Das Coburger Gregoriusfest

Das Coburger Gregoriusfest
Ein Fest mit einer jahrhunderte alten Tradition
Ein Beitrag von Ulrich Göpfert

Gregoriusfest 1953
Das Foto zeigt den Autoren Ulrich Göpfert im Jahr 1953 mit seiner Cousine Gisela auf dem Ketschenanger. Im Bildhintergrund sind noch das Ketten-Karussell und andere Buden zu erkennen. Wir Kinder wurden für dieses Fest mit unserer besten Sonntagskleidung, die Mädchen mit einem Blumenkranz im Haar und die Buben mit einer Rose am Hemd, geschmückt.

In Coburg lässt sich erstmals im Jahr 1550 ein Schulfest am Tag des Papstes Gregor I., dem 12. März, nachweisen. Gregor I. gilt als Förderer von Schulen und Kirchengesang und wurde so zum Schutzpatron der Jugend, dem viele Schulen in Deutschland, aber auch in Österreich, der Schweiz und Belgien mit einem Gregoriusfest gedachten. Zunächst war es lediglich ein Umzug der Schulen, den ein als Bischof verkleideter Schüler anführte; dazu kamen als wesentliche Bestandteile die Aufführung von Schultheaterstücken, in denen dem Zeitgeist entsprechende Werke antiker Autoren oder biblisch-moralisierende Stücke geboten wurden.

 

 "Gregoriusfahne“ von 1913
Die Fahne bezieht sich auf der Vorderseite mit dem Mittelbild und der Umschrift "Es lebt der Herr von Katzenkopf“ auf diesen Brauch. Die Rückseite ist mit dem Sinnspruch "Ohne Fleiß kein Preis beschrieben“.

Als Coburger Besonderheit gilt zum einen die Verlegung des Gregoriusfestes auf die letzte Woche vor den Schulferien, zum anderen das Mitführen eines überdimensionalen Katzenkopfes, den sich ein Schüler aufsetzte. Ihn und seine Frau ließen die Kinder hochleben: "Es leb´ der Herr von Katzenkopf und seine Frau, die hat kein`Zopf! Vit – vat – hoch!“

Woher diese Tradition kommt ist nicht bekannt. Leider wurde das traditionsreiche Gregorius, Kinder- und Schulfest ab 1972 in dieser Form eingestellt, seit dieser Zeit feiern die Coburger Schulen ihre Feste getrennt.

"Der Herr von Katzenkopf“
Dieses Foto, aufgenommen Mitte der 50er Jahre, zeigt den "Herrn von Katzenkopf“ beim Gregoriusumzug der Coburger Schulen. Vielen Dank an Frau Grimm aus Coburg die mir das Foto zur Verfügung gestellt hat.

Der Heimatdichter Fr. Hofmann schrieb vor über 100 Jahren

"Grijorghes! Grijorghes!
Die Lust unn die Fräd!
War zehlt euch die Kinner
z`samm ner überhäd?
Die Rüthla mit Bendern, unn
Braz`n die Meng`, unn Fahnla unn
Musik unn Brotwörscht net wenig.
Wie wimmelt der Anger, dar is
rappelvoll, unn die Alten senn
fast wie die Kinner so toll.
Unn do labt halt heit der Herr
von Katzenkopf Vit-vat-hoch!
unn sei Frah hot beinah scho
an Zopf“.

Aquarell zum Gregoriusfest in Coburg am 22. August 1845
Das Aquarell zeigt den Pavillon für die königlichen Hoheiten auf dem Anger am 22. August 1845. Rechts im Bildmittelgrund erkennt man die Morizkirche. Die Jungen haben sich links und die Mädchen rechts aufgestellt. Wie die Illustrated London News in einem Artikel darüber bemerkte, war einer der Jungen als "winziger Napoleon“ verkleidet und rief großes Gelächter hervor. Rechts wird dem Herzog, Prinz Albert und Königin Victoria eine Gruppe kleiner Mädchen vorgestellt.

Die Queen Victoria (deren Prinzgemahl Albert aus dem Hause Coburg stammt)) war beim Gregoriusfest am 22. August 1845 in Coburg auf dem Ketschenanger anwesend und schrieb darüber einen Eintrag in ihr Tagebuch am 30. August 1845:

Die Schulkinder von Coburg ziehen verkleidet als "Hirten, Postillione, Griechen, Räuber, Soldaten, Höflinge längst vergangener Zeiten, mit erstaunlichen Zöpfen“ in Zweierreihen an einem Pavillon auf dem Anger vorbei, in dem die königliche und herzogliche Gesellschaft Platz genommen hat. Der Pavillon, "wo wir uns niederließen um zu dinieren, war geschmückt mit Blumen und an den Seiten offen“.

Zunächst begannen die Kinder "Theaterspiele und Tänze aufzuführen“, um sich anschließend mit "gekochten Würstchen, in heiße Brötchen gehüllt, voll zu stopfen“. Die Mädchen gingen in Weiß gekleidet und Jungen trugen sonderbare Phantasiekleider“. Dieses jährlich wiederkehrende Fest fand auf dem Anger statt, einem weitläufigen offenen Platz südlich der Stadt, außerhalb der alten Stadtmauern gelegen. Üblicherweise wurde die Veranstaltung am Tag des heiligen Gregorius abgehalten, jedoch war der Termin verlegt worden, so dass die Feier mit dem Besuch der Königin zusammenfiel.

Am 28. Juni hatte Prinz Albert seinem Bruder geschrieben, dass er sich vorstellen könne, es würde der Königin ein großes Vergnügen bereiten, das Kinderfest zu sehen und auf dem Anger zu dinieren: "Was, ich glaube, Victoria viel Freude machen würde, wäre den Kinderaufzug von Gregorius zu sehen, ein Dinner auf dem Anger würde ihr ganz neu sein und echt Koburgisch, mit allen den Bauern von Land, die bei solchen Gelegenheiten hereinströmen und deren verschiedene Costüme Victoria sehr amüsieren“.

Die Königin hielt das Fest tatsächlich für "eines der hübschesten Dinge, die sie jemals gesehen habe."

Wie die Illustrated London News (6. September 1845) kommentierte, dass das Fest “einem Jahrmarkt glich, jedoch ohne dessen unanständige Zügellosigkeit.

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