Monat März

Wetter- und Bauernregeln Monat März
Allgemeine Feststellungen sowie Monatsdarstellungen


Altes Kalenderblatt Monat März
Repro: Ulrich Göpfert

Mit dem Monat März möchte ich beginnen, um über Wetter- und Bauernregeln eines jeden Monats das ganze Jahr über zu berichten. Den Anfang macht eine "Scherzregel“: "Kräht der Gockel auf dem Mist, ändert sich` s Wetter oder es bleibt wie es ist“.


Landschaft im Frühjahr
Repro: Ulrich Göpfert

Wetterpropheten von Heinrich Ruppel:

Guten Tag, mein lieber Vetter! Wie wird morgen wohl das Wetter?
Hansel, kann es dir nicht sagen, musst die Base Kathrein fragen!

Grüß` Euch, Base Kathrein! Sagt, wie wird das Wetter sein?
Hansel, kann es dir nicht sagen, musst Professor Laubfrosch fragen!

Guten Tag, Herr Quak im Rohr! Steht uns Sonnenschein bevor?
Hansel, kann es dir nicht sagen, musst den Meister Gockel fragen!

Guten Tag, Herr Gockelhahn! Sagt, was kündet Ihr uns an?
Hansel, bist ein dummer Jockel: frag` den goldnen Kirchturmgockel!


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2010© Ulrich Göpfert

Denn der dreht sich mit den Wind, schaut sich um, wo Wolken sind.
Hansel ruft und winkt und schreit, was der droben prophezeit.
Doch der Gockel dreht sich stumm auf dem Turmknopf um und um.

Mutter sagt: Die Mücken fliegen, glaube, dass wir Regen kriegen.
Mücklein weiß es, dieser Wicht, und die Großen wissen`s nicht!


Schneeglöckchen als erste Frühlingsboten
2010 © Ulrich Göpfert


Einführung
Zu gerne ist man in der Öffentlichkeit geneigt, Wetter- und Bauernregeln mit einem leichten Lächeln abzutun oder etwa auch mit so lockeren Sprüchen wie: "Naja - wissen wir schon: Kräht der Gockel auf dem Mist - ändert sich` s Wetter oder es bleibt, wie` s ist“. Damit aber wird man allerdings der alten Volks- oder Bauernweisheit, die in den meist sehr altüberkommenen Wetteraussagen ihren Niederschlag gefunden hat, nachweislich nicht gerecht.

Bei Wetterregeln sind Ursache und Wirkung gut erkennbar verknüpft. Schließlich stellen sie das Erfahrungsergebnis einer langfristigen, meist über Jahrhunderte hinweg auskorrigierten Wetterbeobachtung in freier Natur dar. Eines muss dabei allerdings beachtet werden: Nur dort, wo die bäuerlichen Wetterregeln ihren Ursprung oder ihre langfristig beobachtete Heimat haben, treffen sie auch zu.

Und damit ein weiteres klärendes Wort zur Entstehung der den Bauern zugeschriebenen Wetteraussagen: Es mag da schon erstaunen, dass die älteste nachgewiesene Wetterregel in Kerbschrift - in eine Tontafel geritzt -  sich in der Bibliothek des assyrischen Königs Assur = Panibal (669 bis 625 v. Chr.) fand. Es ist die bekannte Feststellung, dass "ein Hof um den Mond baldigen Regen anzeige“. Über die Jahrhunderte hinweg entstanden nun - regional häufig unterschiedlich nach den Aussagen - Wetterregeln (in freier oder gereimter Sprache).

Besondere Bedeutung kamen bei den Wetterregeln vor allem in alter Zeit jenen der sog. "Lostage“ und "Vierteljahrestage“ zu. So begann früher das Bauernjahr "nicht mit dem 1. Janaur“. Dieser Tag war für die Landwirtschaft bedeutungslos. Schulden und Zinsen waren nicht am 1. Januar fällig, sie waren an Lichtmess (2. Februar), Walpurgi (1. Mai), Lorenzi (10 August) und Martini (11. November) zu zahlen. Diese "Zahltage“ waren beachtliche und bedeutsame Tage in jedem Viertel des Bauernjahres, aber nicht nur hinsichtlich finanzieller Verpflichtungen und Regelungen. Sie waren auch Termine für wichtige bäuerliche Arbeitsaufgaben und Vorhaben und tiefverwurzelt im ländlichen Volksleben und Volksbrauch. Die "Vierteljahrstage“ wurden im Bauernleben wegen des überlieferten Brauchtums sehr beachtet.

"Lostage“ hingegen waren Namenstage von Heiligen, an denen angeblich (nach mittelalterlicher Vorstellung) das Los (gemeint war das Schicksal) des (Mit)-Namensträgers bestimmt wurde (so z. B. am Katharinentag all derer, die auf den Namen der Heiligen Katharina getauft waren). Auf solche Lostage treffende Wetterregeln standen sehr im Ansehen. Allerdings lässt sich ein geringer Teil dieser Regeln heute nicht mehr voll tagesgerecht (also auf den Tag genau) anwenden, weil der bis ins Mittelalter gültige Julianische Kalender 1582 für den Einflußbereich der katholischen Kirche richtiggestellt wurde und sich damit die "Lostage“ verschoben. Erst nach 1700 übernahmen dann auch die evangelischen Länder den Kalender. Insgesamt führte die Verschiebung der Lostage bis zu einer Differenz von zehn Tagen. Dies wurde danach auch bei der Großzahl von Wetterregeln beachtet - allerdings eben nicht bei allen.

Solche "Wetterlostage“ sind u. a. auch die sog. Zwölften, die zwölf Rauh- oder Rauchnächte vom 25. Dezember bis 6. Januar. Wie das Wetter in den einzelnen zwölf Nächten ist, so wird es in den kommenden zwölf Monaten des neuen Jahres sein. Jede Nacht prophezeit als Wetterorakel - nach dem Volksglauben - das Wetter für eines der zwölf Monate des kommenden Jahres. Beobachtet wurde die Witterung jeder einzelnen der zwölf Nächte und dann dem betreffenden Monat des Jahres zugeschrieben. Wie die Christnacht, so der Januar, wie die Stephansnacht, so der Februar usw.

Manche Wetterpropheten begnügen sich mit dem "Wetterorakel“ der drei Hauptrauhnächte, den sog. Griesnächten (=Gruselnächten), das sind der Weihnachtstag, Silvester und der Dreikönigstag. Für sie sind diese drei Tage wichtige Wettervoraussagen, vor allem für die drei Haupterntezeiten, so der Heu-, Getreide- und Grummeternte. Sind die Christ-, Silvester- und Epiphaniasnacht hell, sind eine schöne Heu-, eine gute Getreide- und eine wetterbegünstigte Grummeternte zu erwarten.

Ein Wort noch zur nicht jahreskalendergemäßen Trennung nach Sommer- (März/August) und Winterhalbjahr (September bis Februar). Nach Beitl ist der Beginn des Naturjahres (auch Klimajahres) mit dem März festzulegen. Dies wird auch im bäuerlichen Bereich heute noch so gesehen. Beitl stellt dazu weiter fest: "Das Klima- und Naturjahr (Winter- und Sommerhälfte) müssen wir als Anfang des Jahresbegriffes (schon) bei den Germanen ansetzen (vorchristl. Zeit). Vor Caesar hatten auch die Römer den März als Jahresanfang (Naturjahresbeginn). In neuerer Zeit sind - an sich zu Unrecht -  die echten Bauern- oder Wetterregeln selbst bei der bäuerlichen Bevölkerung etwas außer Acht gekommen. Wenn ich mich an meine Jugendzeit besinne, so nahm man da die täglichen eigene Wetterbeobachtung bäuerlicherseits noch durchaus sehr ernst.

Deshalb ist erfreulich, wie insgesamt in unserer Umwelt und Gesellschaft die Verbundenheit mit der Natur wieder an Wert und Beachtung gewinnt. Mögen diese Veröffentlichungen auch hierzu beitragen - sicher auf ihre Art mit einer Hinführung an alte Erfahrungen und Weisheiten derer, die als Bauern aus natürlicher Nähe und beruflicher Notwendigkeit sich über Jahrhunderte mit dem Wetter, wie es die Natur vorgab und immer wieder vorgibt, beobachtend, lernend und die Erfahrungen, die dabei gemacht wurden, im eigenen Interesse beachtend, auseinandergesetzt haben. Auch der moderne Mensch kann daran lernen und der Natur eine weitere, vielleicht neue Sichtweise abgewinnen.

Der Monat März
Der Monat März war bei den Römern dem Kriegsgott Mars (Martius) geweiht. Seine anderen Monatsbezeichnungen lauten: Frühlingsmonat, Lenz, Lenzmond, Lenzing, Veilchenmond, Fastenmond. Der März gilt von jeher als Saatmonat und (ab 20. März) als Pflanzzeit für Bäume und Sträucher. Die Tagestemperaturen liegen bereits um drei bis vier Grad höher als im Februar. Der kalendarische Frühlingsbeginn liegt auf dem 21. des Monats. Nach alter Bauernvorstellung (Mittelalter) galt jedoch bereits der Lichtmesstag als Beginn eines neuen Wachstums- und Arbeitsjahres.

Noch verhält sich die Natur zurückhaltend, und dies ist dem Bauern recht, denn noch gefährden starke Nachtfröste zu leicht einen frühen Trieb oder gar eine vorzeitige Baumblüte, die in einem warmen März gegen Monatsende leicht möglich ist. Auch Gras- und Wintersaat "sollen das Jahr langsam angehen“. Ebenso wie einen zu warmen sieht man auch einen zu kalten März nicht gerne. Denn "Märzenschnee tut den Saaten weh“, vor allem wenn er länger liegen bleibt, und "ein nasser März bringt dem Bauern Schmerz“, weil plötzlich einfallende Kälte große Frostschäden anrichten kann.

Märzenstaub für eine gute Frühjahrssaat hingegen ist erwünscht, ebenso ein frühes Blühen der Märzenveilchen, denn sie kündigen einen unverzögerten Frühling an. Auch frühzeitig rückkehrende Zugvögel werden als Boten bleibenden Frühlings gerne gesehen, vor allem die Schwalben und Störche. Rühren sich dazu Amseln und Spechte zeitig, ist mit einem andauernden Frühlingswetter zu rechnen.

Bekannte Lostage im März sind "Kunigund“ (3. März), die angeblich der Winterkälte im Boden ein Ende bereitet, weil die Sonnenstrahlen jetzt in den Boden dringen und ihn erwärmen können. Der "Gertraudentag“ (17. März), der schön und warm sein muss, wenn der Winter wirklich endgültig gehen soll und der "Josephitag (19. März), der wie "Gertraud“ klar und sonnig sein müsste, soll dem Winter der Garaus beschieden sein.

Allgemeine Monatsregeln:

So viel Nebel im März, so viel Regen im Sommer.
Trockener März erfreut des Bauern Herz.
Donnert`s in den März hinein, wird`s Getreide gut gedeih`n.
Märzenschnee und Jungfernpracht dauern oft kaum eine Nacht.
Läßt der März sich trocken an, bringt er Brot für jedermann.
März nicht zu trocken und nicht zu naß, füllet den Bauern Kisten und Faß.
Im Märzen kalt und Sonnenschein, wird`s eine gute Ernte sein.

Regeln nach Los- und Namenstagen

Kunigund, kommt die Wärm von unt`.
Kunigunde tränenschwer, dann bleibt oft die Scheuer leer.
Weht am Gregoritag der Wind, noch 40 Tage windig sind.
Gertrud nütz dem Gärtner fein, wenn sie sich zeigt mit Sonnenschein.
Wenn`s einmal um Josefi is, so endet auch der Winter g`wiß.
Ist`s an Josephi klar, so folgt ein fruchtbar Jahr.
An St. Benedikt acht wohl, daß man Hafer säen soll.
Willst Gerste, Erbsen, Zwiebeln dick, so säe sie an St. Benedikt.
Scheint auf St. Gabriel die Sonn, hat der Bauer Freud und Wonn.
Ist`s Marien schön und rein, wird das Jahr sehr fruchtbar sein.
Hat`s in der Mariennacht gefroren, so werden noch 40 Fröste geboren.
Ist an Rupertus der Himmel rein, so wird er`s auch im Juli sein.

Quellenhinweis: Schwarz, Beitl

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