Turnierfest auf den Wiesen vor Schloss Rosenau

Turnierfest vor Schloss Rosenau
Anlaß waren Hochzeitsfeierlichkeiten


Schloss Rosenau
Foto: © Ulrich Göpfert

Anläßlich der Vermählungsfeierlichkeiten von Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld mit Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg fand im August 1817 auf den Wiesen unterhalb des zur Hochzeit erneuerten Schlosses Rosenau ein Ritterturnier statt.

Die Neugestaltung der Schlossanlage darf nicht isoliert betrachtet werden, denn gerade die Harmonie von Schloss, Park und Landschaft macht den besonderen Reiz der Rosenau als ein "Gesamtkunstwerk“ der Romantik aus. Über 200 ha umfaßte der nach englischen Vorbildern angelegte Landschaftsgarten, der ohne Mauern und Gitter in die bäuerliche Umgebung überging. Auf fast ein Sechstel – 36,5 ha – ist heute das Arenal geschrumpft, bleibt aber immer noch ein idyllisches Erholungszentrum. Im jetzt zum Parkrestaurant ausgebauten ehemaligen Teehaus und auf den Wiesen der Rosenau wurden einst frohe Feste gefeiert. Dabei waren oft die gesamte Bevölkerung der umliegenden Ortschaften Gäste des Herzogshauses. Zur Hochzeit von Ernst I. mit Luise wurde ein großes Turnierfest unter aktiver Mitwirkung der Fürsten und des Adels in mittelalterlichen Rüstungen und Gewändern abgehalten. Bürger und Bauern waren die von diesem Schauspiel begeisterten Zuschauer.

Als Erinnerung an dieses außergewöhnliche Ereignis wurde auf einem Hügel nahe der künstlichen Grotte die Turniersäule – ein rechteckiger Pfeiler mit vier Wappen, einer kleinen Sonnenuhr und gotisierenden Abschluss aufgestellt. Dieses, das Mittelalter beschwörende Turnier hat vermutlich zwei Coburger Zuschauer angeregt, die am 5. März 1820 auf dem Herzoglichen Hoftheater uraufgeführte "Ida von Rosenau“, eine heroische Oper in drei Akten "nach einer vaterländischen Geschichte zur Zeit der Kreuzzüge zu verfassen. Der Maler Johann König schrieb den Text und der in Rossach geborene, im 19. Jahrhundert bekannte und geachtete Komponist Andreas Spät die Musik. Leider ist nur noch der Theaterzettel im Landestheaterarchiv erhalten.


Im Schlosshof
  Foto: © Ulrich Göpfert

Außerdem sind auf Schloss Rosenau in sieben Bogenfeldern gemalte Szenen aus den Minnefahrten eines Ritters zu sehen, die besonders die romantische Atmosphäre, mit der der Ehemann Ernst der Erste seine erste Gattin Dorothea Luise von Altenburg zu umgeben bemüht war. Die schöne, bei der Heirat erst 17jährige Herzogin, die selber gerne malte, hat dieses Gemälde in Briefen anschaulich beschrieben und auch berichtet, dass sich in der Bibliothek eine Reihe von Ritterromanen befanden. Sie war die Mutter Ernst II. und gebar hier im Schloss Rosenau 1819 ihren zweiten Sohn Albert, der sich 1840 mit seiner drei Monate älteren Cousine Victoria von England vermählte.


Ritterturnier vor Schloss Rosenau
Repro: Ulrich Göpfert

Mein Repro von diesem Gemälde, das dieses Ritterturnier vor Schloss Rosenau darstellt, gehörte zum alten Bestand von Schloss Rosenau und ist heute auf Schloss Callenberg in Coburg zu sehen. Es dürfte aber einige Jahre nach dem Turnierfest entstanden sein. Da es aber nicht den zeitgenössischen Beschreibungen folgt, ist es daher nicht als Dokumentation des Ereignisses anzusehen. Darauf dargestellt ist der Einzug der beteiligten "Ritter“, die allerdings nicht wie überliefert in Rüstung und mit Helm erscheinen. Angeführt wurde der Zug nach Roepert von Herzog Ernst I. und seinem älteren Bruder, Prinz Ferdinand, gefolgt von Graf Mensdorf, Rittmeister von Paczensky, Graf Solms, Hauptmann von Alvensleben, dem Forstmeister von Wangenheim, Hauptmann von Holleben, Major Senft von Pilsach und dem Kammerherrn von Thümmel.

Auf dem Gemälde ist rechts unterhalb des Schlosses Rosenau nicht der damalige Turnierplatz mit Tribünen wiedergegeben, sondern ein von Menschen gesäumter, mit Girlanden geschmückter Wiesenplatz mit Maibaum, wie er von den auf der Rosenau öfter abgehaltenen ländlichen Volksfesten überliefert ist. Während Roepert lediglich eine "herrschaftliche Tribüne“, mit dem Hofstaat in "altdeutscher Tracht“ erwähnt, erscheinen auf dem Gemälde alle Festgäste in historischen Kostümen. Die am rechten Bildrand dargestellte zechende Gruppe erinnert an den Jahrmarktcharakter, den die von Herzog Ernst I. inszenierten Feste auf der Rosenau hatten. Das Gemälde veranschaulicht recht gut, wie der Herzog sich die Wiederbelebung des Mittelalters auf seiner "Rosenau“ vorstellte. Ritterdarstellungen bzw. Abbildungen von Personen in mittelalterlicher Tracht waren im 19. Jahrhundert auch bei Mitgliedern aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha beliebt.


Prinz Albert
Repro: Ulrich Göpfert

Prinz Albert hatte in seiner Jugend, vor allem durch die enge Bindung an Schloss Rosenau, die Auswirkungen der "sentimentalen Romantik“ seines Vaters erfahren. Beim neugotischen Umbau von Schloss Rosenau verzichtete Herzog Ernst I. weder auf Rittersaal noch Ritterbibliothek, und in den Parkanlagen gab es Rückzugsorte wie Eremitage, Grotte und Ruine. Außerdem gefiel es dem Herzog, sich als "Ritter von der Rosenau“ malen zu lassen und wie bereits erwähnt, Ritterturniere sowie mittelalterliche Kostümfeste auf der Rosenau zu inszenieren. Von Prinz Albert ist zwar kein vergleichbarer Ritterkult überliefert, doch existieren einige Gemälde, Stiche und Kleinplastiken, die ihn im Ritterkostüm zeigen.

Mein Repro des hier abgebildeten Gemäldes wurde von Königin Victoria von England in Auftrag gegeben. Auf ihren Wunsch hin, stand Albert 1844, anlässlich ihres 25. Geburtstages, Robert Thorburn Modell für ein Porträt. Königin Victoria war von dem Thorburn-Gemälde so angetan, dass sie vermutlich weitere Ritterdarstellungen von Prinzgemahl Albert in Auftrag gab. So findet sich ein ähnliches Porträt des Prinzen von Hans Kundmüller in Osborne House, allerdings ohne den St. Georgs- bzw. Hosenbandorden, den Albert an einem blauen Samtband auf dem Thorburn-Porträt zur Schau trägt.


Königin Victoria
Repro: Ulrich Göpfert

Als Gegenstück zu den Ritterdarstellungen ihres Prinzgemahls, gibt es einige Darstellungen von Königin Victoria in der mittelalterlichen Tracht des Rosenfräuleins, wie das Repro zeigt. Dieses Gemälde orientiert sich an eine Vorlage von Franz Xaver Winterhalter aus dem Jahr 1842.

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