Vorschau - Ein Dorf wehrt sich

Der Fernsehfilm der Woche
Montag, 23. März 2020, 20:15 Uhr, ZDF

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Sepp Rottenbacher (Fritz Karl) und Elsa Mitterjäger (Brigitte Hobmeier) beobachten zusammen mit anderen Dorfbewohnern (Komparsen) das Geschehen vor dem Salinenwerk.
Foto: © ZDF/BERND SCHULLER

Historisches Drama von Gabriela Zerhau: Die Rettung der von Nazis geraubten Kunstschätze im österreichischen Altaussee ging in die Geschichte ein. In diesem Fernsehfilm der Woche, an Originalschauplätzen entstanden, sind Fritz Karl, Brigitte Hobmeier, Harald Windisch, Francis Fulton-Smith, Oliver Masucci, Philipp Hochmair, Verena Altenberger und andere zu sehen.

"Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht."
Ein historisches Drama über stille Helden in Altaussee

Als die Produzentin Kirsten Hager mit der Autorin und Regisseurin Gabriela Zerhau mit dem Vorschlag auf die ZDF-Fernsehfilmredaktion zukam, die Geschichte von Altaussee am Ende des Zweiten Weltkriegs zu erzählen, gab es zunächst zwei Abwehrreflexe: 'Noch ein Nazi-Film?' und 'Das spielt doch in Österreich'.

Nach der Lektüre des empfohlenen Sachbuchs von Konrad Kramar und des durchdachten Exposés stellte sich jedoch schnell heraus, dass es hier nicht um einen üblichen Ansatz ging: Gabriela Zerhau fokussiert sich nicht auf die Täter, erliegt nicht der Faszination des Bösen, sondern rückt die mutigen, wenig bekannten Widerständler in den Mittelpunkt. Sie vermittelt mit deren Zivilcourage eine wichtige, weit über Österreich hinaus reichende, aktuell wichtige Botschaft.

"Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht."
Dieses wohl irrtümlich Bertolt Brecht zugeschriebene Zitat – eher aus einem Lehrwort von Papst Leo XIII. aus dem 19. Jahrhundert abgeleitet – könnte als Motto dienen für das waghalsige oppositionelle Handeln der Altausseer Bergleute gegen das bis zuletzt unerbittliche Regime der Nationalsozialisten im Frühjahr 1945. Vermutlich auch aufgrund dieser historischen Erfahrung gibt es im deutschen Grundgesetz das verbriefte Widerstandsrecht (Artikel 20, Absatz 4 GG). Den Bergleuten im steirischen Salzkammergut ging es bei ihrer Auflehnung gegen die wahnsinnig herrschenden Nazis nicht so sehr um die Rettung der Kunstwerke, sondern legitimerweise um die Rettung des extrem wichtigen Salzbergwerks, um die Bewahrung ihrer Existenzgrundlage – auch in dieser Hinsicht ein sehr moderner Stoff.

Anders als in dem thematisch nur bedingt ähnlichen Hollywood-Film "The Monuments Men" erzählt die für berührende Filme bekannte Gabriela Zerhau mit ihrer character driven-Schreibweise vor allem auch die Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei Männern. Dabei legt sie bei aller dichterischen Freiheit größte Sorgfalt auf die Schilderung des historischen Hintergrunds, auf die tatsächlich stattgefundenen, bezeugten Ereignisse, die reale Wahrheit, auf die sie ihre fiktive Geschichte baut. Für Wahrhaftigkeit bürgt Gabriela Zerhaus genaue Recherche, bei der ihr half, dass sie selbst in Altaussee wohnt. Ihr Bemühen um größtmögliche Authentizität unterstützend, standen der Regisseurin während dieser aufwändigen Produktion unter vielen anderen der Kameramann Carsten Thiele, der Szenenbildner Bertram Reiter, die Kostümbildnerin Monika Hinz und die Produzentin Anja Föringer zur Seite. Sie alle schufen einen Rahmen für ein erstklassiges Schauspielerensemble, das für sich spricht.

So ist ein bilderstarkes Drama nach wahren Begebenheiten entstanden, bei dem in einem dörflichen Mikrokosmos der uralte Konflikt zwischen Moral und Macht ausgetragen wird. Der emotional und intensiv inszenierte Film von Gabriela Zerhau zeigt, dass Freundschaft und Zivilcourage gegen ein zerstörungswütiges Terror-Regime obsiegen können.

Die von ZDF, ORF und ARTE beauftragte und mehrfach geförderte Koproduktion der Hager Moss Film und Mona Film wurde von österreichischer Seite von Redakteurin Julia Sengstschmid und Koproduzenten Gerald Podgornig konstruktiv betreut. "Ein Dorf wehrt sich" feierte im Juni 2019 Premiere auf dem Filmfest München und war zu dem Fünf-Seen-Filmfestival in Oberbayern und zu den Biberacher Filmfestspielen eingeladen. Dabei gab es bemerkenswerte Publikumsdiskussionen, in denen vor allem die aktuelle politische Lage in Deutschland und Österreich thematisiert wurde. Eine mit Anspannung erwartete Vorführung am Originalschauplatz in Altaussee fand sehr große Zustimmung. Nachbarn und direkte Nachfahren von im Film geschilderten Personen waren positiv beeindruckt, vor allem, dass die Geschichte nicht diffamierend, sondern differenzierend erzählt wird.

Bei der Erstausstrahlung am 11. Dezember 2019 im ORF hatte der Film 767.000 Zuschauer bei einem Marktanteil von 26 Prozent und bei ARTE am 10. Januar 2020 über 1,1 Millionen Zuschauer bei 3,8 Prozent Marktanteil. Das sind bei beiden Sendern weit überdurchschnittliche Werte.

"Gewidmet all den stillen Helden, die den gefahrvolleren Weg wählten und sich der Gewalt widersetzten.
Die Rückgabe der Raubkunst ist bis heute nicht abgeschlossen."
(Abspanntext)

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