Elisabeths Handschuh

Elisabeths Handschuh
Eine Sage über die Heilige Elisabeth

Eisenach/Wartburg
Nachdem in Thüringen das Jahr der „Heiligen Elisabeth“ gefeiert wird, habe ich heute in Fortsetzung eine weitere Sage von Ludwig Bechstein aus seinem Buch „Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes“ ausgewählt.


Die Heilige Elisabeth spendet Wohltaten

Repro: Ulrich Göpfert

Oft besuchte die fromme Landgräfin Elisabeth die Kirche in Eisenach. Da versammelten sich vor dem Kirchenportal stets sehr viele Arme und Gebrechliche, denn sie wussten, dass die Herrin jedem eine Gabe spendete. So geschah es auch an einem Feiertag, als die Zahl der Bettler besonders groß war, als die Fürstin mit ihrem Gefolge zum Gottesdienst kam. Sie spendete Almosen, soviel sie konnte, und bald war ihre Börse erschöpft. Doch waren auch alle befriedigt; nur ein halbblinder Greis hatte noch keine Gabe empfangen und drängte sich ihr flehend nach, bis in die Kirche hinein.

Elisabeth hatte nichts mehr zu geben; doch jammerte sie der arme alte Mann, und so besann sie sich nicht lange, sondern zog einen ihrer reich mit Silber gestickten Handschuhe aus und reichte diesen dem Greis. Das sah ein Ritter, der zugegen war, der trat eilends zu dem Alten, von dem er den Handschuh gegen eine Summe baren Geldes eintauschte. Als ein Kleinod seltener Art befestigte dieser Ritter den Handschuh an seinem Helm und zog bald darauf in den Kreuzzug. Tapfer kämpfte er gegen die Sarazenen (Truppen des mohammedanischen Sultans), und in jedem Gefecht war es ihm, als sei ihm die Helmzier ein schützender Talisman (Glücksbringer).

Glücklich kehrte er in die Heimat zurück und setzte freudig und seinen Nachkommen zur Erinnerung das Bild von Elisabeths Handschuh in sein Wappen ein. Sterbend küsste er die Reliquie der Landgräfin.

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