgericht unter dem Vorsitz des aufrechten Peter Wesenbeck machte jedoch das Planen der Gegner Zechs zunichte!  In dem Urteil vom 17. und 18. Juli 1603 wurde ausgesprochen, Zechs Vergehen seien derart, dass eine Geldstrafe genüge; angesichts der Verdienste des Angeklagten stehe es einem Fürsten wohl an, auch diese Strafe zu erlassen. Im Übrigen sei die Briefsache, der Hauptanklagepunkt, nach Sächsischem Recht verjährt. Dieses Urteil, das einem Freispruch gleichkam, wurde von Johann Casimir unterschlagen. Er wandte sich mit der gleichen Anklageschrift an die Juristenfakultät Marburg, die, willfähig genug, das Todesurteil gegen Zech praktizierte, das "aus besonderer Gnade"  in lebenslängliche Haft auf eigene Kosten umgewandelt wurde.

Von all diesen Vorgängen erfuhr die Öffentlichkeit nichts
Zech sollte nach dem Willen des Herzogs auf alle Zeit für die Welt tot sein. Zechs Frau war inzwischen vor Kummer gestorben. Die unversorgten Kinder Marcus und Helena durften ihren Vater nie wiedersehen. Das gesamte Vermögen wurde beschlagnahmt. Ärztliche Hilfe und Medikamente wurden dem erkrankten Zech auf herzoglichen Befehl verweigert, dass er desto rascher sterbe. Nur geistliche Beistand gestand der Herzog seinem Opfer zu.

Am 2. Februar 1607 erlöste der Tod den leidgeprüften Mann auf der Veste. Der Sarg musste sofort vernagelt werden, damit niemand mehr den Toten sehen konnte. Sogar die Leichenpredigt wurde dem Dahingeschiedenen verweigert. Auf dem Salvatorfriedhof in Coburg fand Nicolaus Zech seine letzte Ruhestätte.

Quellenhinweis: Dr. Ingo Krauß

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