Der Einfluss der Hanse

"Der Einfluss der Hanse“
Der Einfluss der Hanse beruhte auf dem Handelsmonopol, dem Vorrecht, Waren im Nord- und Ostseeraum nur durch hanseatische Kaufleute transportieren und vertreiben zu lassen...


Hafenbild Hamburg ( Miniatur aus der Hamburger Rechtshandschrift, 1497)

Mittelpunkt des hansischen Wirtschaftslebens war der Hafen. Rechts werden mit einem Kran Fässer in Boote verladen, welche sie zu den draußen vor Anker liegenden Schiffen bringen. Links ist das Zollhaus mit dem Torschreiber zu sehen, davor steht eine Gruppe von Kaufleuten und Seeleuten im Gespräch.

Die Entwicklung der Hanse

Der mittelalterliche Staat war ein Personenverbandstaat ohne straffe Regierung, Gesetzgebung und Verwaltung. Viele Städte im Reich waren praktisch selbständig. Ihren wirtschaftlichen Wohlstand im späten Mittelalter verdankten sie nicht zuletzt ihren fleißigen und gut organisierten Handwerkern und Kaufleuten. Um gegen Raubritter und andere räuberischen Überfälle einen besseren Schutz zu gewährleisten, schlossen sich bereits im 12. Jahrhundert Kaufleute zu Fahrtgenossenschaften zusammen. Die berühmteste und dauerhafteste davon war die Hanse. Das alte germanische Wort "Hanse" bedeutet soviel wie "bewaffnete Schar". Die Mitglieder der Hanse sicherten sich gegenseitig Geleit zu und schützten ihre langen Wagenzüge zusätzlich durch bewaffnete Söldner.

Hansisches Siegel
Das Siegel von Stralsund (links) zeigt das Bild einer "Hansekogge" mit den typischen Kennzeichen; einmastig, breitbauchig und daher für den Lastentransport geeignet, vorne und hinten mit einem kleinen Aufbau für Verteidigungszwecke versehen. Aus dem Bund der Kaufleute heraus entwickelte sich bald der "Bund der Städte", eine Hanse aus sich selbst verwaltenden, freien Reichsstädten, die sich für den Schutz des Handels im Ausland, für sichere Seewege und Landstraßen sowie für eine Ermäßigung der Zölle einsetzte. Aus gemeinsamen Interessen und gemeinsamen Handeln entstand so - ohne dass sie jemals richtig gegründet worden wäre - die "Deutsche Hanse".

In der Nord- und Ostsee besaß sie ein Handelsmonopol, besorgte allein den Zwischenhandel nach Rußland, Skandinavien und England, wo sich ein eigener Fernhandel noch nicht ausgebildet hatte. Deutsche Kaufleute errichteten an bedeutenden Handelsplätzen im Ausland Niederlassungen, so genannte Kontore. Wichtige Hansestädte an der Ost- und an der Nordsee; insgesamt waren es ca. 200 Städte unter der Führung Lübecks, die von 1200 bis 1500 den nordeuropäischen Handel beherrschten. Darunter waren auch viele Binnenstädte, welche auf den Verkehr mit den Küstenstädten angewiesen waren (z. B. Köln).

Hanseschiff
Das Repro zeigt eine Weiterentwicklung der Hansekogge, die "Caravelle"; ein dreimastiges Schiff mit geräumigen Mastkörben, von denen aus Angreifer bekämpft werden können.

Die Hanse - Mittler zwischen Ost und West
Durch die Erschließung des Ostseeraumes (Ostkolonisation Deutscher Ordensstaat) entstand die große Ost-West-Straße des nordeuropäischen Handels, die sich vom finnischen Meerbusen über die holsteinische Landenge bis an die Rheinmündung zog. Deutsche Kaufleute organisierten sich bereits im 11. Jahrhundert im Ausland zu einzelnen Hansen: Die Kölner Kaufleute in London, etwas später norddeutsche Kaufleute in Bergen. Wichtige Ziele dieser Gemeinschaften: Rechtsschutz, Handelsfreiheit, gemeinsame Münzen, Gewichte und Maße.

Was in der Heimat selten gelang, geschah in der Ferne: Die Konkurrenzangst wurde überwunden, und gemeinsames Handeln stand im Mittelpunkt. Ein wichtiger Schritt auf dem Wege zur Städtehanse war die Gründung der Gilde der "geeinten Gotlandfahrer des Römischen Reiches" im 12. Jahrhundert. Diese Gemeinschaft aus Lübecker, Dortmunder, Bremer, Soester und Kölner Kaufleute erneuerte einen wohl schon von Heinrich dem Löwen geschlossenen Handelsvertrag mit Nowgorod, dem Hauptstapelplatz für den Handel mit Rußland. Alles was die Wälder und Steppen, dieses riesigen Raumes boten, wurde hierher geliefert: Pelzwerk, Wachs, Tierhäute, Talg und Fett. Die Überschüsse wurden in Wisby auf Gotland gelagert, dem Stützpunkt der Ostseefahrer.

 
Stalhof-Kaufmann
Georg Gisze, Gemälde von Hans Holbein d. J. Der Kaufmann gegen Ende des Mittelalters besaß für seinen ausgedehnten Schriftverkehr und sein Geschäftswesen meist schon einen Kontoraum im Haus 

Aber die Hansekaufleute konnten die vielfältigen Aufgaben und die zunehmenden Konflikte allein nicht mehr lösen. 1241 schlossen die Städte Lübeck und Hamburg einen Vertrag. "Wenn Straßenräuber und andere schlechte Menschen gegen uns vorgehen, dann werden der Aufwand und die Kosten, die zur Vernichtung und Ausrottung dieser Räuber nötig sind, von uns gegenseitig zu gleichen Teilen getragen".


Blick vom Hafen zur Stadt Stralsund

 
Der Hafen von Stralsund


Der Markt zu Lübeck (Kupferstich)

Während der Fernhandel im Kaufmannshaus oder am Hafen abgewickelt wurde, war der Markt im Mittelalter das Zentrum für Kleinhandel und Handwerk. Reval schrieb 1259 an Lübeck: "Wir gehören zusammen wie die Arme des Gekreuzigten" - ausgestreckt über die Ostsee. 1293 ging die Leitung des Nowgoroder Petershofes an Lübeck. Die Stadt an der Trave entwickelte sich schon bald nach ihrer zweiten Gründung 1158 durch eine günstige Lage zum Hauptumschlagsplatz des Ostseehandels. 1299 wurde der Gotländer Genossenschaft das Siegel von den Städten entzogen.

Die Einigung der Städte hatte damit die Genossenschaft der reisenden Kaufleute abgelöst. Aus der Kaufmannshanse war die deutsche Städtehanse geworden. Ihre Ziele: Vorherrschaft des Handels im Nord- und Ostseeraum; Verdrängung fremder Kaufleute aus diesem Raum; Gegenseitige Hilfestellung unter Einschluss des Handelskrieges.

Wie energisch die Hanse zur Durchsetzung ihrer Ziele im Ausland auftrat, verdeutlichen folgenden Maßnahmen:
1277 Handelssperre gegen Nowgorod,
1280 Auseinandersetzung mit Brügge,
1284 Handelsblockade gegen Bergen,
1307 Auseinandersetzung mit Brügge,
1334 Sonderprivilegien durch den englischen König,
1358 Handelsblockade gegen Flandern
1367 - 1370 Krieg gegen den dänischen König

Die Siege verlockten die Hanse nicht zu machtpolitischen Zielen, zur Eroberung von Land, es ging ihr immer nur um die Sicherung ihrer Handelsvormacht. Die Hansekaufleute der Frühzeit dachten und handelten in weiträumigen und grenzüberschreitenden Zusammenhängen. Nordeuropa wurde durch sie "nicht nur beherrscht und ausgebeutet, sondern wirtschaftlich-kulturell verbunden und erschlossen", die Hanse regte zu erhöhter Produktion an.


Rathaus und Nikolaikirche zu Stralsund

Das Rathaus mit der spätgotischen Fassade aus glasierten Ziegeln zeugt von der hansischen Blütezeit der Stadt, die nach Lübeck lange die wohlhabendste und mächtigste unter den wendischen Städten war. Unmittelbar neben Markt und Rathaus liegt auch hier die Hauptkirche mit wuchtigen, jedoch durch viele Fenster festlich wirkenden Türmen.


Innenaufnahmen von der Nikolaikirche in Stralsund

Das erklärt wohl auch dass erstaunlich lange Bestehen der Hanse, einer Zeitspanne, die bisher von keiner anderen europäischen Wirtschaftsorganisation erreicht wurde.

 

Andere Städte wie Wismar, Rostock, Stralsund folgten, wenn auch unter fördernder Mitwirkung der Landesherren. Dadurch wurde das Hinterland mit seinen großen Getreidevorkommen an den Ostseehandel angeschlossen.

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