„Zorro“ im Allgäu entdeckt

Neuer Nachweis des seltenen Gartenschläfers südlich von Oberstdorf
– am stärksten zurückgehende Nagetierart in Europa

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Gartenschläfer im Nest
Archivbild © Rudi Leitl

Hilpoltstein – Nach der Entdeckung der seltensten Säugetierart Deutschlands – der Waldbirkenmaus – am Riedberger Horn im September 2018, freut sich der bayerische Naturschutzverband LBV erneut über einen spektakulären Nachweis: Im Rahmen eines Projekts zur Erfassung von Kleinsäugern gelang dem LBV-Gebietsbetreuer Henning Werth mit Hilfe einer Wildtierkamera der Nachweis eines seltenen Gartenschläfers südlich von Oberstdorf.

 „Im gesamten Freistaat gibt es ohnehin nur kleinere Vorkommen von Gartenschläfern, in Nordostbayern und lediglich wenige Funde im Oberallgäu. Die Beobachtung bei Oberstdorf ist sogar ein völlig neuer Nachweis des Nagetiers für Deutschland“, so Werth. Der zu den Bilchen gehörende Säuger ist die in Europa am stärksten zurückgehende Nagetierart. Das Verbreitungsgebiet des Gartenschläfers, der um seine Augen ein schwarze „Zorro Maske“ trägt, hat sich in den letzten 30 Jahren halbiert. „Als Ursache wird schon lange ein Zusammenhang mit dem Insektensterben vermutet. Strukturelle Veränderungen der Lebensräume und auch der Klimawandel könnten eine weitere Rolle spielen“, so der LBV-Artenschützer.

Das Foto ist schwarz-weiß, ein wenig unscharf und lediglich Schwanz und Hinterteil eines kleinen Nagetieres sind darauf zu sehen. Doch dieses Bild hat eine enorme Bedeutung für unsere heimische Natur, denn es zeigt einen seltenen Gartenschläfer. „Das ist eine echte Besonderheit für Bayern“, freut sich LBV-Gebietsbetreuer Henning Werth. Er hat den kleinen Säuger bei einer aktuellen Auswertung von etwa 10.000 Bildern einer Wildtierkamera südlich von Oberstdorf entdeckt. Das Foto entstand bereits im Juli 2019 im Rahmen eines vom Bayerischen Naturschutzfonds geförderten Projektes zur Erfassung von Kleinsäugern im Oberallgäu.

„Absolut außergewöhnlich für diesen Nachweis des Gartenschläfers ist die Höhenlage“, erklärt der LBV-Gebietsbetreuer. Normalerweise sind die Lebensräume im südlichen Verbreitungsgebiet Deutschlands eher Obstwiesen, Weinberge und Kleingärten. In den Mittelgebirgen wiederum sind es vor allem Schlucht- und Hangwälder, in denen sich der Gartenschläfer bevorzugt niederlässt. „Dass diese Art auch auf über 1.600 Metern am Rande einer Alpfläche lebt, ist wissenschaftlich höchst interessant und bedarf weiterer Forschung.“

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Gartenschläfer an einem Baum
 Archivbild © Rudi Leitl

Der Gartenschläfer gehört zur Gruppe der Bilche, zu der auch Siebenschläfer und Haselmaus zählen. Das auffälligste Merkmal des circa 15 Zentimeter langen braun-weißen Gartenschläfers ist seine schwarze „Zorro-Maske“ um die Augen und sein typisch gefärbter und langhaariger Schwanz, der fast so lang wie sein Körper werden kann. Die Tiere sind nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie in Baumhöhlen, Nestern oder Felshöhlen. Ihren Winterschlaf verbringen sie von Oktober bis April. Gartenschläfer sind zwar Allesfresser, ernähren sich aber überwiegend von Insekten. Dazu gehören Früchte, Samen und Knospen zu ihrem Nahrungsspektrum.


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Gartenschläfer im Nest
Archivbild © Rudi Leitl

In den letzten 30 Jahren haben Gartenschläfer etwa die Hälfte der Fläche ihres bisherigen Lebensraumes in Europa verloren. In nur noch fünf der ursprünglichen 26 europäischen Länder, in denen diese Art vorkam, gibt es noch stabile Bestände. Deutschland hat mit derzeit zehn Prozent des weltweiten Verbreitungsgebiets hierbei eine besondere Verantwortung. Deswegen ist der Gartenschläfer auch als „nationale Verantwortungsart“ eingestuft. Die Hauptvorkommen befinden sich in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Im Freistaat ist die Verbreitung äußerst lückenhaft. Neben Vorkommen in Nordostbayern sind nur wenige Nachweise aus dem Oberallgäu bekannt.

„Ähnlich wie bei der Waldbirkenmaus vermuten wir noch weitere Vorkommen des Gartenschläfers in den Allgäuer Hochalpen, die als artenreichstes Gebirge in Deutschland gelten“, erklärt Henning Werth. „Mit den Alphirten vor Ort gibt es bereits jetzt eine sehr gute Zusammenarbeit, denn die Sicherung des Gartenschläfer-Lebensraums und seiner Nahrungsflächen erfolgt durch eine extensive Beweidung.“

Wer selbst einen Gartenschläfer entdeckt oder gesehen hat, meldet seine Beobachtung gern dem LBV Schwaben: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Tel. 08331- 966770.

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