Pulverexplosion

Pulverexplosion am 1. September 1810
in der Stadt Eisenach

Bei diesem Unglück starben über 70 Menschen


2014: Repro Ulrich Göpfert

Der schwarze Brunnen in Eisenach wurde im Jahr 1817 zur Erinnerung an die Pulverexplosion (am 1. Sept. 1810) an der Unglücksstätte errichtet. Im Jahre 1910 wurde er als Springbrunnen erneuert, wobei man die neu eingebaute Brunnensäule und die sie umgebende Brunnenschale mit französischen Granatkugeln schmückte. Unweit vom Markt, dort wo die Neue Straße die Georgenstraße durchschneidet, steht ein Brunnen, der durch sein mächtiges schwarzes Wasserbecken und durch die seltsame Ausschmückung des Brunnenstockes mit Granatkugeln auffällt. Man nennt ihn den schwarzen Brunnen und er erinnert an ein trauriges Ereignis im Jahr 1810. Auf einer Geschichtstafel am nahen Haus steht in kurzen Worten: "Schauplatz der großen Pulverexplosion".

Was hatte sich zugetragen?
Am Abend des 1. September 1810 brach infolge der Explosion von drei durch Eisenach fahrenden französischen Pulverwagen eine Feuersbrunst aus, durch die 14 Häuser zerstört und eine größere Anzahl beschädigt wurden; insgesamt fanden dabei über 70 Menschen den Tod.

Über dieses schreckliche Ereignis berichtete der Volksschriftsteller Hofrat Rudolf Zacharias Becker, Herausgeber der Nationalzeitung der Deutschen (Gotha):
Seit dem Juni d. J. gehen kaiserlich französische Transporte, alle 5 Tage 30 bis 40 Wagen mit Pulver, Kanonen, Patronen, gefüllten Bomben, Granaten und Kartätschen beladen, von Magdeburg über Halle, Erfurt und Gotha nach Eisenach, und von da weiter nach Frankreich, auf Kosten derjenigen Länder des Rheinbundes, durch welche diese Heerstraße führt. Ein solcher Transport mit 13 Pulverwagen kam gegen 9 Uhr am Abend des 1. September, es war schon ziemlich dunkel, durch die Stadt. Die Fuhrleute sahen sich dem Ziel ihrer Tagesreise nahe und fuhren mit ihrer gefährlichen Ladung wohl etwas zu rasch über das Steinpflaster.

Man nimmt an, das ein ausgeschlagener Funke, oder die Selbstentzündung einer Achse auf die schlecht verwahrten Fässer auftraf und unter dem Wagen umhergestreutes Pulver entzündete, im Nu flogen auch zwei andere mit Patronen, Bomben und Granaten beladene Wagen mit in die Luft. Dieses schreckliche Unglück geschah am Ausgang der Messerschmiedegasse in die Georgengasse. Einige Häuser von dem bekannten Gasthof zum "Halben Mond" wurden vollkommen dem Erdboden gleichgemacht so ungeheuer war die Explosion. Einen ungeheuren Blitz, den man sogar noch in Gotha gesehen haben soll, erhellte für einen Augenblick das Dunkel der Nacht.

Die nächst stehenden neun Häuser am Explosionsort stürzten ein und begruben alles, was darin war, unter ihren Trümmern. Von mehreren weiter entfernten wurden die Dächer abgerissen, und in einem weiteren Umkreis um den Unglücksplatz Fenster und Türen zerschmettert, die Bekleidungen ausgerissen, Schlösser gesprengt, Spiegel und Glasbilder an den Wänden, Öfen und Kamine zertrümmert. Einige hundert Meter von der Explosion entfernt, stürzten Personen, die am Fenster standen oder auf Stühlen saßen, zu Boden. In wenigen Minuten wurden noch 24 Häuser in Flammen gesetzt, eine größere Anzahl wurde mehr oder weniger beschädigt.

In einem der eingestürzten Häuser wurde im unteren Stock ein Mann seine Frau und Kind sowie die Magd verschüttet Im mittleren Stock wohnte ein Mann von Stand, bei dessen Gattin einige Frauen zu Besuch waren und die sich mit Singen am Pianoforte aufhielten. Eine dieser Damen empfand plötzlich eine unerklärbare Sehnsucht nach Hause zu gehen und verließ mit einer anderen die Gesellschaft. Kaum hatte sie ihre Wohnung erreicht, so geschah die Explosion. In diesem Haus fanden 8 Personen den Tod, sie wurden erst drei Tage später vollkommen verbrannt entdeckt. In einem anderen Haus fand die ganze Familie, aus sieben Personen bestehend, ihr Grab. Ein junger Mann, der gerade des Wegs kam, wurde zerstückelt und weit weg geschleudert. Einem Kaufmannsdiener, der in einem der nächsten Häuser ausräumen half, raubte eine später entzündete scharfe Patrone das Leben.

Viele Personen wurden verwundet, mehr als 20 schwer. Einem hundert Schritte vom Explosionsort stehenden Mann wurde der abgerissene Huf mit Hufeisen in den Unterleib geschlagen. Einem anderen, der sich in einem nahen Kaffeehaus befand, wurde durch eine Kartätschenkugel die linke Wange und beide Augen weggerissen; der furchtbare Blitz war das letzte Licht, das er sah. Durch Geistesgegenwart ist die Stadt von einem größeren Unglück verschont geblieben. Der Wagenzug der die Stadt durchfuhr wurde gestoppt, weil glücklicherweise ein Fuhrmann auf dem Markt seinen Wagen anhielt, dadurch ist eine größere Lücke zwischen den Fuhrwerken entstanden. Man konnte deshalb die noch zurückgebliebenen zehn Wagen umkehren und aus der Stadt schaffen.

Der Schreck der Explosion hatte die Pferde so betäubt, dass sie sich nicht von der Stelle rührten und die Fuhrleute vor Angst die Stränge abschnitten, um sie und sich selbst zu retten. Es fanden sich auch viele Bürger ein, die mit Hand anlegten und die Fuhrwerke bis zur Stadt hinausschoben. Beim Löschen zeigten die Einwohner, die das Wasser in Butten auf den Rücken zu den Spritzen brachten großen Einsatz. Von der Wartburg aus wurden Notschüsse abgegeben, die in der Stadt Gotha gehörte wurden. Die dortige Feuerwehr legte mit ihren Spritzen die sonst siebenstündige Wegstrecke in einer Rekordzeit von zwei Stunden zurück. Gleich am nächsten Tag nach dem Unglück wurde in Eisenach ein außen um die Stadt führender Weg, der in schlechtem Zustand war, wieder in fahrbaren Zustand versetzt, damit gefährliche Fahrzeuge nicht mehr mitten durch die Stadt fahren mussten.

Der entstandene Schaden durch Explosion und Brand wurde mit 200.000 Talern beziffert. Napoleon befahl am 10. Oktober 1810, dass 120.000 Francs zur Unterstützung bei der Beseitigung der Notlage zur Verfügung gestellt wurden. Aus ganz Deutschland trafen Spenden in Eisenach ein. Der Landesfürst Herzog Carl August half nach Kräften, und spendete 1.200 Taler. Insgesamt wurden etwa zwei Drittel des entstandenen Schadens gedeckt. An einem alsbaldigen Wiederaufbau war wegen des herannahenden Winters nicht zu denken. Erst 1 Jahr später wurden die Schäden behoben und quer durch die Trümmerstätte, die das Feuer geschaffen hatte, die Neue Straße gelegt.

Quellenhinweis: Die Heimat, Nr.: 31 und 32, 9. Jahrgang, 1910

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