Coburger Vogelschießen 2015

"Coburger Vogelschießen“ -"Die Schützen zieh`n aus“
Dieses traditionelle Schützen- und Volksfest findet im diesem Jahr
vom 31. Juli bis 09. August auf dem Ketschenanger in Coburg statt

 
"Der Process und Abzueg des Fürstl. Sachs. Coburgischen Schiessens“ gehalten Anno 1597

Die Abbildung zeigt das Faltblatt zu acht Teilungen
Gezeigt wird der große Festzug zum Abschluss des Schießens, der gerade am Regierungsgebäude (heutiges Stadthaus am Marktplatz) vorbeikommt. Bei den von 1597 bis 1617 abgehaltenen Schießwettbewerben handelt es sich um Stahlschießen, also Schießen mit Stahlbogenarmbrust. Auf dem Bild voran marschiert eine Kapelle von drei Trompetern, einem Trommler und zwei Pfeifern. Es folgen die namentlich genannten Schützen, wobei der mittlere in der ersten Dreiergruppe die silberne Schützenkanne trägt. Kilian Bürstenbinder, der mittlere der zweiten Dreiergruppe, ist Schützenkönig und hat als ehrendes Attribut die Königskette mit dem "silbernen Vogel“ um den Hals.

Alle Männer führen ihre Ehrenfahnen, die so genannten "Ritter-, Kranz- und Gewinnfahnen", mit, die in den verschiedenen Disziplinen verliehen wurden. An zehnter Position marschiert der letzte Schütze in der Wertung: Er hat eine Sau gewonnen, die ihm in einem Koben hinterher getragen wird. An 14. Position dagegen kommen zwei Schützen, die überhaupt nichts gewonnen haben. Sie werden mit Spott bedacht: "Gewunnen nichts, waren nur Fehler. Ein Sackpfeifer und ein fröhlicher Schalmeibläser beschließen den Zug.

Coburg
Ausrichter dieses Schützen- und Volksfestes ist die Coburger Schützengesellschaft von 1354 e.V. Sie ist Bewahrer einer langen Tradition, die bis heute weitergeführt wird. Im 16. und 17. Jahrhundert stand überall in Franken, Sachsen und Thüringen das Schützenwesen in hoher Blüte. Ursprünglich war es als Teil der "Wehrhaftmachung“ der Bürgerschaft entstanden. Neben dem Fechten trainierten der Adel und die gehobenen Stände vor allem das Schießen mit der Armbrust ("Stahlschießen“), später mit der Büchse. Aus diesen zunächst rein militärisch ausgerichteten Übungen entwickelte sich bald das sportliche Schießen, bei dem, ähnlich wie heute, Freude am Wettkampf und gesellschaftlicher Aspekte im Vordergrund standen.

Man schoss vornehmlich auf reich dekorierte, handgemalte Scheiben, die von den Schützen selbst gestiftet wurden. Die Motive auf den Scheiben standen in Beziehung zum jeweiligen Stifter. Sie zeigten zum Beispiel dessen Wappen, die Symbole seines Berufs, auch allegorische und satirische Darstellungen seiner Vorlieben und Eigenheiten.


Herzog Johann Casimir, hier ist er als
Schütze mit der Armbrust porträtiert

Die "löbliche Schützengesellschaft zu Coburg“ war in hohem Maße auf die Person des Herzog Johann Casimir fixiert. Als einziger war der Herzog bei allen Schießen anwesend. Er war offensichtlich der Veranstalter der höfischen Schützentreffen, die mit jenen der bürgerlichen "Schützengesellschaft“ nur am Rande etwas zu tun hatten. Angestellte des Hofes gehörten ebenso zu diesem elitären Kreis wie wichtige Handwerker (Büchsenmacher, Sporner, Sattler) sowie auswärtige Adlige und Gelehrte. Zu Schießwettbewerben wurden Schützen aus dem gesamten Umland, wie der Herzog von Sachsen oder auch der Bischof von Würzburg, eingeladen. Herzog Johann Casimir wies dem Schießsport große Bedeutung zu, die sich auch daran ermessen lässt, dass die höchsten Hofbeamten an den Schießen teilnahmen.


Christoff Hunndt von Wenckheim

Wie sein Vorgesetzter am Hof, Hofmarschall Gottfahrt, war auch Hofmeister Christoff Hunndt von Wenckheim ein Anhänger des Schießsportes. Hof und Stadt, Adel und Bürger trafen sich zu verschiedensten Schießen, die oft auch der Herzog veranstaltete, entweder in der neu gebauten Stahlschießhütte oder auf dem Schießanger im Freien. Nach genau ausgeschriebenen Regeln wurden die Wettkämpfe veranstaltet und Preise verteilt. Hunndt von Wenckheim schoss zwei Mal das beste Ergebnis und erwarb damit den Hauptgewinn, sowohl beim Vogel- als auch beim Scheibenschießen, der zumeist aus einem mit einem Tuch bedeckten Ochsen bestand.

Der Hofmeister Johann Casimirs, Christoff Hunndt von Wenckheim, war von der Position eines Stallmeisters und damit Vorsteher des fürstlichen Marstalls innerhalb von drei Jahren zum Hofmeister und Rat aufgestiegen. Damit nahm er die zweite Stelle in der fürstlichen Hofhaltung ein. Seiner Bedeutung entsprechend, saß er bei den Mahlzeiten an der Fürstentafel direkt neben dem Herzog Johann Casimir, zu dessen engsten Berater er gehörte. Zusätzlich zu seiner Tätigkeit am Hof war er auch bis 1618 im Ratsdienst tätig, so dass hier eine Überschneidung von Politik und Hofleben feststellbar ist.

Bei dem von der Schützengesellschaft veranstalteten "Vogelschießen“ wurde derjenige Schützenkönig, der den Vogel von der Stange schoss. Später wurde in einem besonderen Schießen auf die "Königsscheibe“ der Schützenkönig mit dem besten Schuss zum Schützenkönig gekrönt. Früher, wie heute noch, hat der Schützenkönig das Recht, bis zum nächsten Königsschießen die Königskette zu tragen. Leider kommt er aber heute nicht mehr in den Genuss, wie früher üblich, von der Zahlung der Steuern und Abgaben für diese Zeit entbunden zu sein.

  
Königskette und Traditionsfahne

Neben der Königskette der Coburger Schützen von 1741 spielt die Traditionsfahne von 1715 bei Versammlungen und Schützentreffen eine wichtige Rolle. Sie wird neben neueren Fahnen noch heute bei besonderen Anlässen benutzt. Alljährlich wird diese Traditionsfahne beim Schützenauszug am Vogelschießen mitgeführt. Die Übergabe an die Schützen erfolgt am Sonntagvormittag im Rathaus durch den Oberbürgermeister im feierlichen Rahmen unter Abspielung des "Josias-Marsches“. Die Traditionsfahne ist eigentlich eine Standarte, da sie für das Ausziehen zu Pferde konzipiert wurde, eine Tradition die in Coburg bis 1840 bestand.

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