Tanzsignale 2012 aus Wien

Tanzsignale 2012 aus Wien
Donnerstag 15. bis Sonntag 18. März 2012

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Thema:
"Das Leben ein Tanz oder DER TANZ EIN LEBEN"
nach dem Walzer op. 49 von Johann Strauss (Vater)

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Norbert Rubey
Foto:  privat

Von Norbert Rubey
In allen Kulturen findet sich Tanz als Ausdruck von Leben. Tanz als rhythmisch periodische Bewegung kann den Menschen aus dem Alltag in ein „überalltägliches Dasein“ versetzen und zugleich Erregung auslösen.

„Mach kane Tanz“ oder „Drah kane Tanz“, lautet eine verbreitete Redewendung im Wiener Dialekt, die rät, „Rege dich nicht auf“ bzw. auch „Begehe in der Aufregung keine Dummheit“. Abgesehen davon ist das Leben allerdings von Aufregungen – wienerisch „Tanz“ – begleitet. Wiewohl ein Tanz zwar ebenfalls, jedoch positiv erregt, lässt er die Unannehmlichkeiten des Lebens sehr schnell vergessen. Vive la danse! [= Es lebe der Tanz] titelt Johann Strauss (Vater) deshalb seine im Juli 1831 uraufgeführten Walzer op. 47.

Heiter auch in ernster Zeit nennen er und sein Wiener Musikverleger Tobias Haslinger vor dem Hintergrund einer sich nach Wien ausbreitenden Cholera-Epidemie im Spätsommer 1831 die neuesten Walzer op. 48, erstmals erklungen am 24. August bei einem Fest unter dem die Realität verdrängenden Motto „Wien wie es ist, ein Zauberreich für Musik und Frohsinn“. Drei Monate später waren der Seuche über 2000 Menschen erlegen, aber beim „Großen Katharinen-Ballfest“ am 23. November 1831 führt Johann Strauss (Vater) wieder neue Walzer auf, op. 49. Nun erhalten sie den Titel Das Leben ein Tanz, oder: DER TANZ EIN LEBEN! Der Witz dieses Wortspiels resultiert aus der doppelten Bedeutung des Begriffes Tanz, zunächst jener das Wiener Idiom aufgreifenden, der zufolge das Leben aus Aufregung und Unannehmlichkeiten – „Tanz“ – besteht, und dann der anderen, durch Versalien hervorgehobenen, die den Tanz als für das Leben wesentlich und erbauend sieht. Spricht daraus eine Mischung aus pathetischem Ernst und philosophischer Komik, oder ist es das Rezept einer patenten Lebenshaltung, „Glücklich ist, wer vergisst, was nicht zu ändern ist“?

Wie sehen die Bezüge zwischen dem Tanz als musikalischer Form aber auch als Bewegungsmodell und dem Leben der Menschen in Wien vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart in kultureller, geistiger, materieller, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht aus? Welche Wechselwirkungen zwischen Tanz und Gesellschaft lassen sich beobachten? Der Walzer eine Weltanschauung? Das Leben ein Galopp bis zu Ekstase und Exzess? Oder verschwimmen Tanz und Leben wie Traum und Wirklichkeit ineinander, vorgeführt in La vida es sueño [= Das Leben ein Traum] (1635) von Calderón de la Barca bzw. in Franz Grillparzers Ableitung Der Traum ein Leben (1834), drei Jahre nach Strauss’ genialem Walzertitel?

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Programm

Tanz-Signale 2012
benannt nach dem Walzer op. 218 von Johann Strauss (Vater)
schon zum neunten Mal in Folge!

„Das Leben ein Tanz“ oder „DER TANZ EIN LEBEN“
Walzer op. 49 von Johann Strauss (Vater)


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Dr. Eduard Strauss
Foto:  privat

Donnerstag, 15. März 2012

19.00 Uhr

Wiener Rathaus, Festsaal, Feststiege I, Wien 1., Lichtenfelsgasse 2

Wiener Vorlesung

Geselligkeit – Geschwindigkeit – Lebensgefühl

Tanz als Taktgeber des Lebens

Gernot Gruber, Heidemarie Uhl

Statements: Eduard Strauss, Norbert Rubey

Musik: „Das Wiener Gemüths- Ensemble“ – benannt nach dem „Wiener Gemüths-Walzer“ op. 116 von Johann Strauss (Vater)

Eintritt frei

Symposion (16. – 17. März 2012)

in Kooperation mit dem Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien und mit Unterstützung der Wissenschafts- und Forschungsförderung der Stadt Wien, sowie SPAR Österreich und BRAU UNION Österreich AG (Erfrischung und Stärkung in den Pausen des Symposions)

Eintritt frei

Freitag, 16. März 2012

Großer Hörsaal des Instituts für Musikwissenschaft der Universität Wien
Universitätscampus Altes AKH / Hof IX
Eingang: Wien 9., Garnisongasse 13

14.00 Uhr Eröffnung

- Birgit Lodes (Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien)

- Hubert Christian Ehalt (Wissenschaftsförderung der Stadt Wien)

- Eduard Strauss (Wiener Institut für Strauss-Forschung)

- Norbert Rubey (Wienbibliothek im Rathaus, MA 9)

- Thomas Aigner (Wienbibliothek im Rathaus, MA 9) Präsentation von „Strauss online“

14.45 Uhr Kaffee-Pause

15.00 Uhr Norbert Rubey (Wien)

„Ohne Tanz kein Leben“

15.30 Uhr Isabella Sommer (Wien)

Valse Boston – ein langsamer Walzer kehrt zurück nach Europa

16.00 Marko Motnik (Wien)

„Wien ohne Tanzen? Ganz undenkbar!“ Paula von Bülows Lebenserinnerungen als tanzhistorische Quelle

16.30 Uhr  Kaffee-Pause

17.00 Uhr Ernst Weber (Wien)

„Weana Tanz“ zwischen Ländler und Walzer – Die Vortragskunst der Wiener Volksmusikanten des 19. Jahrhunderts

17.30 Uhr Norbert Linke (Borken)

Walzertanzen als Droge

18.00 Uhr Ingomar Rainer (Wien)

Die Quadrille des 19. Jahrhunderts – aktualisierter Gesellschaftstanz?

18.45 Uhr Abfahrt eines Zubringerbusses der Wiener Lokalbahnen Verkehrsdienste GmbH
von der Garnisongasse 13 zum Clublokal des „Tanzsportclub Aktiv“ Wien 21., Großjedlersdorf Ende Carrogasse,

Die Fahrtkosten trägt das WISF; verbindliche Anmeldung für die Busfahrt jedoch bis Dienstag 13. März 2011 erforderlich per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder telefonisch unter (0043 1) 595 54 00 (Anrufbeantworter)

ca. 19.15 Uhr  Eintreffen der Workshop-Teilnehmer;

Kleines Buffet

20.00 Uhr

Clublokal des „Tanzsportclub Aktiv“ Wien 21., Großjedlersdorf Ende Carrogasse

Tanz-Workshop

Maria Reichmann und Norbert Rubey

Der Walzer in Wien – Gesellschaftstanz oder Ballett? Neues zum Neujahrskonzert

Mit Audio- und Videobeispielen und einer Live-Show wird die musikimmanente tänzerische Interpretation des Wiener Walzers in Theorie und Praxis demonstriert.

Eintritt frei, Spenden erbeten

Nach dem Workshop ist beim Weingut & Heurigen Christ, Wien 21. (Jedlersdorf), Amtsstraße 10-14 (Tel 42 1 292 51 52; www.weingut-christ.at) – vom Clublokal in ca. 10 Minuten zu Fuß erreichbar – für die Teilnehmer reserviert. (Pläne werden aufliegen) Konsumation auf eigene Kosten.

Rückfahrt individuell; die Straßenbahnlinie 31 fährt bis 1 Uhr 12; U-Bahnen die ganze Nacht!

Samstag, 17. März 2012

Großer Hörsaal des Instituts für Musikwissenschaft der Universität Wien
Universitätscampus Altes AKH / Hof IX
Eingang: Wien 9., Garnisongasse 13

09.30 Uhr Helmut Reichenauer (Wien)

"STRAUSSOMANIE - Flucht in geträumte Wirklichkeiten“ Wiener Tanzkultur des Biedermeier als Motor sozialer Befindlichkeit im 19.Jahrhundert

10.00 Uhr Reingard Witzmann (Wien)

Von der „Bewegtheit“ zur „Bewegungsform“

10.30  Uhr Susanne Schöner (Wien)

Der Wiener Ball – ein Erbe unserer Kultur aus der Sicht einer Organisatorin

11.00 Uhr Kaffee-Pause

11.30 Uhr Doris Bach (Wien)

Die Psychologie des Tanzes

12.00 Uhr Maria Blahous (Wien)

Die Pädagogik des Tanzes in den unterschiedlichen Tanzrichtungen (Tanzstilen) der heutigen Zeit

12.30 Uhr Ferdinando Chefalo (Wien)

Dancing Stars – eine Entdeckungsreise

13.00 Uhr Pause mit Brötchen

13.30 Uhr Wolfgang Stanicek (Wien)

Der (Eier-)Tanz um die Tantiemen. Die Sträusse, die Tantiemen und die AKM

14.00 Uhr Otto Brusatti (Wien)

Warum stagniert die Strauss-Forschung?

(Eine Parabel für die Musikwissenschaft an sich)

Konzert
19.30 Uhr
Barocksaal des alten Rathauses, Wien 1., Wipplingerstraße 8

Tänze von Johannes Brahms, Johann Strauss (Vater und Sohn) Benny Andersson/Björn Ulvaeus (ABBA), Richard O'Brien und Ernst Toch

Chorvereinigung Schola Cantorum mit Nachwuchsensemble

Dirigenten: Wolfgang Bruneder und Kurt Martin Herbst

Klavier: Carol Dodge-Klaus und Petra Greiner-Pawlik,

Sopran: Maria: Szepesi

Moderation: „Flo und Wisch“ (Florian Röhlich und David Krammer)

Karten: EUR 15,- Abendkassa oder Kartenreservierung unter der Tel.-Nr. 369 85 87 - Weyr-Rauch

vergünstigter Vorverkauf: EUR 12,-- ausschließlich beim Symposion!

Sonntag, 18. März 2012

Ausklang

11.00 Uhr
Heuriger Hengl-Haselbrunner Wien 19; Iglasseegasse 10, Tel.: 01/ 320 33 30 www.hengl-haselbrunner.at

Matinee der Neuen Wiener ConcertSchrammeln

Eintritt EUR 15,-- Reservierung empfohlen

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