Der Abt und die Schwedische Königin

Der Abt und die Schwedische Königin
Eine Erzählung aus dem Coburger Land

Pankratius Fleischmann war Abt des Karthäuserklosters Ostheim vor der Rhön. Als die Schweden im Dreißigjährigen Krieg auf ihrem Zuge zur Donau in jene Gegend kamen, erwirkte er vom Schwedischen König Gustav Adolf für sein Kloster einen Schutzbrief. Doch man traute dem Papier nicht recht, und nur ein kleiner Teil der Mönche verblieb. Die anderen flohen, nachdem die Silberschätze versteckt waren.

 
Der Schwedensturm in Kronach

2008 © Ulrich Göpfert

Der Abt selbst ging in seine Heimat nach Kronach, kam aber vom Regen in die Traufe, denn das Städtchen wurde daraufhin von den Schweden umzingelt und belagert. Zwei Monate erreichte ihn keine Botschaft mehr. Da mussten die Schweden die Belagerung aufgeben. Sie zogen sich nach Neustadt an der Haide (Neustadt bei Coburg) zurück, wo sich die Schwedische Königin längere Zeit aufgehalten hatte. Das erfuhr der Abt, gerade als sie nach Würzburg abreiste.

Sich damals durch die schwedischen Truppen bis zur Rhön durchzuschlagen, wäre ein Wagnis gewesen. So zog der Abt, einer Stimme vertrauend, weltliche Kleider an, nahm seine Laute über die Achsel und eilte nach Coburg. Dort war die Königin für eine Nacht im Schloss zu Coburg abgestiegen.

 
Schloss Ehrenburg in Coburg

2008 © Ulrich Göpfert

Als es dunkel wurde, stellte er sich in der Gasse auf, in die die Schlafzimmer der Königin hinausgingen und brachte ihr ein Ständchen dar. Die Königin war entzückt von seinen Liedern und ließ ihn, wie er gehofft, zu sich bitten. Dort musste er neue Lieder singen. Dann berichtete er der Königin: Er sei ein vertriebener Abt und erbitte Schutz für sein Kloster.

Die Königin war wohl etwas überrascht von dieser Enthüllung, aber sie versprach bei ihrem Gemahl Fürbitte für ihn und sein Kloster einzulegen: "Und morgen, Mönchlein, fahre ich nach Würzburg. Da musst du ein Stück mit mir in meinem Wagen fahren und mich mit deiner Laute ergötzen."

Und so geschah es! Am nächsten Tag fuhr man nach Würzburg. Und in einem der Wagen saßen die Königin von Schweden, die Gemahlin Gustav Adolfs, des evangelischen Königs, und neben ihr ein katholischer Abt, die Laute schlagend zu fröhlichen Liedern.

Quellenhinweis: "Die Veste Coburg", 1924

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