Das Lautertal

Das Lautertal
Landschaftlich wunderschön gelegen
und reich an Geschichte


Kirche Rottenbach
Foto: 2014 © Ulrich Göpfert

Lustig sprudelt das schmale Bächlein durch Rottenbach und schlängelt sich dem engen Grund entlang nach Tremersdorf. Rechts schaut der höchste Berg des Coburger Landes, die Rottenbacher Höhe, mitleidig auf diesen herab. 528 Meter ist er hoch, drei Meter höher als sein Nachbar, die Mirsdorfer Kuppe, der gleich daneben steht. Beide werden so wenig beachtet, weil die Senningshöhe, obwohl nur 523 Meter hoch, einen so großartigen Rundblick bietet und noch dazu das Unterkunftshaus des Thüringer-Wald-Vereins auf seinem Rücken trägt.

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Foto: 2014 © Ulrich Göpfert

Beinahe hätte das Rinnsal die beiden Steinkreuze an der Landstraße unbeachtet stehen lassen, weil sie sich am Waldrand so bescheiden im Gebüsch verstecken. Die Jahre 1620 und 1622 sind in ihre Querbalken eingemeißelt und wissen grausige Geschichten aus den ersten Jahren des Dreißigjährigen Krieges zu erzählen. Im Zuge des Neubaues der Bundesstraße 4 sind sie inzwischen verlegt worden.

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Alte Postkarte von Tremersdorf
Foto: 2014 © Ulrich Göpfert

Bei Tremersdorf gesellt sich eine Schwester zum Bach. Sie kommt vom Hang des „Grieß“ bei Görsdorf her und berichtet wunderlichste Dinge vom "Rotliegenden" und "Zechstein".

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Kirche Neukirchen
 
Foto: 2014 © Ulrich Göpfert

Gemeinsam können sie jetzt schon eine Mühle treiben. Zwischen Eichholz und Jägersberg drängt sich nun das zum Bach gewachsene Wasser nach Süden. Bald ist Neukirchen erreicht. Das alte Kirchlein, der letzte Rest einer längst verfallenen Burg, schaut wehmütig in das Tal. Um das Jahr 1200 wurde es erbaut, einfach und bescheiden, und so ist es bis heute geblieben. Auf der anderen Seite des Hanges steht ein schmuckes Haus, groß und geräumig. Hier erholten sich früher Genesende nach überstandener schwerer Krankheit in der frischen, reinen Waldluft.

Bei Tiefenlauter mündet der Weißbach in die Lauter. Die Hänge aus Muschelkalk am Jägersberg und Röserskopf sind im Frühling ein reiner Blumengarten. Bevor die Buchen und Eichen ihr Laub entfalten, können die Sonnenstrahlen auf den Laubboden fallen und locken die Schneeglöckchen, Annemonen, Blatterbsen, Haselwurz, Kellerhals und Waldmeister aus der Erde. Da leuchtet es weiß, gelb und rot zwischen den Sträuchern und viele Wanderer aus der Stadt und den Dörfern freuen sich über die Pracht der Blüten. Das Blühen hält bis zum frühen Sommer an und der aufmerksame Beobachter kann manch seltenes Kräutlein entdecken. Auch etliche Hügelgräber kann er sehen, die in der Hügelgräberbronzezeit aufgeschichtet wurden. Das geschah vor über 3000 Jahren.

Der Hühnerberg auf der linken Seite des Baches hat einen interessanten Namen. Man könnte denken, dass dort früher viele Hühnervögel (Auer- und Birkhühner) genistet und dem Berg zu seinem Namen verholfen hätten. Die Heimatforscher haben festgestellt, dass er früher Hünenberg (Riesenberg) hieß und wahrscheinlich ein alter Götterberg war. Solche Verehrungsstätten aus vorchristlicher Zeit gibt es mehrere im Coburger Land.

Oberhalb von Oberlauter bemerkt man in der Wiese neben dem Bach eine Gebüschgruppe. Inmitten der Bäume kommen aus der Tiefe zwei ansehnliche Quellen zum Vorschein. Die Leute nennen sie "Das Gespring". Sie liefern nahezu so viel Wasser wie der Bach selbst. Das Gespring wird aus einem unterirdischen Bachlauf gespeist, der von den Langen Bergen (Flurort Bettelmann) herunterkommt. Früher floß das Wasser im Oertelsgraben. Dieser Bachlauf ist aber zu einem "Trockenbett" geworden, wie der "Weidbach" nördlich der Senningshöhe.

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Die Luftaufnahme zeigt die Ortschaft Unterlauter

Foto: 2014 © Ulrich Göpfert

Früher stand oberhalb von Oberlauter ein kleines Dorf mit Namen Obergebau. Vielleicht ist es der Ort, von dem die Sage von der "Versunkenen Kirche im Lautergrund" erzählt. Das verschwundene Dorf "Altenbrunn" lag wahrscheinlich im Oertelsgraben. Früher wurden in Oberlauter in der Papierfabrik Seidenpapier, Servietten, Durchschlagpapiere, Zellstoffwatte und Kreppapiere gefertigt. Diese Mühle bestand schon 1340 und fertigte seit 1581 Papier. Eine kleinere Papiermühle stand auch in Unterlauter. Am Sensenhammer darf man auch nicht achtlos vorübergehen. An dieser Stelle stand früher ein berühmtes Straßenwirtshaus. Seinen Namen hat er aber von einem Eisenhammerwerk, das vor etlichen hundert Jahren das beste Eisen unserer Heimat herstellte.

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Lauterberg

Foto: 2014 © Ulrich Göpfert

Links oben auf dem Lauterberg steht ein hundert Meter hoher Eisenmast. Die Leute nennen ihn "Bleistift", weil er aus der Ferne gesehen so dünn wie ein Bleistift ausschaut. Von diesem Mast aus werden die Flugzeuge mit elektrischen Wellen auf die rechten Flugbahnen gewiesen. Nicht zu vergessen ist, dass früher am Hang des Lauterberges guter Wein wuchs.

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Gerichtslinde und Kreuzstein in Unterlauter

Foto: 2014 © Ulrich Göpfert

Nun verlässt unsere Lauter die Berge und schlängelt sich durch ein ziemlich flaches Tal. Zunächst erreicht sie Unterlauter. Hier gibt es wieder viel zu sehen. Mitten im Dorf stehen die alte "Gerichtslinde" und davor der "Kreuzstein". Ungefähr seit dem Jahre 850 ist Unterlauter Gerichtsort für das Coburger Land und blieb es bis zum Jahre 1821. 1340 umfasste dieses Centgericht 42 Dörfer.

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Kirche Unterlauter
Foto: 2014 © Ulrich Göpfert

An der Straße nach Beuerfeld befindet sich auf einer kleinen Anhöhe der Galgenberg. Hierhin führte der letzte Weg eines zum Tode verurteilten Sünders vom Gerichtsplatz in der Ortsmitte aus. Ebenfalls in der Ortsmitte war früher ein altes Straßenwirtshaus gegenüber der Dorfschmiede gestanden. 1741 wurde in Unterlauter die Kirche auf einem Platz, der schon vor 1265 eine Kapelle trug, errichtet. Hinter der Kirche stand ehemals der "Königliche Hof" zu "Lutaraha". Die Kenner sagen, die jetzige Kirche sei im "Bandelwerkstil" gebaut. Nicht vergessen werden darf, dass im Lautertal einige Märbelmühlen standen, die die bekannten Spielkügelchen aus Kalksandsteinwürfel mahlten.

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Rückert-Anwesen in Neuses und Goldberghäuschen
Foto: 2014 © Ulrich Göpfert

Nun bewegt sich unser Flüßchen in der Talaue der Lauter-Sulz-Niederung an Bertelsdorf vorbei nach Neuses. Dort stehen das Rückert-Anwesen und das Rückert-Denkmal sowie das Grab der Familie Rückert im alten Friedhof neben der Kirche.
Eine schattige Allee führt zum Goldberghäuschen, dem Gartenhaus von Friedrich Rückert. Nicht versäumen sollte man den Gedenkstein für den "Geheimden Rat" August Moritz von Thümmel anzuschauen. Thümmel war ein kluger Staatsmann, ein fleißiger Dichter und ein weitsichtiger Kaufmann. Er errichte die erste Märbelmühle im Coburger Land in Oeslau.

Das kleine Sulzbächlein hat sein Wasser bei Neuses der Lauter zugeführt. Meist ist es klein und unscheinbar. Manchmal bringt es aber so viel Wasser mit, dass es die Wiesen und das Dorf überflutet. Am Eingang der Stadt Coburg treibt die Lauter noch die Turbinen des Lauter-Kraftwerkes und gibt dann bei der Schleifmühle ihr Wasser dem Hauptfluß des Coburger Landes, der Itz. Der Lauf des Flusses Lauter ist bis zu seiner Mündung 15 km lang. Die Quellen liegen 440 m hoch und die Mündung 293 m; das Gefälle beträgt 147 m.

Quellenhinweis: Andreas Stubenrauch

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