Die Gleichberge

Ein sagenhafter Blick ins Thüringer Land

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Die Gleichberge
Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

Diese bei Römhild liegenden Berge sind eine Zwillingsgruppe von Basaltbergen, die sich isoliert auf der Fränkischen Terrasse erheben. Infolge ihrer isolierten Lage sind sie von allen hervorragenden Punkten der Rhön, des Thüringer Waldes, des Frankenwaldes, des Fichtelgebirges sowie der Bergzüge diesseits des Maines sichtbar. Beide Berge gelten für die Bewohner dieser Gegend als Wetterpropheten.

Ein Sprichwort sagt:
„Wenn der Kleine dem Großen aufsetzt den Hut,
wird das Wetter gut;
Wenn der Große dem Kleinen aufsetzt die Mütz`,
wird das Wetter nicht nütz.“

Sind die Häupter dieser Berge nebelumschleiert, dann sagen die Bewohner der Umgegend: „Die Gleichberge kochen, es wird heute noch Suppe geben“

Ein heftiges Brausen beider Berge gilt als sicherer Vorbote eines sich bald einstellenden Regens, und deshalb bringen die Bewohner, sobald sie dieses eigentümliche, unheimliche Getöse vernehmen, ihre Feldfrüchte in Sicherheit. Auch will man schon seit mehreren Jahrhunderten die Beobachtung gemacht haben, dass der Berg am Johannistag alle in der Nähe aufkeimenden Gewitter zerteilt.

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Herzog Johann Casimir (12. Juni 1564 - 16. Juli 1633
im grünen Gewand mit weißem Streifenmuster und breitem Spitzkragen und Spitzenmanschetten. Schräg über der Brust mehrfache Goldkette. Die Rechte in die Hüfte gestützt, die Linke am Degen. Im Bildhintergrund ist die Veste und die Stadt Coburg zu sehen
Repro: Archiv Ulrich Göpfert

Nach einer alten Sage soll das Berginnere voll Wasser sein. Ein Bergrat äußerte dem Herzog Johann Casimir gegenüber, dass er auf Verlangen aus dem Gleichberg einen schiffbaren Fluss leiten könne. Da aber Johann Casimir fürchtete, dass durch den Ausbruch des Wassers ein großer Teil des Landes überschwemmt werden könne, schenkte er diesem Vorschlag kein Gehör.

In unmittelbarer Nähe dieser Berge beobachtete man schon von alters her Feuerkugeln und aufsteigende Dämpfe. Auch vernahm man öfters ein mächtiges Knallen. Die Alten wollen früher auch zu gewissen Zeiten in der Nähe dieser Berge einen feurigen Mann gesehen haben. Ein Loch in einem dieser Berge, in welchem sich auch während des Sommers Eis halten soll, wird das Eisloch genannt.

Nach einer Erzählung von Hermann Wettig

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