Grub am Forst als Heilbad

Grub am Forst als Heilbad in der Mitte des 18. Jahrhunderts
In einer Bäderbeschreibung vom Jahre 1776 wird das Heilbad Grub
an zweiter Stelle hinter Karlsbad genannt

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Diese Tafel ist am Kupferbrunnen in Grub am Forst angebracht

2015 © Ulrich Göpfert

Bevor ich meinen Beitrag beginne, möchte ich mich sehr herzlich bei Herrn Bürgermeister Kurt Bernreuther und Frau Christine Blinzler von der Gemeindeverwaltung Grub am Forst für die Unterstützung bedanken.

Grub wird erstmals in einem Dokument aus dem Jahre 1288 urkundlich erwähnt. Damals vermachte Grundherr Kunemund von Sonneberg dem neugegründeten Nonnenkloster Sonnefeld neben einigen anderen Gütern auch die Mühle zu Grub. Dank des Hofmedicus Dr. Caspar Fischer, erlebte Grub als Heilbad in der Mitte des 18. Jahrhunderts eine kurze Blütezeit. In einer Beschreibung aller Bäder Deutschlands vom Jahre 1776 wird das Heilbad von Grub an zweiter Stelle hinter Karlsbad genannt. Sogar die Herrschaften des Hofes zu Coburg pflegten damals in Grub ihre Gesundheit.

 
Ob die frühere Heilkraft des Kupferbrunnens noch vorhanden ist? '
Alt-Bürgermeister Kurt Bernreuther geht diese Frage gezielt an,
wie auf dem Foto zu sehen ist

2015 © Ulrich Göpfert

Die Geschichte Grubs als Bad beginnt um das Jahr 1730. Zu dieser Zeit herrschte in hiesigen Landen Herzog Franz-Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld, der sich in nichts von den anderen Barockfürsten seiner Zeit unterschied, höchstens, dass seine Staatskasse noch schwindsüchtiger war, als die seiner Standesgenossen. Kommen wir nun zu einer anderen Persönlichkeit die zum Ruhm des Ortes als Heilbad beigetragen hat, zu Doktor Caspar Fischer, einem Mitglied seiner Königlich Preußischen Societät der Wissenschaften.

Caspar Fischer wurde 1692 in Frankenhausen geboren, studierte Chirurgie und ließ sich 1714 in Gera nieder. Er konnte wohl beachtliche Leistungen und Erfolge verzeichnen, sonst hätte er nicht die oben erwähnte Ehrung erfahren. Herzog Ernst-Friedrich berief ihn als „Sachsen-Saalfeld-Coburg’schen Leibmedicus“, d. h. Leibarzt, nach Coburg.

1730 ist er der Besitzer des aus einem ehemaligen Gutshof hervorgegangenen „Oberen Hofes“ in Grub am Forst. Dr. Caspar Fischer war sicher ein kluger Mann und alles andere als ein Alchemist oder Quacksalber, wie viele seiner Berufskollegen zur damaligen Zeit. Von Bewohnern des Ortes erfuhr er von einer heilkräftigen Quelle am damaligen Ortsrand: „dem Kupferbrunnen“. Seit undenklichen Zeiten sei das Wasser bei allerlei Krankheiten angewandt worden.

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So sah der Kupferbrunnen früher aus

Repro Ulrich Göpfert

Die Bauern aus Grub berichteten ihm von einer Beobachtung: In dem Wasser würden Krebse, kleine Fische, Regenwürmer und „Viergebein“ (Salamander) nicht am Leben bleiben. Auch würde die klare und zu jeder Zeit stark fließende Quelle im Winter nicht zufrieren. Und schließlich sei auch während der größten Sommerhitze in der sumpfigen Umgebung der Quelle kein Modergeruch wahrzunehmen. Weiter wurde damals von den Einwohnern Grub erzählt: „dass man vor etlichen Jahren um der Reinlichkeit willen diesen Brunnen mit ausgehauenen Steinen habe ordentlich fassen wollen. Dabei wäre von den verschiedenen Zuflüssen nur der stärkest und hellest fließende eingefasst und die anderen Orte mit Litten versetzt, nachdem aber hätte sich der vormalige gute Effekt nicht mehr so stark zeigen wollen, glaubten deswegen, dass damahlen die beste Quelle hiervon, ohnwissend sy abgesondert worden.“

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So sieht der „Kupferbrunnen“ in Grub am Forst heute aus

2015 © Ulrich Göpfert

Diese Angaben genügten dem Hofmedicus Caspar Fischer, um ihn mit wissenschaftlicher Gründlichkeit an die Untersuchungen herangehen zu lassen. Zunächst sah er die Angaben bestätigt. Dann fand er die Zuflussrichtung des Heilwassers „etwa 200 Schritt über dem gefassten Brunnen an dem Fuße des Gebürges“. Dort schlug er in ca. acht Meter Tiefe eine stärkere Quelle an: seine Badequelle. Darüber ließ er 1734 ein Brunnenhaus bauen, mit Einrichtungen für Bade- und Trinkkuren. Angeschlossen war ein chemisches Laboratorium. In ihm erhielt er durch teilweises Verdampfen die Kalkerde, das „weiße Grüber Pulver“. Durch Verdampfen der Restflüssigkeit gewann er das Glaubersalz, das er als Bittersalz bezeichnete und als Medikament unter dem Namen „Sal Polychresti“ in den Handel brachte. Wieder im Wasser aufgelöst, hatte es eine abführende und lösende Wirkung. Caspar Fischer setzte es auch dem Quellwasser zu und verstärkte dadurch dessen Wirkung beträchtlich.

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Werbebüchlein von 1735

Repro Ulrich Göpfert

1735 veröffentlichte Hofmedicus Caspar Fischer eine medizinische Abhandlung, ein kleines, nur 64 Seiten umfassendes Werbebüchlein mit dem Titel: „Der In dem Fürstenthum Coburg Zu Grub am Forst befindliche Gesund-Brunnen samt denen daraus verfertigten Medicamenten Und nützlichen Gebrauch Zum Trinken und Baden/GOTT zu Ehren/Dem Rechten zum Besten/gebauet und beschrieben vom Caspar Fischern.“ Diese Schrift ist nur noch in wenigen Exemplaren vorhanden. Darin zählt er auch die Krankheiten und Beschwerden auf, die geheilt, bzw. gelindert werden sollen. Dies sind mit seinen Worten Trägheit des Magens und des Darms, daher auch Melancholie und Hypochondrie, Verstopfung und Blähungen, Katarrhe, Husten, Schnupfen, Bräune, Seitenstechen, Stein, Gicht, Gliederschmerzen, Kolik, Sodbrennen, Magenkrämpfe usw. und wie er weiter schreibt: „Da es sehr gelinde ist, greift es den Magen nicht an, sondern stärkt!“ Zunächst sei eine halbe Maß zu trinken und bei sofortiger Wirkung zu einer ganzen überzugehen.

 
Der Alt- Bürgermeister Kurt Bernreuther von Grub am Forst nahm sich für mich die Zeit und besuchte mit mir den „Kupferbrunnen“ und gab dazu interessante Erläuterungen

2015 © Ulrich Göpfert

Der „Kurbetrieb“ ließ sich – nicht zuletzt durch die Rührigkeit seines Gründers – gut an. Dr. Fischer verschrieb regelrechte Kuren, die oft über mehrere Wochen hinweg dauerten. Dafür hatte er eigens einen genauen Tagesplan vorgeschrieben, um die Kur wirksam werden zu lassen. Alles in allem verordnete er recht strenge Kuren, die trotzdem nicht nur zur Erleichterung für überfressene Städter gedacht waren, sondern genauso für die Leiden der kleinen Leute und Bauern, die ja die eigentlichen Entdecker der Heilkraft der Quelle waren. Viele erfolgreiche Behandlungen machten das „Grüber Heilbad“ damals so berühmt, dass selbst Serenissimus, der Herzog Franz Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld von Dr. Caspar Fischer mit dem „Grüber Pulver“ gegen Husten behandelt wurde. Mit ihm wandte die ganze herzogliche Familie die Grüber Arzneien erfolgreich an.

So ließ es nicht lange auf sich warten, und die Kranken und auch nicht so Kranken kamen nach Grub zur Kur. Es war die Zeit, in der J.J. Rousseaus Aufruf: „Zurück zur Natur“! Europa eroberte. Nicht alle Gäste waren so krank, um ein solch strenges Einsiedlerleben zu führen, wie es Dr. Fischer seinen Kurgästen vorschrieb; schließlich lebte man in der Zeit des Barock und Rokoko. Die meisten plagte schlicht und einfach das Übermaß einer üppigen Festmahlzeit. Und dagegen halfen einige Glas Wasser aus dem Kupferbrunnen schon. Auch die herzogliche Familie erschien mehrmals, sicher aus gegebenem Anlass.

 
Tanz der zierlich aufgeputzten Hofgesellschaft - Nach einer Zeichnung von H. Lossow
Repro Ulrich Göpfert

Noch 180 Jahre später war die Überlieferung bei den alten Grübern an die Zeiten wach, in denen die Badegesellschaft hier lustwandelte: Ausstaffiert mit Reifröcken und Seidentüchlein die Damen, dazu ihre fein und zierlich aufgeputzten Herren mit Degen und Schnallenschuhen. Dann sangen wohl die Kinder des Ortes der Herrschaft ein Ständchen. Ganz feierlich wurde es aber in Grub, wenn die Musiker aus der Residenz herauskamen und die noble Gesellschaft nach heiteren Flötenklängen auf umschatteten Plätzen in der Nähe des Brunnenhauses Menuett tanzte. So etwas hatte die Gruber Bevölkerung bisher noch nicht gesehen.

Es war die Persönlichkeit des Medicus Caspar Fischers, sein Organisationstalent und seine ärztliche Kunst, die den Aufstieg Grubs zum Badeort begründete. Mit seinem Tod 1746 sank es schnell in die Vergessenheit.

Quellenhinweis: „700 Jahre Grub am Forst“ von Walter Schneier

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