Hopfen, Malz und Wasser

Das bayerische Reinheitsgebot wird 500 Jahre alt
Hopfen, Malz und Wasser
Die Bierbrauer und ihr Glaube an das Reinheitsgebot

2016 wird das bayerische Reinheitsgebot 500 Jahre alt. Die Zukunft ist wohl gesichert. Bayerisches Bier werde auch weiterhin nach dem ältesten Lebensmittelgesetz der Welt gebraut, ist sich der Präsident des Bayerischen Brauerbundes, Friedrich Düll, sicher.

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Zunfttruhe der Traunsteiner Bierbrauer 1611 – Darstellung einer Bierbeschau
© Haus der Bayerischen Geschichte/Philipp Mannsmann

Auch wenn die EU das Festhalten am Reinheitsgebot erschwert,
ist Friedrich Düll überzeugt:

    "Ich glaube nicht, dass das bayerische Reinheitsgebot unsere Brauereien im europäischen Wettbewerb hindert. Jede fünfte Maß bayerisches Bier wird mittlerweile im Ausland getrunken."
Friedrich Düll, Präsident des Bayerischen Brauerbundes

Eine einzigartige Erfolgsgeschichte
Ob Helles, Dunkles, Weizen oder Pils - fast immer ist im Bier nur Wasser, Hopfen und Malz drin. Dafür sorgt in Deutschland das Reinheitsgebot, das weltweit älteste bis heute gültige Lebensmittelgesetz. Der Erlass ist eine einzigartige bayerische Erfolgsgeschichte. 2016 wird das 500-jährige Bestehen des Reinheitsgebotes gefeiert.

    "Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten und Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen."
So verordneten es am 23. April 1516 Bayerns Herzog Wilhelm IV. und sein Bruder, Herzog Ludwig X., auf dem Landständetag

Ziel des Erlasses war vor allem, Gerste als Rohstoff für das Malz durchzusetzen, damit die anderen Getreidesorten dem Brotbacken vorbehalten blieben. Zudem sollte die Vorschrift die Biertrinker vor gesundheitsschädigenden Zutaten bewahren - Verbraucherschutz im 16. Jahrhundert.

Landesausstellung "Bier in Bayern"

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Plakatmotiv zur Landesausstellung Bier
© Haus der Bayerischen Geschichte/ Entwurf: Nicole Westphal, Hildesheim
Anlässlich des 500-jährigen Jubiläums des Reinheitsgebots im Jahr 2016 wird die Bayerische Landesausstellung im Kloster Aldersbach die enge Verbundenheit Bayerns mit dem Bier ins Bewusstsein rücken. Als Vorlage für das Plakat diente ein Aquarell aus dem Jahr 1905, das verändert und in Teilen ergänzt wurde. Die Ausstellung will die kulturhistorische Dimension des Themas Bier verdeutlichen.

Wie Bayern zum Bierland wurde
Vor dem Reinheitsgebot galten bereits örtlich begrenzte Vorschriften zum Bierbrauen: 1156 für Augsburg, 1293 für Nürnberg, 1363 für München und 1447 für Regensburg, wie der Bayerische Brauerbund erforscht hat. Außerhalb Bayerns war die Verwendung von Malzersatzstoffen und anderen Zusätzen noch lange Zeit erlaubt.

Erst 1906 übernahm das Deutsche Reich für die Bierherstellung einheitlich das bayerische Reinheitsgebot. Nach dem Ersten Weltkrieg machte Bayern sogar seine Zugehörigkeit zur Weimarer Republik davon abhängig, dass das Reinheitsgebot weiterhin im gesamten Reichsgebiet gilt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es im Biersteuergesetz von 1952 bundesweit verankert. Und das soll trotz Ausnahmeregelungen einzelner Bundesländer weitgehend so bleiben.

Die Landesausstellung hat das bayerische Nationalgetränk
Jahr 2016 zum Thema

Mehr als 600 der 1.350 deutschen Brauereien stehen in Bayern. Damit nimmt der Freistaat unangefochten die Spitzenposition ein. Die größte Dichte an Sudstätten weist Oberfranken auf, wo es noch zahlreiche Hausbrauereien gibt, die ihr Selbstgebrautes in ihrer Gaststätte ausschenken. Im zu Ende gehenden Jahr wurden in Deutschland knapp 97 Millionen Hektoliter Bier gebraut, ein Viertel davon in Bayern. Im Durchschnitt trank jeder Bundesbürger 2014 rund 107 Liter Bier.

Feierlichkeiten in Bayern - ein Überblick
Das 500-jährige Bestehen des Reinheitsgebotes wird 2016 im Freistaat gebührend gefeiert. Am 21. April findet in Ingolstadt der Deutsche Brauertag statt. Tags darauf wird es einen Festakt geben. Ingolstadt als Ursprungsort des Erlasses feiert das Reinheitsgebot zum eigentlichen Jubiläum am 23. April mit einem Tag des Bieres. Aus einem Brunnen soll dann tatsächlich Bier fließen.

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Klostergarten Aldersbach mit Wiese
Die Brauerei Aldersbach in Niederbayern hat sich in einem Auswahlverfahren mit vielen Bewerbern als Ort für die Landesausstellung zum Thema Bier durchgesetzt. Kloster und Asamkirche bilden ein für die Besucher attraktives Bauensemble - und liegen überdies eingebettet in die Kulturlandschaft des Passauer Lands.
Foto: © Brauerei Aldersbach

Am 29. April öffnet im Kloster Aldersbach bei Passau die Landesausstellung "Bier in Bayern". Sie wird zeigen, wie sehr das Bier und die Wirtshauskultur zur bayerischen Lebensart gehören.

Vom 22. bis 24. Juli schließlich geht rund um den Münchner Odeonsplatz ein rauschendes Jubiläumsfestival über die Bühne. 100 bayerische Brauereien sollen ihre Biervielfalt beweisen. Der Brauerbund rechnet mit 100.000 Besuchern. Bayerns Bierkönigin Marlene Speck - selbst Hobbybrauerin - darf dabei natürlich nicht fehlen.

Quellenangabe: BR.de – Nachrichten - Niederbayern

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