Die Schladzla auf der Gubel

Die Schladzla auf der Gubel
Nach einer Erzählung von Andreas Stubenrauch


Das Foto zeigt die Ortschaft Mödlitz.
Im Hintergrund ist der Berg Gubel zu erkennen
Foto:  2011 © Ulrich Göpfert

Zwischen Leutendorf und Mödlitz im unteren Steinachtal erhebt sich ein Berg, der Gubel heißt. Oben auf der Höhe kann man in dem Kalkfelsen zwei kleine Höhlen sehen, die von altersher die Schladzleslöcher genannt werden. Drinnen hausten vor Zeiten die Schladzla, menschenähnliche Zwerge. Zuweilen bemerkten die Bauern klipperkleine Fußstapfen im aufgeweichten Ackerboden, oder ein Viehhirt hörte in der Höhle menschenähnliche Laute. Gesehen hat die Schladzla aber niemand.

In stockdunkler Nacht wurden die Schladzla lebendig, da trapste und stapfte es allerorten. Dann fehlte am nächsten Morgen in Mödlitz ein Schaf, in Leutendorf war ein Ferkel verschwunden, in Neuses ein paar Hühner, in Horb ein Hahn, in Schneckenlohe ein Häschen und in Hof drei junge Enten. Bis hinauf nach Weikenbach verschwanden die Jungtauben aus den Nestern. In Fechheim ging dem Hofbauern ein Kälbchen ab, in Trübenbach ein Jungstier.

Die Bauern stellten Nachtwachen auf, aber das half nur einige Zeit. Die jungen Burschen lagen auch lieber im Bettstroh, als dass sie die ganze Nacht auf die Schlazla aufpaßten.

Bald ging das Stehlen wieder los. Deutlich sah man in den Äckern die Pfade, wo die Schladzla ihren Weg genommen hatten. Zwar glaubten manche Bauern nicht an die Schladzla, aber die Jägerburschen der Herren von Redwitz durchstreiften die Wälder, fanden aber keine Räuber, und so blieben nur noch die Schladzla übrig.

Eines Morgens war ein neugeborenes Kind aus der Wiege im Schulzenhaus von Neuensorg verschwunden. Der Schulz trommelte das ganze Dorf zusammen, und nach eifrigem Suchen fand man einen Pfad mit den klipperkleinen Fußstapfen, der vom Schulzenhaus durch weite Flur führte bis hinüber zur Schladzleshöhle auf der Gubel.

Nun war es sicher, die frechen Kindesräuber konnten nur die Schladzla gewesen sein.

Am nächsten Morgen umstellten die Bauern aus der gesamten Umgegend die Höhlen und achteten darauf, dass ja kein Spalt unbewacht blieb. Dann türmten die Jungen einen Riesenhaufen dürren Reisigs vor den Höhleneingängen auf und bald loderten weithin sichtbar die Flammen. Mit Mann und Maus sollten die Schladzla ausgeräuchert werden. Zum Schluß stopften die Alten noch die glühenden Kohlen in die Eingänge und die Jungen schleppten Steine herbei, die Höhlen zu verstopfen.

In derselben Nacht hörten Mutige, die sich auf den Hang geschlichen hatten, im Berg ein Rumoren, ein Stöhnen und Gejammer. Am nächsten Morgen waren alle Steine vor dem Eingang weggeräumt. Ein breiter Pfad führte hinunter an die Steinach, wo er sich im Talgrund verlor. Seit dieser Zeit hatten die Bauern Ruhe von den Schladzla.

Quellenhinweis: Andreas Stubenrauch

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