Der Coburger Hexenturm

an der südwestlichen Stadtmauer

Finster und grau hob sich der niedrige, dicke Rundturm aus der südwestlichen Stadtmauer. Eine kleine mit Eisenbändern beschlagene Tür führte in das Erdgeschoß des Turmes. Hier im unterirdischen Kerker lag die junge, schöne Frau, eines Coburger Bürgers Ehefrau, die als Hexe angeklagt war.

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Foto: © Ulrich Göpfert

Ein böser Mensch, der allgemein nur der "Hexenriecher“ genannt wurde, hatte solange gehetzt, bis die mit der jungen Frau verfeindete Verwandtschaft sie der Zauberei beschuldigte, weil ihr Ehemann an schwerem Siechtum daniederlag.

Aber es war eine tapfere Frau, hatte auch noch daheim ein Kindlein in der Wiege. Sie wollte durchaus nicht bekennen, dass sie eine Hexe sei, obwohl man sie scharf verhört und mit Folterschrauben hart geplagt hatte. Dieses grausame Verhör der Hexen fand im mittleren Teil des Hexenturmes statt. Im obersten war nur der dachlose Turmstumpf, in dessen Mauern sich schmale Zugspalten befanden.

Wen der Hexenturm einmal hatte, den gab er nicht wieder heraus, denn zuletzt gestand doch jede Angeklagte. Sie musste nur erst recht gefoltert sein. So lag die arme Frau nach vergeblichem Verhör wimmert auf dem Haufen Stroh im Hexenloch des Turmes. Eben hatte ihr der Scharfrichter noch einen Krug Wasser neben das Lager gestellt und wollte den Turm wieder verlassen. Da pochte es draußen an der Pforte und ein kleines, dürres Männchen drängte sich herein. Er schien wohlbekannt zu sein im Hexenturm und schon stand er neben der Gefangenen. Er sprach mit schmeichelnder Stimme auf die Frau ein. Er erinnerte sie an ihr Kindlein daheim und gab ihr einen teuflischen Rat. Sie solle nur einige Frauen oder Mädchen aus gutem Hause als Mitschuldige angeben, dann werde man sich scheuen, sie noch weiter auszufragen. "Ich meine zum Beispiel, wenn Ihr unseres Bürgermeisters holdes Töchterlein oder ihre Familie beschuldigt, von Euch die Zauberei erlernt zu haben, wer wird es dann wagen, Euch weiter zu erforschen? Sicher werdet Ihr dann frei!“

Ehe das arme Weib etwas erwidern konnte, war das Männlein verschwunden. Als am anderen Tag die Unglückliche wieder zur Folter hinaufgeführt wurde, waren die Hexenmeister über ihr abermaliges Schweigen und Leugnen erzürnt. Sie befahlen dem Scharfrichter, die Schrauben recht hart anzudrehen. Da tat die Frau einen gellenden Schrei, rief dreimal den Namen ihres Kindes, das Mariele geheißen, und sagte, sie wolle alles bekennen. Als sie nun die Richter vernahmen, wobei sie die junge Bürgermeisterstochter arg beschuldigte, erschraken sie heftig. Das schreckliche Geständnis fiel ihnen schwer aufs Herz, denn nun mussten sie neue Anklagen erheben. Der armen Gefolterten aber nützte ihr erpresstes Geständnis nichts. Sie fiel in eine schwere Ohnmacht und verschied noch am gleichen Tag. Die Tochter des Bürgermeisters wurde wirklich als Hexe angeklagt, und nur durch das Eingreifen hoher Personen, konnte sie vor dem Feuertode bewahrt werden.

Quellenhinweis: Ludloff

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