Coburger Vogelschiessen

Coburger Vogelschießen vom 28. Juli - 06. August 2006
Das traditionsreiche Schützenfest steht dieses Jahr im Zeichen des Stadtjubiläums und zählt sicherlich zu den Highlights des Festsommers 2006

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Schützenauszug am ersten Festsonntag – Abholung der Traditionsfahne im Rathaus

2006 © Ulrich Göpfert

Coburg
Ausrichter dieses Schützen- und Volksfestes ist die Coburger Schützengesellschaft von 1354 e.V. Sie ist Bewahrer einer langen Tradition, die bis heute weitergeführt wird. Im 16. und 17. Jahrhundert stand überall in Franken, Sachsen und Thüringen das Schützenwesen in hoher Blüte. Ursprünglich war es als Teil der "Wehrhaftmachung“ der Bürgerschaft entstanden. Neben dem Fechten trainierten der Adel und die gehobenen Stände vor allem das Schießen mit der Armbrust ("Stahlschießen“), später mit der Büchse. Aus diesen zunächst rein militärisch ausgerichteten Übungen entwickelte sich bald das sportliche Schießen, bei dem, ähnlich wie heute, Freude am Wettkampf und gesellschaftlicher Aspekte im Vordergrund standen.

Man schoss vornehmlich auf reich dekorierte, handgemalte Scheiben, die von den Schützen selbst gestiftet wurden. Die Motive auf den Scheiben standen in Beziehung zum jeweiligen Stifter. Sie zeigten zum Beispiel dessen Wappen, die Symbole seines Berufs, auch allegorische und satirische Darstellungen seiner Vorlieben und Eigenheiten.

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Herzog Johann Casimir

Repro 2006 Ulrich Göpfert

Die "löbliche Schützengesellschaft zu Coburg“ war in hohem Maße auf die Person des Herzog Johann Casimir fixiert. Als einziger war der Herzog bei allen Schießen anwesend. Er war offensichtlich der Veranstalter der höfischen Schützentreffen, die mit jenen der bürgerlichen "Schützengesellschaft“ nur am Rande etwas zu tun hatten. Angestellte des Hofes gehörten ebenso zu diesem elitären Kreis wie wichtige Handwerker (Büchsenmacher, Sporner, Sattler) sowie auswärtige Adlige und Gelehrte. Zu Schießwettbewerben wurden Schützen aus dem gesamten Umland, wie der Herzog von Sachsen oder auch der Bischof von Würzburg, eingeladen. Herzog Johann Casimir wies dem Schießsport große Bedeutung zu, die sich auch daran ermessen lässt, dass die höchsten Hofbeamten an den Schießen teilnahmen.

Wie bereits beschrieben begegneten sich auch Angehörige des städtischen Handwerks und der Hofgesellschaft bei den Schützenfesten, so dass es nicht zu einer strikten Trennung von Adel und Bürgertum kam. Davon möchte ich heute berichten:

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Ludwig Oertlein (Örttlein, um 1558), Künstler unbekannt,
Gemälde im Besitz der Schützengesellschaft Coburg 1354 e.V.

Repro 2006 Ulrich Göpfert

Obwohl Ludwig Oertlein wohl nicht als Hofbäcker gearbeitet hat, war er regelmäßiger Teilnehmer an den Schießen in Coburg, die auch den Bürgern offen standen. Er stiftete sogar eine Schützenscheibe, die ihn und eine Frau, vermutlich seine Ehefrau, bei der Hantierung mit verschiedenen Brotsorten zeigt. Vorteilhaft war die Teilnahme an den Schießen, seit mit der Schützenordnung von 1599 bestimmt wurde, dass der Schützenkönig von allen Diensten und Abgaben für ein ganzes Jahr befreit war.

Oertlein, der zweimal den Sieg errungen hatte, kam also auch in den Genuss dieser Vergünstigung. 1623 wurde dieses Zugeständnis wieder abgeschafft, da es zu erheblichen Missbräuchen gekommen war. Als Bürger von Coburg bewohnte Oertlein das Haus Steingasse 7, das von 1561 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts von Bäckern bewohnt war.

Bei dem von der Schützengesellschaft veranstalteten "Vogelschießen“ wurde derjenige Schützenkönig, der den Vogel von der Stange schoss. Später wurde in einem besonderen Schießen auf die "Königsscheibe“ der Schütze mit dem besten Schuss zum Schützenkönig gekrönt. Früher, wie heute noch, hat der Schützenkönig das Recht, bis zum nächsten Königsschießen die Königskette zu tragen. Leider kommt er aber heute nicht mehr in den Genuss, wie früher üblich, von der Zahlung der Steuern und Abgaben für diese Zeit entbunden zu sein.

Quellenhinweis: Kramer/Kruse, Scheibenbuch des Herzogs Johann Casimir,
Heins, Coburger Schützen

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