Immer mehr Seeadler am Himmel über Bayern

Balz der majestätischen Greifvögel in vollem Gange
– Sichtungen dem LBV melden – Brutpaare werden mehr

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Seeadler im Flug
Foto: © Edmund Abel

Hilpoltstein– Immer häufiger sind wieder Seeadler am bayerischen Himmel zu sehen. Während der derzeitigen Balz sind die majestätischen Greifvögel besonders gut zu beobachten. Ursprünglich weit verbreitet, aber vom Menschen fast an den Rand seiner Ausrottung gebracht, erlebt er bundesweit einen beeindruckenden Aufschwung und ist seit der Jahrtausendwende auch wieder ein Brutvogel im Freistaat. 16 bayerische Seeadlerpaare konnten im vergangenen Jahr erfolgreich ihren Nachwuchs großziehen. Der LBV möchte sich ein genaueres Bild über das Vorkommen der beeindruckenden Adler in Bayern machen und bittet deshalb um Mithilfe. Jeder kann dem LBV seine Adlersichtungen an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! schicken. Gerade jetzt können Naturfreunde ihn besonders gut beobachten, denn die Seeadlerbalz ist in vollem Gange. 

Europas größter Adler erobert sich allmählich seinen angestammten Lebensraum zurück und findet auch im Freistaat wieder öfter ein Zuhause. Der majestätische Seeadler zählt mit einer Flügelspannweite von 200 bis 250 cm zu den größten Greifvögeln Mitteleuropas. Nur Bart-, Mönchs- und Gänsegeier sind größer. „Um einen ausgewachsenen Seeadler von anderen Greifvögeln zu unterscheiden, sind - neben seiner Größe – der eindrucksvolle gelbe Schnabel, der helle Kopf und der weiße Schwanz gute Erkennungsmerkmale“, weiß Dr. Miriam Hansbauer, Leiterin des LBV-Artenschutzreferates. „Bei einem Seeadler im Flug kann man gut die gefingerten Flügelspitzen, den kurzen keilförmigen Schwanz und den relativ langen Hals erkennen, was das Flugbild so charakteristisch macht“, so die LBV-Artenschützerin. Männchen und Weibchen unterscheiden sich dabei vom Aussehen her nicht, nur die Jungvögel sind insgesamt dunkler als die erwachsenen Tiere.

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Seeadler über dem Wasser
Foto: © Edmund Abel

Die besten Chancen, die imposanten Greifvögel zu beobachten, gibt es an den Gewässern Nordbayerns, vor allem in der Oberpfalz und in Teilen Frankens. Von den derzeit 23 bekannten bayerischen Revieren liegen einige auch südlich der Donau in Ober- und Niederbayern. „Der Seeadler fühlt sich in verschiedenen Landschaften des Tieflandes wohl, sofern es nährstoff-, fisch- und vogelreiche Gewässer in der Nähe gibt“, erklärt Hansbauer. „Dort holt er sich seine Hauptnahrung: Fisch. Aber er ernährt sich gerade auch im Winter gern von Wasservögeln und verschmäht auch kein Aas“, weiß die Biologin.

Seinen Horst baut der Seeadler am liebsten in großen und ruhigen Altholzbeständen. Wo vorhanden bevorzugt er besonders alte Laubbäume für den Neststandort. Seeadler sind Standvögel, nur die Jungvögel können über mehrere hundert Kilometer herumstreifen. „Bei den ausgeprägten Balzrituale schenkt das Männchen seiner Angebeteten schon mal einen Stein oder einen Ast. Oft beginnen die Vögel damit schon im November, so dass ein Brutbeginn ab Mitte Februar möglich ist“, so Hansbauer.

Beobachtungen von Seeadlern unter Angabe von Datum, Ort und Dauer der Sichtung kann jeder Naturfreund dem LBV unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! schicken. Auch die Anzahl und mögliche erkennbare Merkmale am Vogel sind für die Naturschützer hilfreich. Diese sind zum Beispiel eine Färbung an Kopf oder Brust, das Verhalten und eventuell erkennbare Markierungen (Farbringe an den Beinen). „Mit einem Foto oder einer genauen Beschreibung lässt sich Art, Alter und vielleicht sogar das Individuum bestimmen“, erklärt Hansbauer.

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Seeadler
Foto: © Wolfgang Lorenz

Der Seeadler war um 1900 in Deutschland fast ausgestorben. Er wurde durch menschliche Verfolgung, Verlust seines Lebensraums und ab den 1940er Jahren durch den Einsatz des Insektizids DDT beinahe ausgerottet, wodurch auch der Bestand vieler anderer Greifvogelarten fast ausgelöscht wurde. „Heutzutage sind vor allem Störungen am Brutplatz, der Tod durch Bahnkollisionen und die Aufnahme von bleihaltiger Jagdmunition über die Nahrung Haupttodesursachen der großen Greifvögel“, so Miriam Hansbauer.

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