Wolfsjagd

Eine Wolfsjagd auf dem Coburger Marktplatz
In dem festlich geschmückten Erker des Rathauses hatten die Herzogin Anna
und die Damen ihres Hofes Platz genommen, um das blutige Spiel anzuschauen

 
Jagdszene aus dem Jagdbuch von Herzog Casimir
©  
Veste Verlag Roßteutscher Coburg

Dieses Jagdmotiv stammt aus dem Jagdbuch des Herzogs Johann Casimir von Sachsen-Coburg. Das Werk entstand in den Jahren von 1639 bis 1646. Als sein Schöpfer wird der Bayreuther Maler Wolfgang Birckner (geboren um 1580) genannt.

Ein ungewöhnlich großer Wolf war lebendig in einer der Gruben gefangen worden,
die in den dichten Wäldern hinter der Lauterburg angelegt waren. Herzog Casimir war hocherfreut, als es das Wild erblickte, und rief aus: "Ein solch außerordentlicher Fang soll auch auf außerordentliche Art geehrt werden!“ Er befahl, dass man auf dem Marktplatz seiner Hauptstadt eine Kampfbahn einrichte, um darauf eine große Wolfshetze zu halten. An dem dazu bestimmten Tag strömten in endloser Reihe die Gäste aus der Nähe und Ferne nach Coburg. Der mittlere Raum des Marktes war mit Schranken umgeben. Die Jäger mit den Hunden standen bereit. In dem festlich geschmückten Erker des Rathauses hatten die Herzogin Anna und die Damen ihres Hofes Platz genommen, um das Spiel anzuschauen.

Der Wolf wurde losgelassen
von den Banden, an denen ihn vier kräftige Handschützen gehalten hatten. Er stürzte hinein in die Schranken, die hinter ihm wieder schnell geschlossen wurden. Den struppigen Kopf tückisch auf die Erde gebeugt, lugte er mit mordglühenden Augen umher nach Beute. Da wurden die Koppeln der unruhig tobenden Hunde gelöst und mit wütendem Geheul stürzten sie schnaubend auf den grimmigen Feind. Heiß war der Kampf, der nun begann. Blutig und zerrissen schleuderte das Untier die Doggen von sich. Bald lag ein großer Teil der Hunde tot oder verwundet am Boden. Jetzt traten die Jäger heran und hielten dem todmüden Wolf ihre Speere vor. Da fasste das Tier noch einmal seine Kräfte zusammen. Es stürzte an dem Speer des Herzogs vorbei und fiel den unweit davon stehenden Junker Ulrich von Lichtenstein an.

Der Jüngling stieß mit seiner Waffe gegen das Herz des Tieres
Der Stoß prallte an der Rippe ab und der Jagdspeer zersplitterte. Die glühenden Augen vor Wut verdrehend, stürzte der Wolf auf den Junker und riss ihn grimmig zu Boden. Laut schrieen die Zuschauer auf vor Angst und Schrecken. Doch die Jäger waren dem Junker zur Hilfe geeilt. Von ihren Stichen zerfleischt, lag der Wolf verendet am Boden. Lichtenstein hatte sich unbeschädigt wieder vom Boden aufgerafft und nahte sich dem Herzog. Mit lautem Rufen rief man den Fürsten als Sieger aus, denn auch sein Spieß hatte sich vom Blute des erlegten Wolfes gerötet.


Quellenhinweis: W. Lorenz

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