Kunstsammlungen der Veste Coburg

Neu auf der Veste – frühe Bildnisse der Coburger Herzöge Johann Casimir und Johann Ernst

Die Kunstsammlungen der Veste Coburg konnten mit großzügiger Unterstützung der Förderer der Coburger Landesstiftung e. V. und der VR-Bank Coburg zwei frühe Leinwandbildnisse der Coburger Herzoge Johann Casimir und Johann Ernst erwerben. Die durch Zufall 2019 in einer saarländischen Privatsammlung entdeckten Gemälde sind kunstgeschichtlich spannend und für Coburg lokalgeschichtlich hochwillkommen – schließlich haben sich von Johann Casimir, einem der bedeutendsten Herzöge der Vestestadt, nur ein Hand voll Bildnisse erhalten. Die beiden großformatigen Neuentdeckungen werden zur Begrüßung auf der Veste zunächst bis 4. Oktober 2020 in der Großen Hofstube präsentiert.

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Zur Begrüßung der Fürstenbildnisse auf der Veste Coburg trafen sich Dr. Sven Hauschke (Direktor der Kunstsammlungen der Veste Coburg), Norbert Tessmer (Vorsitzender der Coburger Landesstiftung), Hans-Herbert Hartan (2. Bürgermeister der Stadt Coburg, Vorsitzender der Förderer der Coburger Landesstiftung e. V.), Karlheinz Kipke (Vorstandsvorsitzender der VR-Bank-Coburg) und Dr. Niels Fleck (Kurator Gemälde) (v. l. n. r.)
Foto: © Kunstsammlungen der Veste Coburg

Die Bildnisse entstanden laut Inschrift 1582
Der 19jährige Johann Casimir und sein 17jähriger Bruder Johann Ernst sind hier in annähernd identischer Pose und Kleidung dargestellt. Ihr Auftritt ist höchst elegant. Der neuesten Mode des spanischen Hofes folgend, tragen beide Kniebundhosen in Pluderform, geschneidert aus kostbarem schwarzen Brokat. Zur spanischen Mode zählen auch die hohe Halskrause und die extravagante, lang geformte Kappe mit Pfauenfeder. Casimir hat die Rechte stolz in die Hüfte gestemmt, während er mit der Linken entschlossen den Degen umgreift. Ernst trägt keinen Degen, hält aber wie sein Bruder den Blick prüfend auf den Betrachter gerichtet.

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Willkommens-Präsentation der Neuerwerbungen
in der Großen Hofstube der Veste Coburg
Foto: © Kunstsammlungen der Veste Coburg

In der bisherigen Forschung sind die beiden Gemälde nicht erwähnt
In Coburg treffen sie allerdings auf einen „alten Bekannten“: Ein Double des Bildnisses Johann Casimirs ist bereits seit 2011 als Dauerleihgabe des Bomann-Museum Celle in den Kunstsammlungen zu sehen. Das Celler Bild ist inschriftlich 1583 datiert, also anscheinend eine jüngere Wiederholung des Coburger Neuzugangs. Im Gegensatz zu diesem weist es kein Wappen auf, ansonsten aber weichen die Darstellungen kaum voneinander ab. Die charakteristische Malweise erlaubt eine Zuschreibung an denselben – noch unbekannten – Künstler.

Auch zu dem Celler Johann Casimir existiert ein Pendant mit der Darstellung des jüngeren Bruders, es befindet sich heute in Schloss Neuenburg an der Unstrut. Bislang vermutet man, dass das Celler/Neuenburger Bildnispaar in einem konkreten Zusammenhang mit der Brautwerbung Johann Casimirs um Anna, Tochter des sächsischen Kurfürsten August, stand. Tatsächlich fand bereits im Folgejahr die Verlobung statt. Die jetzt entdeckte serielle Produktion der Bildnisse lässt aber darauf schließen, dass Johann Casimir und sein Bruder in dieser für sie wichtigen Lebensphase auch an anderen Höfen um ihre Repräsentation bedacht waren. Trotz mancher noch offener Fragen veranschaulicht der Coburger Neuzugang ganz hervorragend das Phänomen serieller Bildnisproduktion in der Frühen Neuzeit. Dies konnte speziell auch dazu dienen, junge Adlige in die höfische Gesellschaft einzuführen.

Für die gezielte sukzessive Erweiterung ihrer Bestände sind die Kunstsammlungen der Veste Coburg stets auf finanzielle Hilfe angewiesen. Den Förderern der Coburger Landesstiftung wie auch der VR-Bank Coburg gebührt herzlicher Dank für die langjährige gute Partnerschaft. Das mit ihrer Hilfe erworbene herzogliche Bildnispaar hat die Jahrhunderte nicht unbeschadet überstanden. Ehe es einen dauerhaften Platz in den Schausammlungen auf der Veste erhält, bedarf es einer intensiven Restaurierung. Auch dafür werben die Kunstsammlungen der Veste Coburg nun um Spenden.

Öffnungszeiten bis 4. Oktober 2020:
Täglich 9.30 bis 17.00 Uhr

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