Erlebnisse von Konstabler Conrad Rüger

Erlebnisse von Konstabler Conrad Rüger
im 30jährigen Krieg rund um Coburg

Rüger stammte aus Bertelsdorf und war
zur damaligen Zeit wohlbekannt


Veste Coburg - Die fränkische Krone
 
Archiv © Ulrich Göpfert

Die Belagerung der Veste Coburg im Jahr 1632
"Nun folgt, was sich mit der Veste Coburg und mit der Stadt, nebst dem ganzen Lande in der in der "römisch kaiserlichen" und "baierischen" Belagerung zugetragen. - Anno 1632 drei Monate nach der Belagerung von "Cronach", den 22. September kam der Obrist Taubadel mit 9 Compagnien Dragoner, jede 50 Mann, zu Scheuerfeld an, von seiner königlichen Majestät zu Schweden anhero kommandirt, die Vestung Coburg, nebst 200 inhabenden Landvölkern und von Birkig, zu defendiren."

"... Donnerstag, den 28. September früh um 2 Uhr kam das Geschrei, dass sich der Feind in vollem Marsch der Stadt nähere, worauf mit 2 Stücken auf der neuen Bastei Salve gegeben wurde, welches die schwedische Losung war. Davon wurde jedermann munter und parat zum Gewehr zu greifen. Die Dragoner, Bürger, Studenten, auch Handwerksburschen wurden nach eines jeden Belieben im Zeughaus mit Gewehr wohl versehen und ausgerüstet.

"... Nach erhaltendem (Waffen)Stillstand um 2 Uhr zog der Obrist Becker in die Stadt, desgleichen der "Baier Fürst" (Kurfürst Maximilian), welcher sein Quartier auf dem Steinweg in dem Bachstädtischen Haus nahm (nach Dr. Heins: Burglaßschlösschen). Der Herzog von Friedland (Wallenstein) aber nahm sein Quartier zu Ketschendorf in des Herrn Landrentmeister Joh. Lattermanns Haus." Der Schweden-Obrist Taupadel, der zur Verteidigung der Veste kommandiert war, wies das Ansinnen Wallensteins, die Burg zu übergeben, natürlich ab.


Heute steht auf dem Hügel "Fürwitz“ das ehemalige Hotel Festungshof
 
Archiv © Ulrich Göpfert

"... Den 29. September begab sich der Feind hinter einem Hügel, der Fürwitz genannt, pflanzte 2 Feuermörser auf, machte Laufgräben auf der Höhe quer über und warf mächtige Granaten in die Vestung auf die Schindel und hohe Bastei, that aber keinen Schaden wegen fleißiger Hut und Wach derer in der Vestung, welche sie mit nassen Kuh- und Ochsenhäuten dämpften, außer einer, welche niedergefallen und zersprungen, die hat ein Weib und ein Pferd todt geschlagen. Die in der Vestung schliefen auch nicht, spielten tapfer unter sie mit Stücken, Doppelhaken, Musketen und Feuerröhren, welches bis zum Abzug dauerte."


Szenenfoto aus der Veranstaltung "Eine Zeitreise - Tage des Donners“
auf der Veste Coburg
 
Archiv © Ulrich Göpfert

"... Den 30. September ritt der Herzog von Friedland, mit 2 Laquaien bei sich laufend, aus der Stadt, die Vestung zu recognoszieren, auf welchen, als er von den Dragonern erkannt wurde, alsbald eine Feldschlange von mir gerichtet und Feuer abgegeben wurde und traf dasselbe Stück gerade vor ihm in die Erde, dass diese um ihn herum und auf den Leib sprang, worauf er seinem Pferd, welches davon stutzig geworden und still gestanden, die Sporen gegeben und durchgegangen. Er hat aber, wie man nachher erfahren, heftige Drohworte ausgestoßen, nämlich selbige Bestie, die ihm dies gethan, gleich aufhängen zu lassen, wenn er solche, in seine Hände bekäme. Das war aber das Beste, dass er sie nicht hatte."

Um 2 Uhr Nachmittags schickte der Herzog von Friedland einen Trompeter an die Vestungs-Kommandanten, worauf eine kleine Zeit Stillstand gehalten wurde.

"...Worauf der Herr Obrist dem Trompeter zur Antwort gab: er solle dem Herzog von Friedland, seinem Herren, vermelden, was er nicht lassen könne, das solle er nur thun; er hätte für den Herzog von Friedland nichts als Kraut und Loth und die Spitze vom Degen, wenn er die haben wollte, so sollte er nur kommen."

"...In selbiger Nacht um 12 Uhr kamen sie an die Futtermauer gegen der neuen Bastei über, in der Meinung, solche zu ruinieren, wurden aber von einem Constabler mit 20 Handgranaten also bewillkommt, dass es ihnen nicht gefallen." Ein Ausfall der Besatzung am 2. Oktober brachte keinen Erfolg. Unterdessen wütete der Feind im ganzen Land, Eisfeld, Heldburg, Rodach und Ummerstadt brannten.


Szenenfoto aus der Veranstaltung "Eine Zeitreise - Tage des Donners“
auf der Veste Coburg
 
Archiv © Ulrich Göpfert

Der Hauptsturm
Am 3. Oktober ließ Wallenstein zum Hauptsturm auf dem Rögnersberg (Brandensteinsebene) sammeln.

Conrad Rüger berichtet darüber:
"Mittags um 12 Uhr fügte sich eine große Anzahl Volks auf den Rögnersberg, allda zu approchiren. Kaum hatten sie den Anfang gemacht, da gab ich mit drei Feldschlangen Feuer unter sie, dass ihrer viele in die Luft flogen, etliche aber wollten weichen, welche ein Offizier mit dem bloßen Degen, auf einem weißen Pferd sitzend, selbige anzutreiben, sich sehr bemühte. Es wurde aber wieder von mir mit 2 Feldschlangen Feuer unter sie gegeben, so dass ihrer viele blieben und endlich von Approchiren (Annähern) abzulassen gezwungen wurden."

"...Donnerstag früh um 4 Uhr machten die Baiern den Anfang abzumarschiren, an welchem Tag alles ganz still war. Den folgenden Freitag marschirten die Kaiserlichen auch davon, nahmen aber Innwohner mit hinweg."

"...Nach dem Abzug des Friedländers begab sich der Herr Obrist mit 8 Compagnien in die Stadt ins Quartier. Es war aber in der Stadt, wie leicht zu erachten, ein elender Zustand, weil die böse Seuche, die der Feind mitgebracht, die meiste Mannschaft getödtet hatte."


Szenenfoto aus der Veranstaltung "Eine Zeitreise - Tage des Donners“
auf der Veste Coburg
 
Archiv © Ulrich Göpfert

"...Folgenden Dienstag nahm er seinen Marsch nach Frankfurt zur Armee, eine Compagnie aber blieb zurück, die Stadt zu defendiren, da der Capitän Leuthard hieß. Diese Dragnoner sammt der Compagnie auf der Veste stärkten sich und streiften oft durch das Stift Bamberg, Würzburg und Kloster Banz, so weit sie reichen konnten, nahmen viel Vieh und anderes mit. Desgleichen thaten auch die Cronacher und andere sich im Stift Bamberg aufhaltende Partheien, streiften auch durch das Coburger Land, raubten und nahmen, was sie ertappen konnten."

"...Es gingen immer Partheien durch das Stift und Kloster Banz, dadurch dieses so ruiniert worden, daß kein lebendiger Mensch sich drinnen wagen und aufhalten konnte. Keine Fenster, keine Eisen an den Thüren waren mehr zu finden; die Haken waren aus den Mauern gerissen, die Kloben von den Thüren geholet und hinweggeführt."


Szenenfoto aus der Veranstaltung "Eine Zeitreise - Tage des Donners“
auf der Veste Coburg
 
Archiv © Ulrich Göpfert

"...Den 4. Juli 1633 kam Herr Obrist Zehm von der schwedischen Armee mit einer Compagnie Dragoner in Coburg an, die Stadt und Veste zu defendiren und daselbst zu werben, worauf der Capitän Leuthardt seinen Abzug von Coburg nahm. Im selbigen Jahres folgenden August, September und October wurde viel Vieh gekauft, geschlachtet und zum Vorrath auf die Veste geliefert." Obrist Zehmen, Herzog Casimirs Kommandant des Kriegsausschusses, hatte unter Taupadel die Belagerung mitgemacht und seinem Herrn darüber ähnlich berichtet. Am 16.7.1633 verstarb Herzog Johann Casimir, sein Bruder Johann Ernst von Eisenach übernahm die Regierung.


Szenenfoto aus der Veranstaltung "Eine Zeitreise - Tage des Donners“
auf der Veste Coburg
 
Archiv © Ulrich Göpfert

Die Belagerung der Stadt und Vestung Cronach 1632
Die Kronacher (Bistum Bamberg) hatten im Coburger Land mit Rauben, Brennen und Morden viel Böses verübt, so dass Herzog Casimir und der Markgraf von Bayreuth 1632, die Belagerung beschlossen. Der Ausschuß wurde in beiden Fürstentümern aufgeboten. In Neustadt an der Heide (heutige Stadt Neustadt) hielt sich der Schwedenkönig Gustav Adolf auf und unterstützte die auch für ihn wichtige Unternehmung mit 2 Kompanien unter dem schwedischen Kommandanten von Königshofen. Doch durch eigenmächtiges Vorgehen der Schweden konnte die starke Festung nicht erobert werden.

Conrad Rüger berichtet:
"...Den 18. Mai gab ein Constabler vor Cronach Feuer auf mich, Conrad Rüger und traf mein Stück, welches von diesem umgefallen, in die Mündung, welches Stück noch jetzt auf der Bärenbastei der Veste Coburg steht und dies bezeugt. Ich aber, solcher Pillen wohl gewohnt und solche nicht achtend, säumte mich nicht, gab wieder Feuer und traf einen Cronacher, dem das Gehirn sammt dem Kopf und das Gestück herum flog, und einem Handlanger die Hand wegnahm. Dieser Handlanger ist hernach zweimal bei mir gewesen, kannte mich aber nicht und hat mir dies mit Verwunderung erzählt, daneben ein Verlangen bezeigt zu wissen wer doch derselbe Mann gewesen, der solchen Schuss gethan hätte, er möchte ihn gerne sehen, worauf ich mich ihm zu erkennen gegeben."


Szenenfoto aus der Veranstaltung "Eine Zeitreise - Tage des Donners“
auf der Veste Coburg
 
Archiv © Ulrich Göpfert

"...Den 25. Nachmittags um 1 Uhr gingen die Cronacher stark heraus auf die Stücke los, vernagelten die 4 Markgräflichen wie auch die 4 Coburger. Aber die Coburger Zündlöcher waren von vielen Schießen so weit geworden, dass die Nägel die Zündlöcher nicht ausfüllten, schadeten deswegen selbigen nichts. Nach diesen bekamen die Belagerer 8 Cronacher bei den Stücken und auch den, der ihnen die Stücke vernagelt hatte. Diese 8 insgesamt, weil sie fest waren und weder gehauen noch geschossen werden konnten, wurden mit umgekehrten Musketen todt geschlagen und allda begraben, wird also fälschlich von den Cronachern aus-gegeben, als wären sie lebendig geschunden worden." Zur Erinnerung erhielten die Kronacher von ihrem Landesherrn, dem Bischof von Bamberg, zwei geschundene Männer als Schildhalter ihres Stadtwappens verliehen. Die Kronacher plünderten munter im Coburger Gebiet weiter. Auch die Belagerung durch Herzog Bernhard von Weimar 1634 brachte nichts ein.

Die Lamboysche Belagerung der Veste Coburg (1634/35)
"Der 15. October 1634 kam Lamboy zum zweiten Male vor die Stadt Coburg, von ihr Quartier begehrend, weil sie ihm zu widerstehen sich zu schwach befand (denn die meiste Mannschaft war an der bösen Seuche gestorben) musste sie endlich in sein Begehren willigen, worauf er sein Quartier in der Ehrenburg nahm, das Volk aber wurde in der Stadt und auf dem Lande einquartiert, welches die Bürger nach ihrem Gefallen zu verpflegen gezwungen wurden. Hierauf wurde von ihm Anstalt gemacht, die Vestung zu bloquiren.
"


Szenenfoto aus der Veranstaltung "Eine Zeitreise - Tage des Donners“
auf der Veste Coburg
 
Archiv © Ulrich Göpfert

"...Den 19. October steckte der Feind Cortendorf, die neugebaute Schäferei und das liegende Flösholz in Brand. - Den 21. November spielte ich auf den Abend mit einer Feldschlange von der neuen Bastei auf die geheime Rathsstube, in der Ehrenburg, denn es war berichtet worden, dass der General Lamboy seine Quartier in selbiger genommen, welches auch zugetroffen. Am selbigen Abend war General Lamboy zu Tisch gesessen, gespielt, getrunken und lustig gewesen und habe ich von gedachter Stube eine Säule vom Fenster sammt dem Gebäude vom Stuhl, auf welchem Lamboy gesessen, nebst Leuchter und Pocalen von der Tafel weggeschossen, dass Herr und Diener aus dem Gemach gesprungen."

Verschiedentlich wurden von der Festungsbesatzung Ausfälle unternommen, um die Verpflegung aufzubessern. Auch konnten immer wieder Briefe an den neuen Herzog durchgeschleust werden. Doch als am 10.3.1635 Lamboy mit Minierungsarbeiten unter der neuen Bastei begann, wurde die Lage kritisch.


Veste Coburg - Ein Blick auf den Fürstenbau
 
Archiv © Ulrich Göpfert

"...Den 24. März schickte der General Lamboy ein Schreiben auf die Vestung, des Inhalts: es hätten seine Reiter einen Boten, so von Eisenach kommen und auf die Veste gewollt, gefangen, bei welchem sie einen Brief gefunden, in welchem der Fürsten ernster Befehl wäre, die Vestung aufzugeben und solche durch Minen nicht ruinieren zu lassen, von des Herzogs eigener Hand unterschrieben und mit seinem Secret besiegelt. Diese, ob es wahr schien, war doch lauter Betrug; denn sie hatten in der fürstlichen Rentnerei einen alten Befehl gefunden, das fürstlichen Petschaft nachstechen lassen und des Herzogs Ernst Handschrift nachgemacht. Diesem vom General Lamboy geschickten falschen Schreiben gab der Herr Kommandant großen Glauben."


Szenenfoto aus der Veranstaltung "Eine Zeitreise - Tage des Donners“
auf der Veste Coburg
 
Archiv © Ulrich Göpfert

Obrist Zehmen wurde sofort nach Einzug der Feinde in die Veste trotz der gegenteiligen Vereinbarung gefangen gesetzt. Schon im Mai zog Lamboy ab! Das Land lag im Elend, die Schlösser Lauterburg, Schaumburg und Rauenstein waren in Flammen aufgegangen. Zehmen, der verdienstvolle Kommandant des verstorbenen Herzogs Casimir, fiel in Ungnade. Er starb in seinem Hause in der Herrengasse unter großer Verachtung und wurde auf einem Mistwagen nach Schottenstein geführt und daselbst begraben. Was sagt noch heute ein altes Sprichwort: "Undank, ist der Welt Lohn"!

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