Der Spuk an der Eselsbrücke

Der Spuk an der Eselsbrücke
Südlich von Coburg liegt im Itzgrund das Dorf Meschenbach


Die Eselsbrücke bei Meschenbach
  Foto:© Ulrich Göpfert

An einem Sonntagabend ging ein Bauersmann aus Meschenbach in das auf einer Anhöhe gelegene Dorf Haarth. Hier kehrte er im Wirtshaus ein und ließ sich Bier und Wein gut schmecken. Erst um Mitternacht trat er den Heimweg an. Wie er nun zum Eselsbrücklein kam, das über die Itz führt, hörte er eine Stimme laut und kläglich rufen: "Ich habe einen Lagstein versetzt", und gleich noch einmal: "Ich hab einen Lagstein versetzt!" Das Ganze wiederholte sich ein drittes Mal. Der Bauersmann blickte sich um, konnte aber niemand sehen. Als er sich am folgenden Sonntag wiederum zur Mitternachtsstunde auf dem Heimweg von Haarth nach Meschenbach befand und am Eselsbrücklein vorbeikam, hörte er wieder dreimal den Ruf: "Ich hab einen Lagstein versetzt!"

Nun wurde es unserem Bäuerlein doch unheimlich zumute, er fragte deshalb am nächsten Morgen den Herrn Pfarrer um Rat, wie er sich wegen des seltsamen Rufens verhalten solle. Der gab ihm den Rat, er solle beim nächsten Mal, wenn er die Stimme wieder höre, Rede und Antwort geben. Sicherlich sei es eine unerlöste Seele, die wegen ihres Vergehens keine Ruhe findet und nur durch Zwiesprache Erlösung suche. Das leuchtete dem Bauersmann ein, und wie er von seinem gewohnten Wirtshausbesuch aus der Haarth spät in der Nacht zurückkehrte und gerade den Fuß auf das Eselsbrücklein gesetzt hatte, da rief es wieder mit ganz kläglicher Stimme: "Ich hab einen Lagstein versetzt!" "Dummes Luder", antwortete jetzt ärgerlich der Bauersmann, "wenn du ihn versetzt hast, so trag ihn doch wieder dorthin, wo du ihn genommen hast!" Und ging seinen Heimweg weiter. Seit dieser Zeit hat der Spuk dort ein Ende und ruhig und still ist es wieder geworden am Eselsbrücklein bei Meschenbach.

 Quellenhinweis: Karl Mönch

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