Wenn auch die Jahre vergehen...

Erinnerungen an meine Urgroßmutter und Marktfrau
Berta Zeidler aus Coburg

Auf dem Foto ist meine Urgroßmutter Berta Zeidler zu sehen. Die Aufnahme wurde im Jahr 1928 auf dem Marktplatz in Coburg angefertigt. Berta Zeidler war zur damaligen Zeit eine bekannte Persönlichkeit. Sie war als die "Coburger Bürstenfrau“ bei den Einheimischen bekannt. An den Markttagen hatte sie ihren Marktstand gegenüber vom bekannten Geschäft "Leder-Faber“ auf dem Marktplatz in Coburg und hat dort den Bürgern alles angeboten, was für den Hausputz von Nöten war. Aber nicht nur das war im Sortiment der fleißigen Frau zu finden, auch große Laibe "Thüringer Bauernbrot“ waren bei ihr zu bekommen und Kenner dieser Köstlichkeiten aus dem Steinbackofen pflegten sich bei Berta Zeidler einzudecken.

Das Foto zeigt die Coburger Bürstenfrau Berta Zeidler an ihrem Marktstand auf dem Marktplatz in Coburg. Neben ihr sitzt ihre Enkeltochter Helga, die ihre Großmutter an den Markttagen immer kräftig unterstützte. Auch sind links auf dem Bild zwei Laibe Thüringer Bauernbrote aus dem Steinofen zu erkennen.

Auf dem Marktplatz ist es nicht immer nur gemütlich zugegangen wie das folgende Mundartgedicht vom bekannten Coburger Mundartdichter Georg Eckerlein , genannt der Coburger Schursch“ berichtet.

Die Brautfahrt“ oder Scherben bringen Glück

Jahrmark is im Stadtla drina, racht viel Leut und viel Gadräng.
Ständ und Buden sen za fina auf dan Markt dort net za weng.
Do gibt`s Tüchla. Dort gibt`s Bandla, gleich beim Haupteingang
vorn dra ham a ganza Reiha Standla anarsch Zeug und Porzala.
Ah dös Jörgla und sei Bräutla wölln sich käf vaschiedens ei.
Hochzig mach wolln ball die Leutla, drüm fahrn sa zum Jahrmark nei.

Mit sein neun Muturfahrradla nei zur Stadt dös Jörgla flitzt,
ana fest helt sich sei Madla, die wu hinten drauf do sitzt.
He, dös Jörgla tut was könna, he dös Jörgla will sich zeig.
Zäh Minuten kaum vagenna, auf dan Mark dort warn sa gleich.
Braut und Jörg strahln vor Entzücken, weil do sten Bekannta grod.
Auf die tut dös Jörgla nicken, glotzt net auf sei Muturrod.

Su saust`s Radla schnall und schnallar an dan ärschten Markstand na.
In die Töpf nei und die Tallar und dös schöna Porzala.
Und die Bauarschleut und Spießar machen jammarlichs Gaschrei.
Grod in die Kaffeeserwisar schlegt mit Wucht dös Brautpaar nei.
Sen in all die Schermermassen mit ihrn Radla neigarollt.
"Wohl bekomms" stand auf dan Tassen wunnerschö gamolt in Gold.
"Wohl bekomms". Es blut`t dös Bräutla an die Backen, an die Knie.
An dan Jörg is ganz ka Häutla und sei Sportgawand is hie.

Noch mähr is na wohl bakumma, denn dös Stadlas Polizei
hot dann Vorfall aufgonumma und notiert ins Büchla nei.
Ah dös Radla kam za Schoden, stark gapurzelt ins Porzla
und ärscht drei bequema Roten warn bazohlt am Radla dra.

"Wohl bekomms" su geht`s halt weitar,
"Wohl bekomms" zum dritten Mol,
die Serwisar und so weitar hot dös Jörgla müß bazohl.
Habt scho Poltaramd gafeiart, kam a bisla arg viel dick.
"Wohl bekomms", ball wird gaheiart und die Schermar bringa Glück.

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