Erzählungen aus der Stadt Wasungen

Erzählungen aus der Stadt Wasungen in Thüringen
Die humorvolle Art der Bewohner ist historisch gewachsen

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Rathaus Stadt Wasungen/Thüringen

2007 © Stadt Wasungen

Als "Vuasunga" 874 erstmals urkundlich erwähnt, zählt Wasungen zu den ältesten Städten der Region. Jahrhundertealte Bauwerke belegen vielfältige Geschichte und einstige Blütezeiten der Kleinstadt. Enge Gassen und Stiege laden in der Altstadt, geprägt durch das "fränkisch-hennebergische Fachwerk", zu Spaziergängen ein.

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Burgruine „Maienluft“

2007 © Stadt Wasungen

Eine besondere Sehenswürdigkeit und beliebtes Ausflugsziel ist die Burgruine "Maienluft". Seit Jahrhunderten wacht die Burg über der Stadt und gilt als deren Wahrzeichen. Die ehemaligen Wirtschaftsgebäude beherbergen heute ein modernes Hotel-Restaurant. Nördlich von Wasungen, in einem romantischen Tal versteckt, befindet sich der Ortsteil Bonndorf.

Historisch gewachsen scheint auch die humorvolle Art der Bewohner. Die Wasunger sind für ihre Streiche und den Karneval bekannt. Wasungen als Stadt des Volkskarnevals und die Tradition als Thüringer Faschingshochburg, die bis in das 16. Jahrhundert zurück reicht, begeistern in der 5. Jahreszeit ein großes Publikum aus nah und fern.

Erzählungen aus Wasungen

Ziegenhut im Winter
Wasungen ist eine der ältesten Städte im Werragrund. Dass auch die Narretei dort nicht erst von gestern ist, beweist eine schriftlich überlieferte Erlaubnis aus einem Hutrezeß vom Jahre 1578. Darin heißt es, „dass zur Winterszeit der Ziegenhirt mit den Ziegen den Schlossberg und die Hunnenburg betreiben möge“ – nur der Schalk, der das verfasst hat, kann gewusst haben, was die Ziegen im Winter da oben finden sollten.

Der Wasunger Stadtgalgen
Oberhalb von Wasungen stand auf einem Hügel seitwärts der Landstraße ein alter Galgen. Als einst ein fremder Dieb gefangen worden war und er an jenem Wasunger Stadtgalgen gehenkt werden sollte, traten die Ratsherren zusammen und sprachen: „Dieser Galgen gehört uns und unseren Kindern und Kindeskindern; wir brauchen keine fremden Sünder an ihm“. Da keine andere Möglichkeit bestand, die Strafe zu vollziehen, gaben sie ihm Geld, führten ihn aus der Stadt und sagten: „Sieh zu, dass du mit dem Geld in eine andere Stadt kommst, melde dich dort und lass dich an deren Galgen henken!“

Ein Fuder Heu
Es begab sich, dass auf der Gemeindewiese ein Fuder Heu aufgeladen wurde. Die Auflader wollten es, wie alle Wasungen, anders machen als andere, und so banden sie den Heubaum quer auf den Wagen. Wie man nun ans Stadttor kam, konnte der Wagen wegen des queren Heubaums nicht hindurch. Da fing ein großes Beraten an, wie das Fuder wohl in die Stadt zu bringen sei. Es wurde darüber fast Abend, und niemand kam aus Wasungen herein und heraus. Wie nun alle so ratlos standen, kam eine Schwalbe angeflogen, die hatte einen langen Strohhalm im Schnabel und schleifte ihn der Länge nach durch die Luft und durchs Tor. Da gingen den Wasungern die Augen auf. Sie meinten: Wenn die Schwalbe den Strohhalm quer getragen hätte, würde sie gleicherweise wie der Wagen mit dem Heubaum nicht in Stadt hineingelangt sein. Flugs banden sie daher den Baum der Länge nach und passierten nun, stolz auf ihre Erfindungsgabe, das Stadttor.

Ein Wasunger Streich
Einmal kehrte ein Fremder in einem Wasunger Wirtshaus ein, um hier zu übernachten. Der Fremde hatte viel von den Wasunger Streichen gehört und sagte spöttisch zum Wirt: „Ich möchte gern auch mal einen Wasunger Streich erleben. Könnt Ihr mir keinen machen, Herr Wirt?“ Dieser erwiderte: „Warum denn nicht? Ihr sollt den Streich haben!“ Der Gast machte sich´s bequem, zog die Stiefel aus und bat den Wirt, er möge ihm ein Paar Pantoffeln bringen. Der nickte bereitwillig, nahm die Stiefel und schickte dem Fremden kurz darauf die verlangten Pantoffeln. Am anderen Morgen wollte der Gast weiterreisen und begehrte seine Stiefel. Da brachte der Wirt ein Paar Schäfte, von denen die Schuhe abgeschnitten waren. „Was soll das heißen?“ fragte der Fremde. „Wo sind die unteren Teile?“ Darauf der Wirt: „Die habt ihr doch an Eueren Füßen! Hier sind die Schäfte, die übrig geblieben sind. Ihr wolltet so gern einen Wasunger Streich haben, und den Gefallen hab ich Euch getan.“
Quellenhinweis: Stadt Wasungen, Rothe - „Düringsche Chronik“

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