"Über den Tellerrand geschaut"

Sonderausstellung wurde im Museum Neues Schloss Rauenstein
mit einem Vortrag von Kai-Marian Büttner eröffnet

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Museum Neues Schloss Rauenstein
Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

Am Freitag, 19. Oktober 2018 wurde diese Sonderausstellung mit einem Vortrag von Kai-Marian Büttner eröffnet

Ende 2017 gelang es Kai-Marian Büttner, Geschirrteile des seit über 150 Jahren verschollenen Services für Kaiser Maximilian I. von Mexiko im internationalen Kunsthandel ausfindig zu machen, Sponsoren für die Neuerwerbung des Museums zu finden und nach monatelangen Verhandlungen zurück nach Rauenstein zu holen. Neben dem Service für die Freifrau von Heldburg aus Rauensteiner Produktion, ist das mexikanische Kaiserservice das in Sammlerkreisen Begehrteste, was die Porzellanfabrik Rauenstein einst produzierte. Bis zu seiner Wiederentdeckung war nicht einmal klar, ob es tatsächlich ausgeliefert wurde.

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Kai-Marian Büttner
Foto: © Michael Mende

In seinem Eröffnungsvortrag referierte Büttner über seine fast 25- jährige Suche nach dem Service, die kunsthistorische Einordnung des Fundes und die Person Maximilians I. von Mexiko

Wie Büttner ausführte: das schwierigste an einem Vortrag ist immer die Einleitung, für die ich immer ganz gerne – passend zum Vortrag – das Vergangene mit der Gegenwart verknüpfe: Eigentlich hätte sich das Thema angeboten, um unsere Interessenten über die 1:0 WM-Niederlage gegen Mexiko hinwegzutrösten. Im Sommer las ich zudem: Die EU will Plastikgeschirr verbieten. Allein das ist ein Grund zur Freude, hoffentlich werden wir das noch erleben. Denn ich bin mir sicher, wenn Sie sich nicht ebenso über diese Gesetzesinitiative freuen würden, wären Sie heute nicht hier. Schließlich geht es uns hier und heute um Tischkultur. Um Porzellan. Um Rauensteiner Porzellan für den Kaiser von Mexiko.

Bevor ich jedoch mit dem eigentlichen Vortrag starte, möchte ich mit Ihnen auch angesichts der  Museumsdebatte in Frankenblick einen ersten „Blick über den Tellerrand“ werfen und Ihnen verdeutlichen, welche kultur- und kunsthistorische Bedeutung andere Häuser, die als Mittelpunkt der kulturinteressierten Gesellschaft wahrgenommen werden, nicht ständigen Rechtfertigungszwängen unterliegen und ihren Mitbürgern mit Engagement, Initiativen und Visionen Identität stiften, vergleichbaren Artefakten beimessen. Ich habe Ihnen dafür einige aktuelle Beispiele aus der näheren und ferneren Museumslandschaft herausgesucht, mit denen sich unser aktueller Sensationsfund zweifelsohne mehr oder minder messen kann, nicht zuletzt auch, da es meiner Kenntnis nach kein kunsthistorisch vergleichbares kaiserliches Service einer der frühen Thüringer Waldfabriken gibt und mit welchem Aufwand und Medienecho andere Museen ihre Preziosen einer breiten Öffentlichkeit aus Mitbürgern, Sammlern, Touristen und dem Fachpublikum präsentieren.

Verstehen Sie mich nicht falsch! Aber ich sehe es durchaus auch als Aufgabe eines zeitgemäßen Museums, positive Schlagzeilen für seine Heimatgemeinde zu produzieren, um „über dem Tellerrand“ wahrgenommen zu werden, ganz gleich, wie widrig die Umstände auch sind. Denn Museen leisten Bildungsarbeit und Bildung hat Zukunft! „Je weiter nämlich“, wie es im Handbuch VITAL VILLAGE aus der Reihe Cultural and Museum Management heißt, „Dörfer von Bildungs- und Arbeitsorten entfernt sind, desto massiver scheinen Veränderungen auf die Gestaltungskraft der Dorfgemeinschaften einzuwirken“.

Und entgegen der allgemeinen Wahrnehmung, scheint nicht nur die „desolate Haushaltssituation“ vieler Gemeinden ein Problem, sondern auch „die geringe Relevanz, die das Thema Kulturpolitik“ bisweilen hierzulande erfährt. Ich bin der festen Überzeugung, dass unserem Haus „der Spagat zwischen breitenkultureller Gesellschaftsgestaltung und zeitgemäßen Impulssetzungen für eine sich wandelnde Lebenswelt“ gemeinschaftsstärkend und Identität stiftend gelingen kann, würden nur Alle ziel- und ergebnisorientiert an einem Strang ziehen.

Vielleicht würden wir dann heute, statt dieser Sonderausstellung, im 10. Jahr ihrer Entdeckung, die Höhlenausstellung präsentieren und – wer mich kennt, weiß, dass ich bei den unpassendsten Gelegenheiten nie um eine kritische Anmerkung verlegen bin – die heutige Jubiläumsfachtagung hätte hier im Haus und nicht in Schalkau stattgefunden.

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Geschirrteil des seit über 150 Jahren verschollenen Services für Kaiser Maximilian I. von Mexiko
Foto: © Michael Mende

Nun aber zurück zum eigentlichen Thema: Lassen Sie mich kurz einen Ausschnitt aus „Die Porzellanmanufaktur Rauenstein“ von Gauß und Witter wiedergeben, welcher mich seit 1994 – als ich es das erste Mal in meinen Händen hielt, beschäftigt. Sie berichten über ein großes „Service mit einem eigenartigen Dekor, mit dem mexikanischen Staatswappen. Es zeigt einen Adler, der eine Schlange schlägt, stehend auf einem Kaktus, der an einer Meeresklippe wächst. Eine Schleife in den mexikanischen Landesfarben rot, weiß, grün, eine rote Jacobinermütze und eine aufgehende Sonne vervollständigen den Zierrat. Das Ensemble wird von einer Ranke aus Eichenlaub und Stechpalmen mit roten Beeren umrahmt.“ Eigenartig ist wohl der richtige Ausdruck, man könnte anhand des von Gauß und Witter zitierten Zeitzeugenberichts auch von „geschmacklos“ sprechen, wenn man sich den Anblick vor dem geistigen Auge überhaupt vorzustellen vermag. Dem aber nicht genug: „Etwas irreführend ist das Markenzeichen, ein blaues `R` unter der Glasur, das eigentlich in Rauenstein nur bis 1827 verwendet wurde.“

Ich war 14 Jahre alt, als ich diese Zeilen das erste Mal las. Das Buch hatte mein Interesse an Rauensteiner Porzellan geweckt und stand fortan in einem Regal meines Zimmers neben allerlei „altem Zeug“, darunter natürlich auch Rauensteiner Teller, Tassen und Scherben.

Als ich 1998 nach Erfurt zog, nahm ich meine Bücher, darunter auch das kleine Büchlein mit und begann wieder darin zu lesen. Die o.g. Zeilen kamen mir wieder in den Sinn und begannen mich über Jahre hinweg zu beschäftigen. Bis heute, fast 25 Jahre, wenn man es genau nimmt.

Ich beschloss, nach diesem ominösen Service, von dem es weder Fotos, noch meines Wissens nach Exponate in den umliegenden Museen gab, zu suchen. Doch außer dem bei Gauß und Witter abgedruckten Zeitzeugenbericht, dessen Herkunft nicht näher bezeichnet ist, konnte ich keinerlei Informationen darüber finden.

Das Internet war in diesen Jahren eine ganz neue Erfahrung. Was mach man damit? Was machen DIE damit? – die um mich herum im kargen Computerzentrum auf dem Unicampus saßen. Suchen. Recherchieren. Aber wonach? Ich las und lese bis heute lieber Bücher.

Und so muss einer meiner ersten Suchbegriffe Rauenstein bzw. Rauensteiner Porzellan gewesen sein. Ich wollte wissen, was die Welt darüber wusste und schaute damit erstmals buchstäblich über den „Tellerrand“. Und die Welt wusste jeden Tag ein bisschen mehr darüber.

Irgendwann stieß ich um 1999 auf ein amerikanisches Auktionshaus. Dort wurden Teller angeboten. Aus Rauenstein. Soweit nicht außergewöhnlich – ABER – es waren Teller des besagten Services, welches ich noch nie zuvor gesehen hatte und von dem niemand wusste, ob es tatsächlich jemals ausgeliefert wurde.

Als die Rauensteiner Fabrik um 1865 den Auftrag erhielt, war dieser so eilig zu bewältigen, dass die Limbacher Porzellanfabrik helfend unter die Arme greifen musste. Fast scheint es, als sei die Porzellanfabrik Rauenstein im Zeitalter der Industrialisierung an die Grenzen ihrer industriellen Kapazitäten gestoßen und wollte dennoch am globalen Handel teilhalben.

Angesichts des prominenten Auftraggebers, Kaiser Maximilian I. von Mexiko, wenig verwunderlich. Denn dieser Auftrag war mehr: Es ging um Profilierung, Anerkennung und die Öffnung eines neuen Marktes, schließlich konnte nicht jede Porzellanfabrik von sich behaupten, eine kaiserliche Tafel zu beliefern. Ein erfolgreicher Abschluss dieses Geschäfts, von dem leider (nach aktuellem Kenntnisstand) keine Quellen auf uns gekommen sind, garantierte zwangsläufig Folgeaufträge, schließlich neigten Adel und Bürgertum dazu, die Vorlieben ihrer Herrscher im Kleinen zu kopieren.

Wie kam es zu diesem Auftrag?

Dass die nach Meißen zweitälteste, bereits 1718 gegründete Porzellanfabrik Wien 1864 ihre Produktion eingestellt hatte und somit als naheliegender Hoflieferant eines Habsburgers ausschied, gilt es zwar an dieser Stelle zu erwähnen, mag aber bei der Wahl der Rauensteiner Fabrik angesichts der zahlreichen Konkurrenten eine untergeordnete Rolle gespielt haben.

Auch welche Rolle der Preis gespielt haben mag, können wir angesichts der knappen Kassen des vom Bürgerkrieg gezeichneten Mexikos, nur erahnen. Wenn es aber nicht die preisliche Attraktivität des Angebots war, bliebe nur noch die Bündnistreue des Rauensteiner Landesherrn, Hz. Bernhard II. von Sachsen-Meiningen, die den Ausschlag für den Auftrag gab (hier gilt es ggf. noch die übrigen machtpolitischen Konstellationen zu hinterfragen).

Wurde deshalb so hektisch produziert? Hatte der Auftrag für den Habsburger Spross vor dem aufziehenden Deutsch-Österreichischem Krieg 1866 an Brisanz gewonnen?

Wir wissen es nicht. Doch im Sinne sammlungsbezogener Wissens- und Kulturvermittlung, darf auch dieser Aspekt, den ich im Rahmen des CHW-Vortrages am 25. Februar 2019 etwas weiter ausführen möchte, nicht außer Acht gelassen werden. Schließlich stand das Hzm. Sachsen-Meiningen – anders als die Verwandtschaft aus Sachsen-Coburg und Gotha – auf österreichischer Seite, Hz. Bernhard II. war im Deutschen Reich als Preußenhasser verschrien. Allein schon die – wenn man den Ausgang des Krieges betrachtet – beinahe verhängnisvolle Bündnistreue zu Österreich könnte ausschlaggebend für den (ggf. vermittelten) Auftrag gewesen sein. Die Preußen siegten, Hz. Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha wurde das Meininger Herzogtum als Kriegsbeute angeboten, worauf dieser aus dynastischen Gründen aber verzichtete. Dennoch musste Hz. Bernhard II. von Sachsen-Meiningen zugunsten des Erbprinzen Georg, bekannter als Theaterherzog Georg II. abdanken.  Von ihm stammt im Übrigen der Auftrag für das andere Spitzenservice aus Rauensteiner Produktion. Doch das ist eine andere Geschichte.

Ich war Ende der 1990er Jahre also, um zum Thema zurückzukehren, auf Teile des Services für Kaiser Maximilian von Mexiko gestoßen. Tragischerweise war die Auktion aber bereits abgelaufen, meine Anfragen über den Verbleib der Teller und den Auktionserlös blieben unbeantwortet, nur das Angebotsfoto konnte ich speichern und befindet sich heute noch in meiner Sammlung.

Immerhin wusste ich jetzt, wonach ich zu suchen musste, hatte endlich ein Bild vor Augen. Das Service existierte und wurde offenbar tatsächlich ausgeliefert.

Jahre vergingen. In der Zwischenzeit hatten meine Sammlerfreunde und ich zahlreiche unbekannte Dekore wiederentdeckt, welche hier bei Weitem noch nicht alle ausgestellt sind. Im Mangel an  künstlerischer Vielseitigkeit kann der Grund des Scheiterns in den 1930er Jahren also nicht gelegen haben. Das Thema Maximilian wurde in Sammlerkreisen regelmäßig thematisiert. Unausgesprochen war durch die Suche danach durchaus als kleiner Wettstreit unter Sammlerfreunden ausgebrochen, den jeder durch Geheimhaltung seiner Lieferanten, Diskretion und Spürsinn für sich entscheiden wollte. Das motivierte auch mich, neben der Suche nach den alten Porzellinern, weiter nach dem Service Ausschau zu halten. Und umso mehr freut es mich, dass einige von Ihnen, wohlwissend der Tatsache, dass ich mir mit dem privaten Erwerb und anschließenden Verkauf der Teller eine goldene Nase hätte verdienen können, heute hier sind, um diese Ausstellung mit uns zu eröffnen. Einer gar trotz der zeitgleich stattfindenden Geburtstagsfeier seiner Tochter.

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Besucher der Ausstellungseröffnung im Museum Neues Schloss Rauenstein
Foto: © Michael Mende

Nebenbei fragt man sich als Historiker natürlich auch: Wer war Maximilian I. von Mexiko eigentlich?

Erzherzog Ferdinand Maximilian von Habsburg wurde am 6. Juli 1832 als zweiter Sohn von Erzherzog Franz Karl und Erzherzogin Sophie im Wiener Schloss Schönbrunn geboren. Während sein älterer Bruder, der spätere Kaiser Franz Joseph, auf die Thronfolge vorbereitet wurde, förderte Erzherzogin Sophie die künstlerische Begabung des jüngeren Sohnes, sein Interesse an Natur und Reisen.

Früh stieg in ihm der Wunsch nach eigener Profilierung auf, welcher ihm gepaart mit der ihm nachgesagten Abenteuerlust, zur Österreichischen Marine führte. 1854 ernannte ihn sein kaiserlicher Bruder daher zum Oberbefehlshaber der Marine und zum Konteradmiral, mit dem Auftrag, sich um die Reorganisation der Seestreitkräfte zu kümmern.

Bevor Ferdinand Maximilian 1857 zu einer zweijährigen Weltumseglung mit der Fregatte Novara aufbrach, heiratete er am 27. Juli 1857 die hübsche, intelligente, vor allem aber reiche belgische Prinzessin Charlotte, Tochter König Leopolds I. von Belgien aus dem Hause Sachsen-Coburg und Gotha. Es soll eine Liebesheirat gewesen sein, wenngleich sich Ferdinand Maximilian mit dem Ausbau seines neuen Wohnsitzes, dem Castello di Miramare am Marinestützpunkt Triest zum Traumschloss dermaßen verschuldet hatte, dass er glatt mit dem bayerischen Märchenkönig konkurrieren könnte. Der Verlust des Gouverneursposten von Lobardo-Venetien, mit dem ihn Franz Joseph standesgemäß zur Hochzeit versorgt hatte, mag die Situation nach dem Abtritt der Provinz an Italien im Jahr 1859 noch verschärft haben.

International war man trotzdem auf den zweitgeborenen Habsburger aufmerksam geworden, sodass er als Anwärter für die Kronen Griechenlands und Polens ins Gespräch gebracht wurde. 1864 schließlich wurde ihm von Kaiser Napoleon III. von Frankreich das seit 1861 von einem blutigen Bürgerkrieg zerrissene, bankrotte Mexiko angeboten. Napoleon III. hatte Mexiko kurzerhand besetzt, nachdem der Staat seine Schulden gegenüber Frankreich nicht mehr zurückzahlen konnte. Ferdinand Maximilian machte sich die Entscheidung nicht so leicht, wie ihm vielfach unterstellt wurde, zumal auch die Bedenken seiner Familie groß waren.

Einen Vertrag Napoleons III., welcher ihn zur Tilgung der mexikanischen Schuldenlast gegenüber Frankreich und zum Unterhalt der französischen Truppen in Mexiko verpflichten sollte, unterzeichnete er erst, nachdem die Franzosen eine mexikanische Delegation mit gefälschten Unterstützungsschreiben aus Mexiko zu ihm schickten. Dagegen verhallten schließlich auch die Warnungen des US Präsidenten Abraham Lincoln, der die demokratischen Bestrebungen im Nachbarland unterstützte.

Napoleon III. war es gelungen, Ferdinand Maximilian in den Glauben zu versetzen, die Mexikaner würden sich nach einem starken Staatslenker sehnen, nachdem dort binnen 40 Jahren sagenhafte 58mal die Regierung gewechselt hatte. Ferdinand Maximilians Ambitionen hatten also gegen alle Bedenken gesiegt.

Bestärkt wurde er nicht zuletzt auch durch seine ehrgeizige Gattin, Charlotte von Belgien. Sie hatte miterlebt, wie ihr Vater in Belgien durch industrielle und koloniale Unternehmungen zu enormem Reichtum gekommen war. Böse Zungen unterstellten ihr gar, mit der kaiserlichen Schwägerin Elisabeth, auch als Sissi bekannt, konkurrieren zu wollen.

Mitte März 1864 brach das künftige Kaiserpaar zu seiner 6wöchigen Überfahrt nach Mexiko auf. Ferdinand Maximilian nutzte die Zeit, unterwegs ein Hofzeremoniell und eine neue Verfassung für sein künftiges Kaiserreich auszuarbeiten. Auch seinen Titel hatte er bereits gewählt: Kaiser Maximilian I. von Mexiko.

Dort am 28. April 1864 angekommen, musste Maximilian feststellen, dass sich weite Teile des 1858 zur Republik ausgerufenen Landes unter Kontrolle der Republikaner befanden und diese von den Nachbarn in den USA Unterstützung erhielten. Maximilian war also auf Gedeih und Verderb auf das Wohl der Franzosen angewiesen, da ihm eine eigene Hausmacht fehlte. Erschwert wurde seine Akzeptanz noch durch die (für mexikanische Verhältnisse) prunkvolle Hofhaltung – das Rauensteiner Service ein Teil davon, die die Staatskasse zusätzlich belastete.

Als sich die Franzosen im Sommer 1866 aus dem zermürbenden Guerillakrieg nach Frankreich zurückzogen, erstarkte der von ihnen abgesetzte republikanische Präsident Benito Juárez und startete einen schonungslosen Freiheitskampf gegen die zahlenmäßig unterlegenen kaiserlichen Truppen. Zu diesem Zeitpunkt nutzte auch Maximilians Angebot, Juárez zum Minister in der kaiserlichen Regierung zu ernennen, nichts mehr.

Währenddessen bemühte sich Charlotte bei den europäischen Regierungen vergeblich um Unterstützung. Nach einer Audienz beim Papst erlitt sie einen Nervenzusammenbruch, von dem sie sich zeitlebens nicht mehr erholte. Der in Mexiko gebliebene Maximilian war bereits aus der Hauptstadt geflohen und in einer Hafenstadt untergekommen, konnte sich aber nicht zur Flucht nach Europa entschließen. Bestärkt wurde er in seinem verzweifelten Festhalten an der Macht durch seine Mutter, welche ihn in Unkenntnis des Umfangs der brisanten Lage, zum Durchhalten ermunterte. Im Mai 1867 gelang den republikanischen Truppen durch Verrat eines eigenen ranghohen Militärs aus den eigenen Reihen, welcher dem Kaiser noch die Möglichkeit zur Flucht bot, der Durchbruch. Maximilian wurde abgesetzt und vor einem Kriegsgericht zur standrechtlichen Erschießung verurteilt.

Am 19. Juni 1867, also ziemlich genau vor 151 Jahren, wurde das Todesurteil vollstreckt und Maximilian neben zwei seiner Generäle hingerichtet. Charlotte verkraftete diesen Schicksalsschlag nicht. Sie wurde wahnsinnig und für unheilbar krank erklärt. In der Obhut ihres Bruders in Belgien, überlebte sie ihren Gatten 60 Jahre und starb erst 1927 kinderlos.

Maximilians Leichnam wurde auf eigenen Wunsch einbalsamiert und nach Wien überführt. Die Balsamierung war derart stümperhaft durchgeführt worden, dass seine Mutter ihn nicht wiedererkannte. Dadurch wurden Gerüchte genährt, Juárez hätte Maximilian heimlich begnadigt, sodass dieser unter dem Namen „Justo Armas“ als Berater des späteren Präsidenten Gregorio Abrizu weitergelebt hätte. Justo Armas war bereits 1868 in El Salvador mit hellen Augen und Rauschebart, süddeutschem Akzent und höfischen Manieren quasi aus dem Nichts aufgetaucht, verstarb allerdings erst 1936, dann wäre Maximilian 104 Jahre alt geworden. Brisant an der Geschichte ist jedoch der Bericht, Justo Armas sei bei seiner Ankunft in El Salvador im Besitz von „Geschirr mit kaiserlichen Insignien“ gewesen. – Womit wir wieder beim Thema wären.

Am 28. Dezember 2017 saß ich zuhause im Wohnzimmer und schaute mir eine Dokumentation über die Geschichte Mittelamerikas an. Als wiederholt über Mexiko gesprochen wurde, erinnerte ich mich daran, dass ich schon länger nicht mehr Ausschau nach dem Service gehalten hatte. Fernsehsessel. Smartphone. Google. Und plötzlich große Augen. Ganz große!

Ich betrachtete diverse Fotos, stand auf, begab mich ins Arbeitszimmer: Computer an. Google. Und wieder diese Bilder. Es konnte also kein Irrtum sein: Auf einer amerikanischen Seite war ich auf das Angebot gestoßen, schrieb sofort eine Mail an den Anbieter, um die Verfügbarkeit abzuklären. Zugegebenermaßen hatte ich (es war nach 23:00 Uhr)  die Zeit etwas aus den Augen verloren, griff in meiner Euphorie zum Telefon und rief den Bürgermeister an, um ihn über die kleine Sensation zu informieren.

Sie können sich vorstellen, dass eine schlaflose Nacht folgte – insbesondere, als gegen 02:55 dank Zeitverschiebung das Handy piepte, und einen Maileingang signalisierte: „Thanks für your inquiry. Yes, I have these plates.“

Keine Sorge, ich erspare Ihnen jetzt das Protokoll der folgenden Wochen, während es galt, das Angebot zu sichern, in Preisverhandlungen einzutreten und binnen kürzester Zeit Fördermittel zu generieren oder einen Sponsor zu finden und kann Ihnen versichern, dass das in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr eine echte Herausforderung ist.

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Foto: © Michael Mende

Umso mehr möchte ich mich daher bei unserem Bürgermeister für das Vertrauen in das Projekt bedanken! Mein Dank gilt auch Frau Sprenger von der Thüringer Staatskanzlei und meiner Kollegin Anita Swiduruk, die mir trotz der Feiertage ihre Unterstützung zusicherten. Schnell wurde klar, dass wegen vorläufiger Haushaltsführung am Jahresanfang öffentliche Mittel schnell ausschieden. Hierüber hielt ich auch unsere Geschäftspartner auf dem Laufenden, sodass sie uns schon relativ früh dank der intensiven Korrespondenz preislich weit entgegen kamen und angesichts des für uns sensationellen Angebotes die nötige Zeit einräumten.

Am 4. Januar 2018 meldete sich auf unsere Anfrage Herr Kessel von der FCT Systeme GmbH in Rauenstein und sicherte uns spontan, unkompliziert und vertrauensvoll seine Unterstützung zu. Diese Zusage kann ich persönlich gar nicht hoch genug einschätzen, waren wir uns bis dahin noch nicht einmal begegnet, weshalb ich Ihnen, Herr Kessel, noch einmal in aller Öffentlichkeit meinen allergrößten Dank aussprechen möchte und mich freue, Sie in diesem Zusammenhang kennen und schätzen gelernt zu haben. Ihnen und unserem Bürgermeister ist es zu verdanken, dass meine Recherche über fast ein viertel Jahrhundert nicht umsonst war und die ersten Teile des kaiserlichen Services heute hier in Rauenstein stehen. Sie haben damit ihre Identifikation mit Frankenblick, Rauenstein und seinem Museum unter Beweis gestellt. Gleiches gilt für Herrn Alexander Stötzer von der Firma S&R Stahlbau und Blecharbeiten GmbH, die passend zur Ausstellung repräsentative Stelen für die Präsentation der Teller nach unseren Vorgaben fertigte. Danken möchte ich an dieser Stelle aber auch Rainer Blechschmidt, der mir mit seiner technischen und logistischen Unterstützung in den vergangenen Monaten bei der Ausstellungsorganisation eine große Hilfe war.

Schließen möchte ich meinen Vortrag mit einem Dank an unsere Geschäftsfreunde in Amerika, Harry und Marcia Viezens. Wir würden uns freuen, sie bald in Frankenblick und im Rauensteiner Museum begrüßen zu dürfen und hoffen, dass sie meine und die Einladung des Bürgermeisters annehmen, um uns zu besuchen.

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Geschirrteile des seit über 150 Jahren
verschollenen Services für Kaiser Maximilian I. von Mexiko
Foto: © Michael Mende

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Lassen Sie uns nun aber gemeinsam einen Blick auf die kleine, schlichte Sonderausstellung, die wir mit kleinem Budget, ohne öffentliche Gelder aber dank großzügigen Sponsoren und mit Hilfe des Fördervereins realisieren konnte.

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