Die Kartoffelernte in früheren Jahren

Die Ernte der Kartoffel dauerte früher den ganzen September
und oft noch bis in den Oktober hinein

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Auf dem alten Foto sieht man die Bauersleute bei der Kartoffelernte. Täglich ging man mit den Kartoffelhacken in aller Frühe los und holte die "Erdäpfel“ aus dem Boden. Einfacher war es dann, als man sie mit dem Einscharpflug aus dem Boden pflügte.
Repro: Archiv Ulrich Göpfert

Hatten die Landwirte die Getreideernte endlich in die Scheune gebracht, so musste schon bald an die bevorstehende Kartoffelernte gedacht werden. Das war eine nicht weniger mühevolle Tätigkeit, denn die modernen Kartoffel-Erntemaschinen waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht erfunden. Die Kartoffel war im 16. Jahrhundert eine exotische Zierpflanze in den Gärten. Sie wurde von den Spaniern aus Südamerika nach Europa gebracht. Die Wildform der Kartoffelpflanze wächst bis in hohe Lagen der Anden. Viele verschiedene Arten werden in Amerika und Europa angebaut. Die Kartoffel gehört zur Familie der Nachtschattengewächse, wie die Tomate, aber auch die Tollkirsche.

Die Erdäpfel,  wie die Kartoffeln noch heute auf dem Land heißen, zeichnen sich durch eine besondere Wertigkeit ihres Eiweißes aus, und die knollige Frucht spielt in der Versorgung der Menschen mit pflanzlichen Eiweiß eine große Rolle, ja steht mit an vorderster Stelle und ist ein wesentlicher Teil der Ernährungsgrundlage. Die Kartoffel ist anfällig für eine ganze Reihe von Krankheiten. Eine davon ist die Krautfäule, ein für die Kartoffel besonders gefährlicher Pilz. Der Befall mit diesem Pilz kann zur totalen Vernichtung der Ernte führen. Der totale Ausfall der Kartoffelernte hatte noch im 18. Jahrhundert in Irland eine beispiellose Hungersnot zur Folge, wie wir sie uns im Europa der Überschuss Produktion nicht mehr vorstellen können.

Kartoffellegen
Gegen Ende April legte man die Kartoffeln in den Boden. Der Bauer schlug mit der Hacke ein Loch in den Boden, zog die Erde etwas rückwärts und deckte damit das vorhergehende Kartoffelloch zu. Die Bäuerin ging nebenher mit einer großen Schürze oder einem Korb voller Kartoffeln und warf jeweils eine in das Loch. Das wiederholte sich, bis die ganze Ackerlänge mit Kartoffeln bestellt war. Zur Einsparung des Saatgutes wurden in früheren Zeiten die Pflanzkartoffeln auseinander geschnitten, und es wurde immer nur die Hälfte in das Loch geworfen. In Hunger- und Kriegszeiten wurden öfters auch nur die "Augen“ der Kartoffeln ausgestochen und diese in den Boden gelegt, dann konnte man den Rest der Frucht noch zur Ernährung verwenden.

Ein alter Bauernspruch besagt:
"Steckst du mich im April, komm` ich, wenn ich will, steckst du mich im Mai, dann komm` ich gleich".

Obwohl den Kartoffeln ein schon etwas wärmerer Boden zusagt, so wurden trotzdem die meisten Kartoffeln in früherer Zeit bereits im April in die Erde gelegt.

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Kartoffelkäfer
Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

Der Kartoffelkäfer
"Der Mensch erntet nicht was er sät, sondern was ihm die Schädlinge übriglassen". Ein großer Schädling der Kartoffel war in den früheren Jahren der Kartoffelkäfer. Wir Schulkinder bekamen früher Schulfrei zum Ablesen der Kartoffelkäfer auf dem Feld. Der Kartoffelkäfer ist durch seine auffallende Färbung leicht von jedem einheimischen Käfer zu unterscheiden. Zehn schmale Längsstreifen ziehen sich über die beiden gelben Flügeldecken. Der rötlichgelbe Halsschild trägt 11 schwarze Flecke, von denen der Mittelfleck V-förmig erscheint. Der Käfer wird nur einen Zentimeter lang. Sein ovaler Körper ist oben kuppelförmig zu einer Halbkugel aufgewölbt, während die Unterseite abgeplattet ist.

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Kartoffelernte im Jahr 1933 auf der Mönchrödener Flur
Repro:  Ulrich Göpfert

Die Kartoffelernte
Die Ernte der Kartoffeln dauerte früher den ganzen September, oft auch bis in den Oktober hinein. Täglich ging man mit den Kartoffelhacken in aller Frühe los und holte die "Erdäpfel"l aus dem Boden. Einfacher war es, als man sie mit dem Einscharpflug aus dem Boden pflügte. Und nun mussten alle auf dem Hof, aber auch noch zusätzliche Helfer zum Aufklauben auf das Feld.


Zu meiner Schulzeit in den 50iger Jahren war es in den Herbst- bzw. Kartoffelferien üblich, dass wir Schulkinder den Bauern bei der Kartoffelernte mithalfen. Dafür wurden wir mit reichlich gutem Essen und einem Handgeld belohnt. Wir freuten uns, trotz der anstrengenden Arbeit jedes Jahr auf diese Zeit, denn mit dem Lohn konnten wir uns so manchen Wunsch erfüllen. Wir sammelten die Kartoffeln in Weidenkörbe und danach wurden sie in Säcke gefüllt, die dann am Abend mit dem Wagen zum Bauernhof gefahren wurden und in den Keller gebracht wurden. Meistens mussten wir sie bei Dunkelheit abladen, am nächsten Tag begann wieder die gleiche Arbeit. Zu dieser Zeit dauerte die Kartoffelernte ungefähr sechs Wochen. Jeder der Kartoffelleser sehnte das Ende herbei, alle hatten schon einen krummen Rücken.

Das Kartoffelfeuer
Am Ende der Ernte gab es für uns Kinder ein besonderes Erlebnis, wenn an sonnigen Oktobertagen die Haufen mit den dürren Kartoffelstauden auf dem leeren Feld verbrannt wurden. Dann wurden natürlich auch ein paar Handvoll Erdäpfel in die Glut geworfen. Alle ließen sich die oft reichlich angekohlten Früchte des Ackers, auch ohne Salz, schmecken. Uns stand die Freude darüber im Gesicht, dass eine der schwersten Arbeiten des Jahres nun bald abgeschlossen werden konnte.

Die Mechanisierung der Kartoffelernte
Nach dem zweiten Weltkrieg begann die Mechanisierung der Kartoffelernte, und der wochenlangen gebückten Arbeit konnte man endgültig "ade" sagen. Sicherlich ging dadurch auch ein Stück Romantik mit dem rauchenden Kartoffelfeuer zu Ende, doch nachgetrauert hat dem niemand, der diese mühselige Arbeit verrichten musste. Niemand hätte früher gedacht, dass es technisch möglich ist, Kartoffeln und Erde voneinander zu trennen und das alles in nicht gebückter Haltung.

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