Zu Besuch im Vogtland

Zu Besuch im Vogtland mit dem Seemannschor


Vogtländisches Landschaftsbild

"Ein herzliches Willkommen an Bord"! So wurden wir vom Fahrer des Reisebusses begrüßt, als die Mitglieder und Gäste des Seemanns-Chores Coburg zu einem gemeinsamen Tagesausflug aufbrechen, um das nahe liegende Sachsen und die Region des Vogtlandes zu besuchen. Die Besichtigung zahlreicher Sehenswürdigkeiten und eine Schifffahrt stehen an diesem Tag auf dem Programm.

Am Samstagmorgen um 6.00 Uhr fahren wir in bester Stimmung, aber bei wolkenverhangenen Himmel ( "Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern...") aus Coburg ab. Bei Hof fahren wir auf die Autobahn in Richtung Plauen und gelangen dabei in den Freistaat Sachsen. Schon von hier begrüßen uns die ersten Höhenzüge des Vogtlandes. Seinen Namen erhielt die Region von kaiserlichen Reichsvögten, die hier vom 12. bis zum 15. Jahrhundert ihre Macht ausübten. Kurz vor Plauen verlassen wir die Autobahn, denn unser erstes Ziel an diesem Morgen ist der Ort Syrau, dort besuchen wir die "Drachenhöhle" und im Anschluss daran die "Syrauer Windmühle".


Die Drachenhöhle gewährt Einblick

Drachenhöhle Syrau Drache "Justus" lädt zur Lasershow in die Höhle ein. Als am 14. März 1928 bei Steinbrucharbeiten dem Bruchmeister Ludwig Undeutsch ein Meißel in eine Spalte rutschte und verschwand, ahnte noch niemand, dass sie in eine schöne Tropfsteinhöhle führt. Die Öffnung wurde erweitert, dabei wurde ein größerer abwärts führender Hohlraum sichtbar. Innerhalb kurzer Zeit wurde der Ausbau der Höhle realisiert und bereits am 28. September 1928 konnte die Höhle der Öffentlichkeit übergeben werden.

Von 550 m Ganglänge sind 350 m für die Besucher begehbar. Auf gut ausgebauten Wegen bieten sich während der etwa 40 Minuten dauernden Führung den Naturfreunden nachhaltige Eindrücke von den unterirdischen Schönheiten. Beim geführten Rundgang erleben die Besucher faszinierende Tropfstein- und Lehmformationen (eine Besonderheit der Drachenhöhle), herrliche Wasserspiele der kristallklaren Seen und bizarre Sinterformen (Absatz aus Quellen). Die schönsten Tropfsteingebilde der Höhle wurden mit Namen belegt. Da gibt es z.B. den "Tannenzapfen", das "Elefantenohr" und den "Versteinerten Wasserfall". Besonders beeindruckend ist die ca. 40 m lange "Walhalla" mit den bekannten "Gardinen". Die Drachenhöhle ist eine Karsthöhle im Knotenkalk. Bei der Erschließung wurden fossile Zeugen von Mammut und Ren geborgen.

Über 6,5 Millionen Besucher haben die Schönheiten der Drachenhöhle bereits gesehen. Seit einigen Jahren hat auch moderne Lasertechnik Einzug gehalten. In der Höhle des Drachen "Justus" setzt eine Lasershow die unterirdische Welt in Szene. Im größten Raum, "der Walhalla", malt das Licht beim Klang von mystischer Musik Kreise und Fächer in vielen Farben an die nassen Höhlenwände. Die Laserstrahlen spiegeln sich im klaren Nixensee wider und lassen die ganze Höhle glitzern. Dieses bezaubernde Schauspiel können Sie vom 3. April bis zum 18. April und vom 29. Mai bis zum 29. August täglich bei einer Führung erleben.


Die Syrauer Windmühle einzigartig im Vogtland

Der kleine Ort Syrau wurde bereits 1282 - damals Syraw - urkundlich erwähnt. In diese Zeit fällt auch die deutsche bäuerliche Besiedlung des Vogtlandes. Bereits in dieser Zeit wurden die ersten Windmühlen im Vogtland erwähnt, die ihre Blütezeit Ende des 17. Jahrhunderts hatten. Eine amtliche Erhebung 1683 weist nicht weniger als 212 Windmühlen nach. Die unzureichende Produktivität der Wassermühlen führte zu Versuchen, die andernorts längst bekannten Windmühlen einzuführen.

So entstand etwa um 1720 die erste von insgesamt 35 nachgewiesenen Windmühlen des Vogtlandes. Eine lange Lebensdauer war vielen von ihnen nicht beschieden, und so ist die Syrauer Windmühle die einzige noch vorhandene im Vogtland. Man erreicht sie, wenn man vom Zentrum des Ortes und der Straße nach Fröbersgrün folgt, bis nach rechts der Fahrweg zur Windmühle abzweigt. Der herrliche Rundblick über die Höhen des Vogtlandes ist Entschädigung für den kurzen Fußweg zur Mühle.


Rüttelschuh mit Fülltrichter

Einst stand auf dieser bewachsenen Anhöhe - der Drachenburg - eine kleine Kapelle, auch "Liehkirche" genannt. Die Sage erzählt, dass sie zum Dank für die Befreiung von einem Lindwurm errichtet wurde, der den Dorfbewohnern immer wieder Opfer abverlangte. Dieser Drachensage verdankt die Syrauer Tropfsteinhöhle ihren Namen.

Im Frühjahr 1851 errichtete der Müller Johann Gottlieb Eisenschmidt zu Syrau in der Nähe des ehemaligen Gutes auf einem Flurstück, das heute noch den Namen "die Finkenburg" trägt und an der Straße nach Kauschwitz liegt, eine hölzerne Bockwindmühle mit Müllerhaus. Das viereckige Windmühlenhaus mit dem Hausbaum in der Mitte ruhte auf einem Balken. Dieser Hausbaum, oben und unten gelagert, bildete die Achse, um die das Mühlenhaus mittels des gegenüber den Flügeln angebrachten Sterzes gedreht wurde. Wenn keine Winde vorhanden waren, wurden mehrere Leute benötigt, um die Mühle im Ganzen auf dem Bock in den Wind zu drehen.


Königswelle mit Stirnrad

Diese Mühle brannte im Jahre 1864 ab, und der letzte Besitzer G. H. Schlott suchte einen Platz, bei dem die Windverhältnisse besser waren. Er fand ihn auf der Höhe 489 und errichtete dort eine hölzerne Holländermühle mit Müllerhaus. Schlott hatte eine stabile Bauart der Windmühle gewählt. Bei ihr stand das Gebäude selbst fest auf dem Boden und lediglich das Dach mit den Flügeln konnte in die Windrichtung gedreht werden.


Französische Steine mit Bogenschärfung

Im Jahre 1883 erwarb der Windmüllerssohn Gustav Seyfarth aus Tagewerben die Mühle. Erst 27-jährig hatte er die Kenntnisse der Müllerei durch den väterlichen Besitz erworben. Er erneuerte das alte, teilweise vermorschte Getriebe, das infolge zu großer Zahnteilung auch noch einen stoßenden und lärmenden Gang hatte. Seyfarth verwendet auch zum ersten Mal für den Mühlengang die flachen französischen Steine mit Bogenschärfung, die besonders hart und einkörnig sind.


Mühlsteine mit Steinkran

In dem sehr gewitterreichen Sommer 1887 wurde die Mühle am 17. Juli, gegen 5.00 Uhr morgens, vom Blitz getroffen und brannte vollständig nieder. Noch im Herbst des gleichen Jahres begann er mit dem Bau einer neuen Windmühle. Der Turmbau wurde mit Ziegelsteinen ausgeführt und außen weiß verputzt. Er hatte ein Höhe bis zum Dach von 9 Metern und einen Durchmesser am Fuß von 7 Metern.


Die mächtigen "Ruten“ sind neun Meter lang

Die mächtigen Windmühlenflügel, der Windmüller bezeichnet sie als "Ruten", waren 9 Meter lang und gingen nur wenig über den Erdboden vorbei. Zur Regulierung des Winddrucks wurden in den Ruten Jalousien eingebaut.


Hölzernes Kammrad

Das Getriebe, das heute noch in sehr gutem Zustand ist, kaufte Seyfarth aus einer abgebrochenen Windmühle bei Dehles. Das Holzwerk dieser Mühle ließ er mit 10 Pferdewagen an einem Tag nach Syrau bringen. Aufgrund glaubwürdiger Aussagen kann sogar angenommen werden, dass die ältesten Teile dieses Werkes aus einer Windmühle stammen, die in der Nähe des Dorfes Hohndorf bei Elsterberg stand. Nach dem Besuch mit den interessanten Führungen in Syrau ging es weiter zur "Spitzen-Stadt" nach Plauen.

Urkundlich wurde die Stadt Plauen im Jahre 1122 erstmals erwähnt und kann deshalb auf eine lange Geschichte zurückblicken. Einige Auszüge aus der Chronik: 1224 erhält Plauen die Stadtrechte, 1430 Verwüstung der Stadt durch Hussiten, 1521 Beginn der Reformation, 1548 verheerender Stadtbrand, 1569 Plauen wird kursächsisch. Mitte des 16. Jh. verdrängen die Baumwollwebereien zunehmend die Tuchmacherei und Zeugherstellung, 1602 Plauen wird Hauptstadt des "Voigtländischen Kreißes", 1697 Sächsische Fahrpost fährt von Dresden über Plauen nach Nürnberg.


1701 Errichtung der ersten zentralisierten Manufaktur, 1848 Anschluß an das Eisenbahnnetz Hof-Plauen, 1858 Aufstellung der ersten Stickmaschine, 1881 Bau der ersten Stickmaschine, 1904 Plauen wird Großstadt, 1905 Einweihung des Syratal-Viaduktes - Steinbogenbrücke mit der größten Spannweite in Europa, 1912/13 Beginn einer lang anhaltenden Krise in der Textilindustrie, 1944/45 14 Bombenangriffe zerstören die Stadt zu 75 Prozent, 1955 1. Plauener Spitzenfest, 1997 Tag der Sachsen in Plauen, 2001 Das Stadtzentrum erhält ein neues Gesicht: Eröffnung der Stadt-Galerie und Inbetriebnahme der neuen Zentralhaltestelle der Straßenbahn, 2003 Die Stadt Plauen wird Landessieger im Wettbewerb "Kommune des Jahres".


Altes Rathaus, rechts davon ist das Museum
"Plauener Spitzen“ zu sehen

Das berühmteste an Plauen ist wohl die Spitze - die Plauener Spitze -, die von der Weltausstellung im Jahre 1900 in Paris einen Grand Prix mit nach Hause ins Vogtland brachte. Beeindruckende Stickereikunst zeigt das Spitzenmuseum, das sich im alten Rathaus befindet. In der Schaustickerei "Plauener Spitze" kann man sogar zusehen, wie auf traditionellen Maschinen gestickt wird. Zu den Sehenswürdigkeiten in der Plauener Altstadt zählen das Vogtlandmuseum, das Alte Rathaus mit seinem Renaissancegiebel und der schmucken Kunstuhr, die zweitürmige Stadtkirche St. Johannis, die Lutherkirche, aber auch der Nonnenturm, die Alte Elsterbrücke mit der Postmeilensäule, das Malzhaus sowie die prächtigen Häuser der einst so wohlhabenden Baumwollhändler. Sachkundige Führungen im Besucherbergwerk "Ewiges Leben" machen mit dem Abbau und der Verwendung des vogtländischen Schiefers bekannt.


Kunstuhr am Alten Rathaus


Stadtkirche St. Johannis


Die schmucke Kanzel der Stadtpfarrkirche St. Johannis


Altar der Stadtpfarrkirche St. Johannis


Blick auf den Marktplatz vor dem Alten Rathaus

Wussten Sie eigentlich, dass Plauen auch für Comicfans ein Begriff ist? Der bekannte Zeichner Erich Ohser lebte und arbeitete dort unter dem Pseudonym "e.o.plauen" und begeisterte mit seinen charmanten Vater-Sohn-Geschichten die Leser. Im vergangen Jahr wäre der Künstler 100 Jahre alt geworden. Sein Lebenswerk befindet sich in der Galerie e.o.plauen.


Ein Teil der Reisegesellschaft kurz vor der Abfahrt aus Plauen

Nach all diesen schönen Eindrücken von der Stadt Plauen, darf allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass die vielen leerstehenden Häuser in der Innenstadt einen bedrückenden Eindruck bei uns hinterlassen haben.

Talsperre Pöhl
Nächstes Ziel unseres Tagesausfluges war die Talsperre Pöhl nahe Plauen gelegen. Nun gut, mit dem Dampfer können wir zwar nicht vor die Tore der Stadt Plauen fahren, dafür benutzen wir wieder unseren Reisebus, aber von Ostern bis Oktober kreuzen die Ausflugsschiffe auf der Talsperre Pöhl, die auch gerne als Vogtlandmeer bezeichnet wird und mitten im Ferienzentrum "Vogtländer Schweiz" liegt.


Ausflugsschiff an der Talsperre Pöhl

Unter dem Motto "Heut` geht es an Bord" besteigen wir das Schiff auf der Talsperre Pöhl. Dann heißt es "Leinen los" und wir fahren über eine Stunde übers Wasser. Täglich ab 9.30 Uhr bis zum Abend kann man mit den Schiffen "Pöhl" und der "Plauen" eine Entdeckungstour über die sieben Kilometer lange Talsperre Pöhl unternehmen. Den genauen Fahrplan findet man in der Nähe der Anlegestelle, die sich an der Staumauer befindet.


Bootparade, im Hintergrund Segelschiffe der Segelschule im Einsatz

Das größte Ferienzentrum des Vogtlandes hat nicht nur eine traumhafte Natur zu bieten. Segeln und Surfen auf der Pöhl, Campen und Angeln an den Ufern, Radfahren und Wandern in den Bergen der "Vogtländischen Schweiz" können dort einen Aktivurlaub zu einem unvergeßlichen Erlebnis machen.


Nussecken“ für den "kleinen Hunger“ zwischendurch

 Viel zu schnell ging dieser Ausflugstag wieder zu Ende. Abendeinkehr wurde im Gasthaus Vogel in Rudolphstein gehalten. Um 22.30 Uhr liefen wir wieder im "Heimathafen Coburg" ein. Dieser Tag mit seinen verschiedensten Eindrücken, wird wohl vielen von uns noch lange im Gedächtnis bleiben.

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