Als der Strick des Henkers riss

Als der Strick des Henkers riss!
Eine Erzählung aus Coburg zurzeit des 30jährigen Krieges


Alte Coburger Ansicht

Über 20 Jahre tobte nun schon der furchtbare Krieg. Die Schrecken, die er mit sich brachte, Hunger, Not, Elend, Plünderungen, Krankheiten, Raub und Mord führten zu einer Abstumpfung des Gefühlslebens. Zu dieser Zeit galt ein Menschenleben nichts oder nicht viel. Ja, es bereitete Freude, einen Menschen qualvoll leiden und sterben zu sehen. Hinrichtungen, besonders die Hexenverbrennungen, wurden zu Volksfesten. Mitten in dieser Zeit der Verrohung und Grausamkeit erscheint das folgende Ereignis wie ein Funken noch nicht ganz verloren gegangener Menschlichkeit:

Am 30. Dezember 1639 sollte der desertierte Soldat Hans Hoder aus Eickelshausen, dessen Vater Förster bei Römhild war, auf dem Markt gehenkt werden. Der Scharfrichter hatte ihn schon von der Leiter weggestoßen, da riss der Strick entzwei und der arme Sünder fiel vom Galgen auf das Pflaster des Marktplatzes. Hier lag er einige Zeit still, dann kam er wieder zu sich und schaute verwundert um sich. Der Rechtsordnung der damaligen Zeit entsprechend wurde er von seinen Banden befreit. Als man ihn fragte, wie ihm gewesen sei, antwortete er, er hätte gedacht, er wäre im Himmel. Als er dann die Musketiere sah, hätte er sich sehr gewundert, dass es im Himmel auch Soldaten gibt.

Quellenhinweis: Walter Schneier

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