Emil Herold "Der Seifensekt"

Der Seifensekt
Eine Geschichte vom Heimatschriftsteller Emil Herold aus Neustadt.
Hauptdarsteller ist der Maler Krebs (Maler Christian Schulz)

Heute eine Episode vom Maler Schulz, im Text genannt: Maler Krebs, aus dem Buch "Muggiburg" vom Heimatschriftsteller Emil Herold. Sehen Sie bitte hierzu auch meinen ersten Beitrag - unter Archiv: - Persönlichkeiten: Geschichten vom Heimatschriftsteller Emil Herold - damit Sie die Zusammenhänge besser verstehen können.


Maler Christian Schulz
Repro Ulrich Göpfert

Wenn Du wieder amool an Ochs zum "Judeln" brauchst, Maler Krebs fuhr er ihn giftig an."A Flasch` n Sekt tät ich mit rausjudeln, Guckaala!" sagte der Christian. Nu ja, ihr gruoßen Herrn do drüb` n am Tisch... Wos gut is, des wisst ihr schö. Ja, sagt der Christian. A Knackwörscht is aa wos Gut` s, die `rausgojudelta wor prima, prima! " Ach Sekt"! schwärmte der Volken Dick. "Ich möcht aa amool Sekt gotrink!"

Ihr zwää, doo drüm, Du unn do Eduard wuhaar habt o denn Eura dicken Ranzen! fauchte der Guckaala den Maler Krebs an. Mei Bäuchla is a Knackwörschtbäuchla, Guckaala!  Unn a Sekt-Faßla fauchte der Guckaala weiter. So ging die Stichelei eine Viertelstunde hin und her. Da sagt der "Stenzer" dem Maler Krebs leise ins Ohr: "Daar G` sellschaft doo drüb` n müsst mo aa Streichla spiel!

"Hmm!  sagte der Maler Krebs und ließ seine dicken Daumen Karussell auf seinem Bäuchlein fahren. Auf einmal murmelte er vor sich hin: Wart ihr Brüderla! Ihr sollt` Seif` n sauf`, aber khenn Sekt!  Dann sprach er leise mit dem Eduard. Der lachte und brummte dann: Gut. Ich mach` mit. Dann wurde der Stenzer und der Hansen Fritz ins Vertrauen gezogen. Und dann der Wirt, "Die Glatz", wie man den langen Anton nannte. Wann hat der einmal nicht mitgemacht, wenn es etwas auszufressen gab? Nach einer Weile geht der Maler Krebs in die Küche. Da war die "Glatz" eifrig damit beschäftigt, Seifenwasser herzustellen. Neben ihm standen eine leere Sektflasche und daneben eine Tüte mit Natron. "Da schäumt` s besser!" sagte er.

Befriedigt geht der Christian wieder in die Wirtsstube. Nach einer Viertelstunde kommt die "Glatz" herein und zwinkert dem Christian zu: Es kann losgehen!  Der Christian flüstert dem Hansen Fritz etwas ins Ohr. Der steht auf.Ich will wieder amool nunto in den Saal guck. Bald kommt er zurück. Auch allerhand! sagte er, der Hauptgewinn, a Flasch` n Sekt, steht mutterseelen allein noch da. Zum zehnten Mal hat der Vorstand jetzt die Glücksnummo augeruf`` n. Khee Mensch meld` sich. Die Nummo muss rein einer haben, der da vorn in der Wirtsstub` n sitzt.  Wie häß t die Nummo Fritz? fragte der Volken Dick. "Dreiunddreißig!" Wenn ich die hätt! In mein Laam noch hoo ich khenn Sekt gotrunk` n!" schwärmt der Wolfen Dick. Alles holt seine Losnummern aus der Tasche und studiert.

"Hier! Nummer dreiunddreißig!" schreit der Metzger Scheibe auf einmal und reicht dem Fritz den Loszettel. Hol gleich die Flasch Sekt! Na ja brummt der Guckaala. "Die alt` Gschicht: Aro fett` n Sau reibt mo` n Hintern noch mit Spaak ei!" Oder mit Knackwörscht, Guckaala! stichelt der Stenzer. Ihr Spratzer geifert der Guckaala herüber. "Ich hoo mei Laam noch khenn Sekt gotrunken", wiederholt der Volken Dick. " Ich tät schö amool mit naalack?!"

"Sauft Hundsdüten!" sagte der Stenzer grob. "Wie is Eduard, darf ich amool mit naalack?" Dar wörd aus` n Maßkrug gotrunk` n sagte der Eduard. "Meinetwaag` n !" Du khaast aa gotrink, Volk, weil da noch khenn gotrunken host". In dem Augenblick kommt der Hansen Fritz und schwenkt triumphierend die Flasche mit dem Silberpapier um den Hals. "Es is "Henkel Trocken!" Doo Anton, mach Du die Flasch` auf!

Der Christian war unterdessen aufgestanden und hatte von dem Tisch, an dem der Guckaala und der Volken Dick saßen, den Börners Bernd herangewunken. "Pass auf, Freund Bern. Wir woll` n a Jux mach`. Stibitzt Euch jetzt die Flasch Sekt. Do Eduard hatt sicher nex dagegen." Der Hansen Fritz stellte sich dicht vor den Eduard hin. "Host net noch a poor Los, Eduard? A Flasch Sekt steht noch hinten. Amend derwisch` n mo di aa noch!" "Naa, die derwisch ich!" schreit auf einmal der Börners Bern, der sich an die "feindliche" Gruppe herangeschlichen hat, und mit einem Blitzgriff hat er die Flasche gekrallt und entwetzt damit zu seinen Freunden am Nachbartisch.

Indianergeheul! "Jetzt hamm mir an Sekt!" jubelt der Volken Dick. "Unn jetzt khannst Du Hundsdüten g` sauf, Stenzer!" lacht der Guckaala. Schon is die "Glatz"mit dem Maßkrug am Räubertisch. Entkorkt die Flasche und lässt den Inhalt in den Maßkrug laufen, in dem Natron und Apfelsinengeschmackpulver zum Schäumen und Duften bereit liegen.

"Die Glatz" hat diesmal den Maßkrug nicht angetrunken, wie es seine geschäftstüchtige Art sonst war, wenn er einen Maßkrug brachte. Diesmal hat er ihn dem Börners Bern gereicht, der seinen Priem schon in die hinterste Mundecke geschoben hat. "Erst komm ich!" schreit der Volken Dick. Der Eduard hat mir` s erlaubt. Ich soll aatrink! Er greift nach dem Krug, den der Bern schon am Mund hat. "Ich hoo aa noch khenn Sekt gotrunken!" sagt er und trinkt. "Net zu viel!" geifert der Volken Dick und drückt ihm im nächsten Augeblick den Krug sanft vom Mund. Nun setzte der Volken Dick nach einem tiefen Atemzug zum Trunk an.

Der Bern aber steht mit einem ganz verblüfften Gesicht da und lässt seine Zunge im Mund herumfahren wie eine schmelzende Elleritze. Dann schüttelt er den Kopf. Derweilen läuft der "Henkel Trocken" dem Dicken die Gurgel hinunter. "Sekt?" denkt er "Sekt?" Na, der wörd halt su schmecken. Wos B`sunders is net! und er trinkt zu. Was nun geschah, hat sich in Blitzesschnelle abgespielt. "Brrr, des schmeckt wie Seifenwasser! Brrr!" schüttelt sich der Bern und spült sich mit seinem Priem den Seifengeschmack von der Zunge. Da hält der Dicke ein mit dem Trinken. "Seifenwasser?" sagt er entgeistert, "Seifenwasser?" "Ihr Hünd` ihr elenden!"

Der Guckaala trommelt vor Vergnügen einen Schuhplattler auf seine Oberschenkel und strahlt vor Freude. G schieht Dir ganz recht, Dicker! Brauchst bloß mit` n Maler Krebs in einer Stub` n zu sitz` n unn du bist scho der Gelackmeierte. In diesem Augenblick hat es dem Dicken den Magen umgedreht, Sekt und Schinken- und Käsbrocken und einen mächtigen Priemspitzen spritzten dem Guckaala auf seinen funkelnagelneuen Anzug, auf seinen weißen Kragen, auf seine schöne Krawatte.

"Säubeer!"  faucht der Guckaala den Dicken an. Schuld bist Du! Sagte der Dicke, als wieder zu sich kommt, zum Bern. Du host die Flasch gomaust! Unn mir hott` s der Maler Krebs aagelehrt! entschuldigte sich der Bern. "Doo habt osch! Doo habt osch!" fauchte der Guckaala. "Kehrt muss mo mach`, wenn mo` n Maler Krebs bloß von weiten sieht!"
Im Hintergrund aber standen der Hansen Fritz und der Stenzer und hielten sich den Bauch vor Lachen. Ganz, ganz im Hintergrund stand "die Glatz" und tat unschuldig wie ein Lämmlein auf der Wiese.

Der Maler Krebs aber hatte sich in den Saal geflüchtet. Dahin konnte ihm der Guckaala mit seinem sektbekleckerten neuen Anzug doch nicht folgen.

Eines kann ich meinen Lesern versprechen, ich habe mich beim Schreiben dieser Geschichte schon köstlich amüsiert und die Fortsetzung mit den Geschichten über den Maler Krebs (Maler Christian Schulz) folgt: "Demnächst auf diesem Internetportal!"

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