Schwarzschlachten

Schwarzschlachten und Schnapsbrennen
Ab 1945 blühte der Schwarzhandel

 
So offen wie auf dem Foto abgebildet, wurde das geschlachtete Schwein beim "Schwarzschlachten" natürlich nicht vor dem Stall an eine Leiter gehängt. Das spielte sich alles im Haus bzw. Stall selbst ab
Repro 2012 Ulrich Göpfert

Die Ernährungslage nach dem Krieg verschlechterte sich zusehends. Zuviel Menschen kamen mit ihren zugeteilten knappen Lebensmittel-Rationen nicht mehr aus, der Schwarzhandel blühte.

Bei uns im Haus, gab`s glücklicher Weise keine Not, weil Vieh und Metzger vorhanden, weil "Schwarzschlachten" angesagt war. Davon profitierten auch die im Haus ansässigen Flüchtlinge, die ja mit am gemeinsamen Tisch saßen. Trotz allem war Vorsicht geboten, weil unser Hof von drei Seiten mit Nachbarn umgeben und der Neid der Besitzlosen verständlicher Weise vorhanden war. Pro Kopf Einwohner gab`s auf Lebensmittelkarten eine gewisse Menge Fleischwaren-Zuteilung. Für Hausschlachter wurde das Amtliche, auf der Gemeindewaage ermittelte Schlachtgewicht aufgerechnet.

 
Hier reinigt der Metzger die Naturdärme, die später mit Wurst bzw. Bratwurst-Met gefüllt wurden. Beide abgebildeten Personen haben nichts mit diesem Beitrag über das "Schwarzschlachten" zu tun. Es handelt sich hierbei um eine Aufnahme aus den 1960iger Jahren von einer Hausschlachtung in Dörfles-Esbach
Repro: 2012 Ulrich Göpfert

In der Praxis sah es folgendermaßen aus: 2 Ztr. wurden zum verrechnen gewogen und eine 3 - 4 Ztr. schwere Sau geschlachtet und wenn vorhanden noch eine zusätzlich. Der Dorfgendarm, der am Schlachttag meistens auftauchte bekam seine nötige Stillhalte-Portion.  Mein Vater hat für etliche Dorfnachbarn bei uns, Schwarzschlachtungen vorgenommen und das nicht geringe Risiko auf sich genommen, was ihm später nicht immer gedankt wurde. "Tue niemand etwas Gutes, auf dass Dir nichts Böses widerfahre", traf zu.

Ein weiteres, aus der damaligen Notzeit geborenes Schwarzgeschäft war das
" Schnapsbrennen"
Eine ausrangierte Wehrmachts-Feldküche in der Werkstatt aufgestellt, bildete den Grundstock, Schlotanschluss war vorhanden. Weitere Apparaturen fertigte ein Coburger Klempner. Wasseranschluss zum Kühlen von der darunter liegenden Schweineküche, kein Problem. Gebrannt wurde von Roggen und Weizen, beides war genügend vorhanden.

Es ist mir heute noch ein Rätsel, wie das damals so unentdeckt und unbestraft von statten ging. Profitiert davon hatten auch die Amerikaner im Tauschhandel: Schnaps gegen Kaffee, auch Eier und Schinken waren gefragt. Das Geschäft vermittelte ein Zivilangestellter Oberschlesier bei den Amis und es lief reibungslos.

Quellenhinweis: Der Zeitzeuge dieses Berichtes ist mir persönlich bekannt. Er möchte jedoch nicht genannt werden.

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