Eine peinliche Familientragödie

Eine peinliche Familientragödie
am Hofe von Herzog Casimir in Coburg

Seine erste Gemahlin Anna hatte ein Liebesverhältnis
mit dem Junker Ulrich von Lichtenstein

 
Herzogin Anna geb. Prinzessin von Sachsen, erste Gemahlin
des Herzogs Johann Casimir, ließ sich auf ein Liebesabenteuer
mit dem Ritter Ulrich von Lichtenstein ein. Ihre Ehe wurde
daraufhin am 12. Dezember 1593 geschieden und Anna verbüßte
ihr Vergehen mit lebenslanger Haft.


Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg wurde
am  12.06.1564 geboren und starb am 16.07.1633

Am 12. Januar 1586 fand die Vermählung zwischen Herzog Casimir und Anna, Tochter des Kurfürsten August von Sachsen statt. Doch diese Ehe hatte keinen langen Bestand. Bereits nach ein paar Jahren war die Liebe ihres Mannes zu ihr abgekühlt, nachdem der ersehnte Thronfolger ausblieb. Sie fühlte sich von ihrem Ehegatten vernachlässigt.

Annas Verhältnis mit Ulrich von Lichtenstein
Ulrich von Lichtenstein stammte aus einem alten im Fränkischen hoch angesehenen Adelsgeschlecht. Der Junker trat in die Dienste des Herzogs Casimir. Sie waren beide fast gleichaltrig und kannten sich von Kindheit an. Ihr Verhältnis zueinander konnte als ausgesprochen freundschaftlich bezeichnet werden.

Am Hofe von Herzog Casimir wurde Ulrich von Lichtenstein herzoglicher Kammerherr und Vize-Hofmarschall. Bereits bevor Herzog Casimir von der Untreue seiner Gemahlin erfuhr, wusste der Hofklatsch bereits bestens Bescheid. Nachdem Ulrich von Lichtenstein eine Kammerzofe der Herzogin ins Vertrauen gezogen hatte.

Doch Herzog Casimir war von der Treue seiner Gattin felsenfest überzeugt. Das "Annele“, die Kammerzofe der Herzogin, wurde im September 1593 wegen einer Liebesaffäre mit dem Hofjunker Konrad von Vitzthum verhaftet. Dabei plauderte sie im Verhör ihr Wissen auch über das Verhältnis der Herzogin mit Ulrich von Lichtenstein aus.

Verhaftung, Scheidung, Gefangenschaft und Tod
Daraufhin ließ Herzog Casimir am 23. September 1593 seine Frau und Ulrich von Lichtenstein verhaften. Für beide forderte er die Todesstrafe. Am 17. November 1593 gestand die Herzogin ihre Untreue. Am 20. November 1593 übergab der Herzog die Sache dem Konsistorium (oberste Verwaltungsbehörde der Evangelischen Landeskirche) und erhob Anklage auf Ehescheidung. Am 12. Dezember 1593 wurde diese ausgesprochen. Anna wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Geschiedene wurde am 28. Dezember 1593 nach Eisenach verbracht und dort in zwei Zimmern des Zollhofes gefangen gehalten.

Nach fast dreijährigem Aufenthalt in Eisenach ließ Herzog Casimir seine geschiedene Frau wieder nach Coburg auf Schloss Callenberg überführen. Da es dem Herzog dort nicht sicher genug erschien, wurde ihr am 16. September 1596 das frühere Kloster Sonnefeld als Aufenthaltsort zugewiesen. Hier verbrachte sie sieben Jahre ihres Lebens. Da kam dem Herzog Casimir ein Gerücht zu Ohren, dass sie befreit und entführt werden sollte. Sie wurde auf seinen Befehl am 3. Mai 1603 auf die Veste Coburg gebracht.

Trotz aller strengen Haftanordnung spann die unglückliche Frau dort ihre Fäden mit einem ungetreuen Unflat von Wachtmeister, der hingerichtet wurde. Zehn Jahre nach ihrer Überführung auf die Veste Coburg verstarb die unglückliche Anna im Alter von 45 Jahren am 27. Januar 1613. Sie wurde im Kloster Sonnefeld am 3. Februar 1613 beigesetzt.

Das weitere Schicksal des Ulrich von Lichtenstein
Auch der Junker hatte gefehlt und musste büßen. Der Herzog forderte für seinen einstigen Jugendfreund die Todesstrafe. Den Fall hatte der Schöppenstuhl (das oberste Landesgericht) in Jena zu bearbeiten. Die Anklageschrift, die der Herzog dorthin übermittelte, zählte jedes Detail der Verfehlung auf. Doch die Richter entschieden, entgegen der Forderung des Herzogs, auf lebenslange Haft.

In der Zwischenzeit hatten sich mehrere Persönlichkeiten für den Junker eingesetzt und um Gnade gebeten. In einem Schreiben vom 16. August 1594 schaltete sich sogar Kaiser Rudolf II. ein. In diesem Schreiben schlug er dem Herzog verschiedene Wege der Strafverbüßung vor. Herzog Casimir entschied sich für das härteste Los: Der Junker solle in Haft gehalten, jedoch von seinen Verwandten unterhalten und verköstigt werden. Er blieb weiterhin auf der Veste Coburg eingekerkert.


Der Liebhaber der Herzogin, Ulrich von Lichtenstein, wird in einem Stadtmauerturm (Totengräberturm) der seither Lichtenstein-Turm genannt wird gefangen gehalten. Als er nach dem Tod des Herzogs Casimir endlich begnadigt wird, stirbt er nach 40jähriger Haft am 8.12.1633 knapp eine Woche vor seiner geplanten Entlassung im Alter von 70 Jahren in seinem Turm-Gefängnis.  

Erst im Jahre 1597 wurde er in einem Stadtmauerturm (früher Totengräberturm und seither als Lichtenstein-Turm bezeichnet) überstellt. Hier verbüßte Ulrich von Lichtenstein seine Strafe in einer Art Hausarrest. Nach fast 20jähriger Haft - am 27. Januar 1613 war Herzogin Anna verstorben -  richtete er ein Gnadengesuch an Herzog Casimir. Ulrich von Lichtenstein wollte weit weg von Coburg auf seinen Gütern in Ippesheim in Unterfranken seinen Lebensabend zubringen. Das an den Herzog gerichtete Gesuch blieb ohne Antwort.

Am 16. Juli 1633 verstarb der kinderlos gebliebene Herzog Johann Casimir. Seine Nachfolge trat deshalb sein Bruder Johann Ernst an. Inzwischen war der Junker Ulrich von Lichtenstein 70 Jahre alt geworden. Nun schrieb von Lichtenstein an den Nachfolger Herzog Johann Ernst nach Eisenach und bat um Milde. Durch die Wirren des 30-jährigen Krieges verzögerte sich die Antwort aus Eisenach.

Endlich, am 5. Dezember 1633 gab Herzog Johann Ernst Befehl, Ulrich von Lichtenstein aus der Haft zu entlassen. Wie es das traurige Schicksal wollte, erreichte diese Botschaft Ulrich von Lichtenstein nicht mehr, er verstarb am 8. Dezember 1633, nach über 40 Jahren Haft, nur 3 Tage nach dem herzoglichen Erlass, in seinem Gefängnis im sogenannten Lichtenstein-Turm in Coburg. Begraben wurde er in der Schlosskiche in Ahorn.

Quellenhinweis: Föhl, Pellender, Schneier

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