Mein Coburg ist doch einzig schön

„Mein Coburg ist doch einzig schön“
Ein großartiges Erlebnis: Unterwegs mit den Coburger Stadtführern

Eine Reportage von Ulrich Göpfert

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Herzog Alfred (rechts) und Prinz Josias begrüßten die Gäste
2006 © Martin Rohm

Die Gästeführer der Stadt Coburg hatten in Eigeninitiative von Freitag, 11. August bis Sonntag, 13. August zu kostenlosen Führungen eingeladen um die vielfältige Geschichte Coburgs auf andere Art zu entdecken.

Meinen Beitrag möchte ich, mit der Überschrift über dem Mundartgedicht unseres unvergessenen Heimatdichters Georg Eckerlein – genannt der „Coborcher Schorsch“: „Mein Coburg ist doch einzig schön“…, beginnen. Aus vielen Zuschriften aus dem In- und Ausland erfahre ich immer wieder, von ehemaligen Coburgern, die aus beruflichen oder persönlichen Gründen nicht mehr hier leben können, wie stark ihre Sehnsucht nach ihrer Geburtsstadt und nach dem Flair dieser ehemaligen Residenzstadt ist. Was Wunder, wenn viele Gäste immer wieder unsere Stadt besuchen. Die Gilde der Coburger Stadtführer verstand es an diesem Wochenende ihre Gäste bei den zahlreichen Führungen in den Bann zu ziehen, die sie kostenlos und was besonders zu schätzen ist, aus eigenem Antrieb im Rahmen des Festjahres „950 Jahre Coburg“ gestaltete. Eines kann ich Ihnen, liebe Leserin und Leser, versichern, man konnte dabei viel Neues und Erstaunliches über Coburg erfahren. Dabei wurde ich zurückversetzt in den Geschichtsunterricht meiner Schulzeit, bei meinem Lehrer und verdienten Heimatforscher Andreas Stubenrauch, der es immer verstand uns Schulkindern die Heimatgeschichte lebendig, interessant und umfassend darzustellen.

Begleiten Sie nun, die Gästeführer(innen) bei ihren Führungen mit interessanten Vorträgen durch die Stadt Coburg:

 
2006 © Ulrich Göpfert

1056: Coburg verschenkt
Der Anlass des Festjahres „950 Jahre Coburg“ wurde von Richeza, Königin von Polen (Birgit Haugwitz) und einem Benediktiner Mönch (Karl Heinz Schmidt) im Grabungsmuseum unter dem Motto: „1056 – Coburg verschenkt“ in einem Dialog dargestellt.

Im Jahre 1056 hielt auf der Rheininsel Kaiserwerth – heute ein Stadtteil von Düsseldorf – der deutsche Kaiser Heinrich III. einen Hoftag ab. Auf diesem vermachte Richeza ihren umfangreichen Besitz an der Mosel dem Hauskloster ihrer Familie Brauweiler. Dem Erzstift Köln schenkte sie ihren Besitz in Coburg (Festungsberg) und Saalfeld. Dieser Besitz ging an den Erzbischof von Köln Anno II. Diese Übertragung der Güter erfolgte in Anwesenheit des Kaisers und anderer vornehmer Persönlichkeiten. Nach dem Tod Richezas gründete Erzbischof Anno ein Kloster in Saalfeld, dieses erhielt die Güter in Coburg. Im Laufe des Dialogs erfolgten Informationen über:

- die Persönlichkeit Richezas, ihre Herkunft (Vater – Pfalzgraf von Lothringen,
- Mutter – Tochter Kaiser Otto II.).
- Die Vermählung mit einem polnischen Adligen und welche Rolle der Onkel Richezas, der deutsche Kaiser Otto III. dabei spielte.
- Warum Richeza lebenslang den Titel „Königin von Polen“ führen durfte, obwohl ihr Mann diesen verlor.

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2006 © Ulrich Göpfert

Der Ort des Geschehens – das Grabungsmuseum – hier befinden sich die Grundmauern einer Kapelle aus dem 13. Jahrhundert, diese gehörte zu einer Propstei, einer Außenstelle des Klosters in Saalfeld.

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2006 © Ulrich Göpfert

Eine Stadt schützte ihre Bewohner: Die Bürger
Viel Interessantes konnte man zu diesem Thema von den Stadtführerinnen Frau Bühling und Frau Klemmt erfahren:
Coburg, vor 950 Jahren den ca. 200 Bewohnern bekannt unter dem Namen Trufalistat, schützte schon damals ihre Bewohner mit Gräben und Palisaden, deren verkohlte Reste im Westen unter dem Marktplatz im Jahr 2004 freigelegt wurden. Lange Zeit galt für unsere Vorfahren der Spruch: „Stadtluft macht frei“. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich auch Coburg, um das Jahr 1150 so genannt, vergrößerte und Anfang des 13. Jahrhunderts zu einem Ort entwickelte, für den eine stark befestigte, steinerne Stadtmauer lebenswichtig wurde. Denn Coburg lag an zwei alten Handelsstraßen, die sich hier kreuzten. Die Nord-Süd-Verbindung, Nürnberg-Erfurt und die Ost-West-Straße, Prag-Würzburg. Sie legten den Grundstein für die wirtschaftliche Blüte der Stadt. Es wurden Zölle und Geleitgelder erhoben und von den Kaufleuten gezahlt. Dies wiederum führte zu weiteren Zuzügen und die Entstehung von Vorstädten. Auch diese mussten geschützt werden und so wurde eine Zweite, so genannte äußere Stadtmauer, die in die Innere mündet, errichtet. Heute sind noch Teile dieser Mauern und drei Stadttore erhalten.

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2006 © Ulrich Göpfert


Die Kirche „St. Moriz“ (Mauritius)

Wer mit dem Stadtführer Hans-Dietrich Loew zum Treffpunkt an die Morizkirche gekommen war, konnte bei ihm vieles aus der Geschichte dieser bekannten Coburger Kirche erfahren:
Die Kirche St. Moriz steht teilweise auf noch vorhandenen romanischen Fundamenten, ist also schon nach 1200 geistliche Heimat für unsere christlichen Vorfahren. Weitere Ausbauphasen um 1320, 1420 und 1520 haben dem Gotteshaus die heutige Gestalt gebracht. Ab 1523/24 werden die Gottesdienste in der Volkssprache gefeiert, die Predigten in deutscher Sprache gehalten. Während seines halbjährlichen Aufenthalts (Mitte April bis Anfang Oktober 1530) auf der Veste Coburg hat Professor Dr. Martin Luther zu Kar- und Osterzeit sieben Mal in der Bürgerkirche gepredigt.


2006 © Ulrich Göpfert

Johann Friedrich der Mittlere von Sachsen (Wettiner) und Ehefrau Elisabeth von der Pfalz haben nach langen Jahren kaiserlicher Gefangenschaft in St. Moriz ihre irdische Ruhe gefunden. Deren Söhne Johann Casimir und Johann Ernst haben um 1596 das Alabaster-Epitaph errichten lassen, dass voller bildlicher Heilsgeschichte und Gebets-Besinnung ist. Ca. 150 Jahre zuvor ist der Bürgermeistersohn Albrecht von Bach in dieser Coburger Hauptkirche bestattet worden. Seine Rittergestalt in Stein gehauen, steht noch im Untergeschoss des südlichen Kirchturms. Die Evang.-Luth. Dekanatskirche hat außer dem großen geosteten Chor auch einen Westchor im 1. Obergeschoss: die so genannte Michaelskapelle.

„Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt“
(Psalm 26,Vers 8)

 
2006 © Ulrich Göpfert

Das Leben einer Handwerkerfamilie im 17. Jahrhundert
Einblicke gab dazu Stadtführerin Frau Thea Vilsmaier-Goslar:
Das Leben der Familien im Mittelalter war reglementiert, angefangen bei der Wohnung, den Kleidern und der Schmuckordnung. In Coburg konnte man noch vieles aus dieser Zeit erkennen.

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2006 © Ulrich Göpfert

Die Webergasse
Die Stadtführerin Frau Rita Werner erinnerte an ein altes Handwerk:
Viele Gassen Coburgs tragen auch heute noch den Namen ihrer im Mittelalter ansässigen Handwerker, so auch die Webergasse. Hier siedelten sich 1386 auf Initiative Katharinas von Henneberg zwölf Tuchmacher (Weber) vor den Toren der Stadt an. Dieser Standort war besonders günstig wegen des nahen Hahnflusses, dessen Wasser sie zum Auswaschen ihrer Rohwolle benötigten. Die Rohwolle wurde anschließend gesponnen und aus ihr ein lockeres Gewebe hergestellt. Dieses kam dann zur handwerkseigenen Walkmühle, wo das Tuch so lange gewalkt wurde, bis es verfilzte. Nach dem Trocknen und Spannen erhielt der Walkloden beim Tuchscherer den letzten Schliff. Viele Jahrhunderte hatten die Weber auf diese Art und Weise ihr Auskommen. Doch als 1822 der mechanische Webstuhl in England erfunden wurde, musste das Handwerk nach und nach der Industrialisierung weichen. Während 1827 in Coburg noch 150 Webmeister und 200 Gesellen bei 800 Einwohnern ihr Handwerk ausübten, waren es zur darauf folgenden Jahrhundertwende nur noch 9 Webmeister.

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2006 © Ulrich Göpfert

Aus dem Leben der Nachtwächter und „D´r dreizehnta Tüter vom Morizturm
Roland Schäfer ist einer der Gästeführer, der in seinem Beitrag etwas aus dem Leben der Nachtwächter und Türmer in Coburg berichtete. U. a. sehr interessant für die Teilnehmer an seinem Rundgang war die Geschichte in Coburger Mundart: „D`r dreizehnta Tüter vom Morizturm“. Wie er ausführte, sollte sich keiner einen Nachtwächter mit Hellebarde und Laterne vorstellen. Hauptsächlich stellte er den letzten Coburger Wächter vom Morizturm, den „Götz von Coburg“ vor und zwar in etwa so, wie er 1934 ausgesehen hat. Dieser versah seinen Dienst um 1919 und von 1930 bis 1945 auf dem Morizturm. Letztmals trat er zur 900-Jahrfeier Coburgs 1956 auf.

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2006 © Ulrich Göpfert

„Spiele(n) im Mittelalter“
Sonderaktion für Kinder – Treffpunkt war der Brunnen an der Morizkirche

Die Stadtführerinnen Frau Höllein und Frau Vatter gestalteten mit den Kindern diese Sonderaktion: Nicht nur für die „Großen“ sollte bei den Führungen im Jubiläumsjahr etwas geboten werden, auch die „Kleinen“ waren eingeladen zu einer Kinderspiel-Aktion unter dem Titel „Spiele(n) im Mittelalter“ Am Samstag, dem 12. August von 10.00 bis 12.30 Uhr konnten sich Kinder ab etwa drei Jahren ein paar Jahrhunderte in die Vergangenheit zurückversetzen lassen. Dazu wurde der Platz am Brunnen hinter der Morizkirche für einen Vormittag zum Spielplatz. Es waren meist einfache Dinge, Gegenstände des Alltags, die früher als Spielmittel verwendet wurden. So dienten beispielsweise Schweinsblasen, aus getrockneten Innereien hergestellt, die mit Hülsenfrüchten oder Werg gefüllt waren, als Bälle. Solche getrocknete Schweinsblasen waren an diesem Tag bei der Kinderspiel-Aktion zu bewundern. Zum Spielen wurden sich nicht benutzt, denn manche Eltern und Kinder der heutigen Zeit hätten hier doch Vorbehalte. Die Spiele, welche die Kinder an diesem Tag an der Morizkirche einmal ausprobierten, waren auch schon alt, aber nicht so „anrüchig“: Es wurden verschiedene Murmelspiele vorgestellt und jedes Kind konnte hier seine eigene Geschicklichkeit testen. Spiele mit Reifen oder Seilen konnten alleine oder in der Gruppe um die Wette gespielt werden. Reifentreiben ist ein Kinderspiel, das durch viele Abbildungen aus dem Mittelalter überliefert ist, ebenso wie ein Wettspiel, bei dem es um das Erhaschen von kleinen Brezeln ging, die an einem Faden aufgereiht waren und das daher die Bezeichnung Faden-Essen trägt.

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2006 © Ulrich Göpfert

An diesem Vormittag konnten sich die Kinder auch handwerklich betätigen, beim Basteln und Bemalen von Kronen aus Papier oder beim Gestalten einer eigenen kleinen Figur oder eines Tierchen aus Ton. Und das Schönste am Schluss: die Kinder konnten „ihre Schätze“ in einem selbst gefertigten Stoffsäckchen mit dem Abbild des „Coburger Mohren“ mit nach Hause nehmen. Dieser Samstagvormittag war ein außergewöhnlicher, erlebnisreicher Tag für die Kinder.


2006 © Ulrich Göpfert


Dichter in Coburg – Goethe, Jean Paul…
Die Ausführungen zu diesem Thema wurden von den Stadtführern, dem Ehepaar Erika und Ernst Kienel, sehr umfassend und interessant dargestellt.


2006 © Ulrich Göpfert

Coburg ist aufgrund seiner Lage als Durchgangsstadt bzw. Verkehrsknotenpunkt schon immer ein Rastplatz gewesen. Das heißt, jeder der von Nord nach Süd oder Ost nach West reiste, legte in der Residenzstadt Coburg eine Pause ein. Dies hatte zur Folge, dass alle berühmten Leute in Coburg eine längere bzw. kürzere Zeit verblieben sind. Es betrifft u.a. alle maßgeblichen Dichter und Denker. Es beginnt mit Goethe über Musäus (Legenden von Rübezahl), Jean Paul, Dr. Martin Luther, von Thümmel, Gustav Freytag, Wilhelm Raabe, Friedrich Hofmann (Verleger der „Gartenlaube“) bis zu Friedrich Rückert.

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2006 © Ulrich Göpfert

Königin Victoria – Heirat und Leben mit Albert
Großes Interesse fand dieser Beitrag von Stadtführerin Birgitt Jäckel-Beck bei den Gästen. Wie sie dazu ausführte: Die 1819 geborene Victoria sollte bald weltberühmt werden. Mit 18 Jahren bestieg sie, allerdings völlig unvorbereitet, den englischen Thron als Nachfolgerin ihres königlichen Onkels. Schließlich war sie die am längsten regierende Königin des 19. Jahrhunderts und während ihrer Amtszeit gelang es Victoria, England von der Inselnation zum kolonialen und industriellen Weltreich aufsteigen zu lassen. Noch heute spricht man vom „Victorianischen Zeitalter“.

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2006 © Ulrich Göpfert

Mitgetragen hatte aber zweifellos diese Entwicklung der aus dem Hause Sachsen-Coburg-Gotha stammende Gemahl Victorias, Prinz Albert. Beide waren miteinander verwandt, Cousin und Cousine. Von Seiten der Mutter der englischen Queen floss schon „Coburger Blut“ in ihren Adern, denn Victoire war eine Coburger Prinzessin und in zweiter Ehe mit dem Herzog von Kent verheiratet.

1840 fand in London die Vermählung Victorias und Alberts statt und innerhalb nur weniger Jahre bekam das Paar neun Kinder, die im heiratsfähigen Alter wiederum mit dem europäischen Hochadel liiert wurden. Auf Grund dieser Heiratspolitik wurde das kleine aber feine Herzogtum sehr berühmt, europäisch, international.

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2006 © Ulrich Göpfert

Königin Victoria besuchte, auch nach dem frühen Tod ihres geliebten Albert, sieben Mal das Coburger Land. Es ist höchst interessant zu erfahren, was diese Frau, deren Leben auch von dramatischen Ereignissen, Schicksalsschlägen und Krisen geprägt war, in Coburg erlebte, welche Einblicke sie u.a. in ihr Privatleben gab. So viel sei verraten (und darauf kann Coburg heute noch stolz sein): Victoria sagte einmal, wenn sie nicht Königin wäre, hätte sie gerne in Coburg gelebt! Gibt es ein schöneres Kompliment?

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2006 © Ulrich Göpfert

„Walzerseligkeit und Hochzeitsmarsch“
Wer etwas über den Walzerkönig Johann Strauss Sohn, der zum Coburger Bürger wurde und seine Heirat mit seiner dritten Frau Adele in Erfahrung bringen wollte, wurde vom Gästeführer Günter Primke umfassend unterrichtet:

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2006 Repro: Ulrich Göpfert

Der damals bereits 62jährige Johann Strauss hat am 15. August 1887 nur hier in Coburg, im damaligen Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha, die 31jährige Witwe Adele, geb. Deutsch als 3. Ehefrau heiraten können. Dies wiederum nur unter Mithilfe des seinerzeitigen Landesherrn Herzog Ernst II., der als liberaler Fürst und zugleich Theaterfreund mit künstlerischen Ambitionen den Wunsch von Johann Strauss, weltweit beachtet, in Erfüllung gehen ließ. Die „Irrungen und Wirrungen“ bis zur Erfüllung dieses Eheglücks des als „Verdi der Operette“ bezeichneten Künstlers – gewürzt mit lustigen Histörchen – wurden an diesem Nachmittag dargestellt. Coburg darf sich zu Recht als „Einzige deutsche Johann Strauss Stadt“ bezeichnen! (autorisiert durch den Urgroßneffen des „Walzerkönigs“, Dr. Eduard Strauss, wohnhaft in Wien, und hier auch bestens bekannt als Moderator der jährlichen Neujahrskonzerte am 6. Januar im Kongresshaus). Die seit 1992 in Coburg veranstalteten „Johann Strauss Musiktage“, kombiniert mit dem Gesangswettbewerb „Alexander Girardi“, zählen weltweit zu den renommiertesten ihrer Art, vielleicht auch deshalb, weil die anreisenden jungen Künstler in den Fächern Oper und Operette ihr Können beweisen müssen. Zudem sind auch die Preisgelder immens hoch im internationalen Vergleich!


2006 © Ulrich Göpfert

Johann Strauss Sohn, diesem „Musikgenie“ gelang es im 19. Jahrhundert, mit seinen berühmt gewordenen Werken, u.a. den Walzern 1867 „An der schönen blauen Donau“, op. 314 bzw. 1889 „Kaiser Walzer“, op. 437 oder den Operetten 1874 „Die Fledermaus“ bzw. 1886 „Der Zigeunerbaron“ und sonstigen Märschen, Polkas etc., alle Menschen in Entzücken zu versetzen, eine Tatsache, die gerade in heutiger Zeit in vielen „Musentempeln“ hierzulande notwendiger denn je erscheint...!

Die „Musikstadt Wien“ hat sich bis heute mit der Tatsache, dass Johann Strauss Sohn als „Coburger Bürger“ am 3. Juni 1899 in Wien gestorben ist, nicht ausgesöhnt! „Strauss“ ein Bürger von Sachsen-Coburg und Gotha! Das klingt unvorstellbar, fast grotesk, wie ein Opernstoff. Was London, Paris, Berlin nie vermocht hätten, das fiel der kleinen deutschen Residenzstadt Coburg in den Schoß. Man wird es also den Coburgern nicht übel nehmen können, wenn sie endlich daran gehen, dem weltberühmten gefeierten „Walzerkönig“ in ihrer Heimatstadt den Platz einräumen, den er verdient...! (Wiener Musikforscher Prof. Dr. Kurt Pahlen) Dieses für die Stadt Coburg „einmalige Faustpfand“ touristisch gesehen mehr als bisher bekannt zu machen und das Interesse bei bisher noch abseits stehenden Personen des Umlands oder auch darüber hinaus gehend zu erwecken, ist eine überaus lohnende Aufgabe. Wie formulierte doch der chinesische Philosoph Konfuzius (551 – 479 v. Chr. so treffend:

„Musik veredelt das Gemüt des Menschen, es öffnet ihm sein Herz“

 

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2006 © Ulrich Göpfert

Das Leben einer jüdischen Familie im Mittelalter in der Pflege Coburg
Die Stadtführerin Frau Vilsmaier-Goslar gab umfassend Einblick in das Leben einer jüdischen Familie im Mittelalter. Die Gäste bei dieser Führung wurden an Orte in Coburg geführt, wo sich Mikwe (jüdisches Bad) und Kahal (jüdische Gemeinde) sowie Friedhof, Schule und Synagoge früher befanden.

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2006 © Ulrich Göpfert

Dorle Reukauf-Jacob – Eine Coburger Künstlerin
Interessantes aus dem Leben dieser Künstlerin konnte man von den Stadtführerinnen Frau Engel und Frau Hülsz erfahren.

 
2006 © Ulrich Göpfert

Die Künstlerin wurde am 12. Mai 1903 hier in Coburg im Haus Markt 14 geboren. Bereits mit 3 Jahren begann sie zu malen. Über die Zeichnungen der Zehnjährigen, die in einer Ausstellung des Kunstvereins Coburg ausgestellt waren, schrieb die Kritik damals, dass sie „uns ein beredtes Zeugnis von der überaus schlagfertigen Auffassungsgabe und naiven Gestaltungskraft einer begnadeten Kinderseele geben“.


Der Sohn von Dorle Reukauf-Jacob, Wolf Reukauf, stellt einen Scherenschnitt seiner Mutter vor
2006 © Ulrich Göpfert

Vor allem in den 20er Jahren machte sich Frau Reukauf einen Namen mit Scherenschnitten. Veröffentlicht wurden ihre Arbeiten u.a. in der „Gartenlaube“, auf „Mauxion-Schokolade-Verpackungen und in den Bänden des Coburger Mundartdichters Georg Eckerlein. Zu ihrem ersten und wichtigsten Förderer wurde in dieser Zeit der bekannte Berliner Maler und Zeichner Heinrich Zille. Seinem Rat folgend, entwickelte Frau Dorle Reukauf-Jacob ihr künstlerisches Talent autodidaktisch.

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2006 © Ulrich Göpfert

Unbekannte, berühmte Coburger?
In der ehemaligen Hauptstadt des Herzogtums wird sehr viel von den ehemaligen Regenten und deren Familien gesprochen und sehr wenig von anderen bemerkenswerten Menschen. Auf ganz unterschiedlichen Gebieten haben Coburgerinnen und Coburger Bedeutung erlangt!

Ihre Lebenswege sind viel zu interessant, um in Vergessenheit zu geraten. Bei einem kurzen Rundgang – Ausgangspunkt war der Brunnen am Parkhaus Mauer – erinnerte Stadtführer Wolfgang Schneider an einige dieser Persönlichkeiten und man konnte dabei Interessantes über ihr Wirken (z.B. Morgenthau, von Stockmar, Anna B. Eckstein oder Probst) in Erfahrung bringen.


2006 © Ulrich Göpfert

Die vermutlich erste Ich-AG in Coburg: Das Leben des „Gurken-Alex“ in all seiner Bescheidenheit und seinem zähen Fleiß, gebunden an seine Heimatstadt Coburg.
Stadtführer Werner Kulmai gab Auskunft über ein „Coburger Original“, dem Gurken-Alex. Wie er berichtete: war der „Gurken-Alex“ eine in Stadt und Land bekannte Person.


2006 © Ulrich Göpfert

Ein Geschäftsmann, dieser Ausdruck wäre übertrieben, aber trotzdem kann und muss man ihn so bezeichnen. Das ambulante Gewerbe war sein Geschäftsfeld, bei dem es nicht möglich war, Reichtümer zu verdienen. Nicht um „viel“ ist es ihm gegangen, sondern, wenn die Einkünfte auch bescheiden waren, hat er für sich und seine alte Mutter seinen Broterwerb selbst bestritten.


2006 © Ulrich Göpfert

Das war früher, als er lebte noch eine Ehre. Pfennig zu Pfennig zusammen zu legen, das war sein Prinzip. Sicher hat ihm dabei oftmals sein ihm eigener Humor über Hindernisse hinweg geholfen. Er hatte in seinem Leben Erfolg und Misserfolg alleine zu tragen und darum kann man ihn, mit dem heutigen Wortschatz, wohl als die erste „Ich-AG“ in Coburg bezeichnen.


2006 © Ulrich Göpfert

Historismus/Jugendstil in Coburg
Dieses Thema wurde anschaulich und ausführlich von Stadtführer Ernst Kienel behandelt:
Historismus ist in Coburg der maßgeblichste Baustil, der die Stadt bis heute prägt. Von Klassizismus bis zum Jugendstil gibt es in Coburg eine breite Palette an unverändert erhaltenen Bauwerken.

An dieser Stelle meinen herzlichen Dank an Frau Heike Dressel vom TCC Tourismus & Congress Service Coburg, an Frau Birgitt Jäckel-Beck, der 2.Vorsitzenden der Stadtführer-Gilde Coburg und natürlich an alle Stadtführerinnen und –führer für die Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung meiner Reportage.

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