Wenn auch die Jahre vergehen...

"Eltern drücken die Schulbank"
Vor 50 Jahren: "Tag der offenen Tür" an der Volksschule Dörfles-Esbach

Ein Beitrag von Ulrich Göpfert

Vor 50 Jahren, ich war damals 20 Jahre jung und arbeitete seit 4 Jahren als freier Mitarbeiter für die NEUE Presse Coburg, da bekam ich vom Redaktionsleiter-Land: Heinz Kiesewetter, genannt HEKI, den Auftrag über den "Tag der offenen Tür" am Samstag, 23. Februar 1969  an der Volksschule Dörfles-Esbach zu berichten.

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Emil-Fischer-Schule in Dörfles-Esbach
Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

Entstehung der "Neuen Volksschule" Dörfles-Esbach, später wurde sie in "Emil-Fischer-Schule" umbenannt

Der Gemeinderat und besonders die Lehrerschaft hatten sich mit dem Gedanken einer zentralen Schule ja schon anfangs der 50er Jahre und später damit des Öfteren befasst. Doch scheiterte es an den mangelnden Finanzen der Gemeinde, die noch andere wichtige, infrastrukturelle Pflichtaufgaben zu erledigen hatte und nicht zuletzt an der noch zu geringen staatlichen Förderung.  

Erst in den Jahren 1959/60 konnte das etwa 1,7 Hektar große Schulgelände aufgrund des Entgegenkommens der Vorbesitzer, Lau, Wegner, Nahr und Hopf zum größten Teil günstig erworben und über 50 Prozent auch mit Eigenmitteln finanziert werden. Vorher war mit dem Architekten Bernitt in einer Besprechung ein Vorentwurf und eine Entwurfsplanung vereinbart worden, wonach dann noch im Januar 1961 der Plan für eine zwölfklassige Schule von demselben Architekten angefertigt wurde. Daraufhin beschloss der Gemeinderat am 19. Mai 1961, einen zwölfklassigen Schulhausneubau mit späterer Erweiterungsmöglichkeit auf 16 Klassen und Sporthalle zu errichten. Planung und Finanzierung nahm etwa ein Jahr in Anspruch, so dass erst im September 1962 mit den Tiefbauarbeiten begonnen werden konnte.

Vor 56 Jahren
im März 1963 war dann die Grundsteinlegung und nachdem die Rohbauarbeiten (ausgeführt von der Baufirma Strobel KG, Coburg) flott voranschritten war im Juli das Richtfest. Der Innenausbau dauerte bis in den Sommer 1964. Endlich konnten zum Schuljahr 1964/65 die Kinder aus dem Altdorf, aus Esbach und aus dem Wohnbereich Paschendaele-Kaserne ihre gemeinsame Schule besuchen. Die Zeiten der Trennung und des Schichtunterrichts waren nun endgültig vorbei. Die Schuleinweihung fand am 5. September 1964 statt.

Doch die Schulorganisation ging bald darauf (1969) neue Wege mit der Einführung der Hauptschule und des neunten Schuljahres

Dörfles und Lautertal wurden trotz mancher Widerstände zusammengelegt zu einem Schulverband, der seitdem von Dörfles bis Rottenbach reicht und der die Schulbusbeförderung der Schulkinder notwendig machte. Die Verbreiterung zu Parallelklassen wurde durch die Zweiteilung erreicht. Zu diesem Zeitpunkt ist Dörfles eine zwölfklassige Grundschule und Lautertal eine zehnklassige Hauptschule geworden.

Emil-Fischer-Schule
1979 gab man ihr den Namen Emil-Fischer-Schule und ehrte damit die Verdienste des 1978 verstorbenen Altbürgermeisters.

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Altbürgermeister Emil Fischer
aus Dörfles-Esbach
Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

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 Eine Gedenktafel wurde am 17. Juli 1979 (seinem Geburtstag) eingeweiht.
Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

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Sportzentrum Emil-Fischer-Schule
Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

Zweiter Bauabschnitt
In einem zweiten Bauabschnitt war schon bei der Planung 1961 eine Turnhalle mit Platzanlage vorgesehen, doch erst in den Jahren 1969 bis 1973 konnte beides verwirklicht werden. Es entstand ein großzügiges Sportzentrum, das auch allen Sporttreibenden Vereinen der Gemeinde zur Verfügung steht. Die Turnhalle war 1970 durch einen Bühneneinbau, einen entsprechenden Bodenbelag, durch Toiletten und Garderobe auf für Gemeindefestlichkeiten eingerichtet worden.

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Füreinander, miteinander an der Emil-Fischer-Schule
Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

So vieles würde es noch zur Emil-Fischer-Schule bis in unsere heutige Zeit zu berichten geben, doch das würde "den Rahmen der Berichterstattung sprengen"!

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Emil-Fischer-Volksschule in Dörfles-Esbach
Foto: Archiv © Ulrich Göpfert


Ein Pressebericht von Ulrich Göpfert von vor 50 Jahren:
Wenn auch die Jahre vergehen...
Tag der offenen Tür an der Volksschule Dörfles
"Eltern drücken die Schulbank" - Ein lehrreicher Vormittag

Als ich dieser Tage in meinen alten Presseberichten blätterte, fiel mir dieser Beitrag in die Hände:

Zu einem "Tag der offenen Tür" hatte am Samstag, 23. Februar 1969 die Lehrerschaft der Volksschule Dörfles bei Coburg alle Eltern der schulpflichtigen Kinder eingeladen. In der 12-klassigen Volksschule Dörfles werden zur Zeit in 9 Schulklassen, die 1. Volksschulklasse ist in Mädchen und Jungen unterteilt, insgesamt werden dort 161 Mädchen und 164 Jungen unterrichtet. Den Eltern wurde die Möglichkeit geboten, sich mit dem neuesten Stand der Unterrichtsmethoden und dem Einsatz von modernen Geräten in der heutigen Volksschule vertraut zu machen. Über 100 Eltern nahmen die  Gelegenheit wahr, während der Unterrichtsstunden einen Vergleich zu ziehen zu dem früheren Unterricht, der ihnen zuteilwurde, und dem von Jahr zu Jahr verbesserten technischen und pädagogischen Unterrichtsstil, der ihren Kindern in der heutigen Zeit geboten wird.

Im Rahmen der Unterrichtsfächer befindet sich seit September 1968 an der Volksschule Dörfles das Wahlfach der englischen Sprache. Bereits vor 2 Jahren wurde in der Klasse 7/8 den aus der Volksschule scheidenden und in das Berufsleben eintretenden Jugendlichen, Stenographie als Wahlfach erteilt. Wie die Neue PRESSE von Rektor Walter Angermüller erfahren konnte, ist die Volksschule Dörfles bestrebt, in den nächsten Jahren, zusätzlich zu den übrigen Unterrichtsfächern einen Schreibmaschinenunterricht einzuplanen.

Wir beginnen unseren Rundgang durch die Klassenräume mit einem Besuch der 6. Klasse, in der Buben und Mädchen von Lehrerin Frau Heyl unterrichtet werden. Sachkunde steht auf dem Stundenplan verzeichnet. Zahlreiche Eltern hatten sich eingefunden, um dem Hauptthema der Unterrichtsstunde: dem Rhein, aufmerksam zu lauschen. Von der Quelle bis zur Mündung des Stromes wurde von den Schulkindern alles aufgezählt, was es über die Gebirge, Städte usw., die an diesem Strom liegen, zu erzählen, gab.

Inzwischen hatten sich die Jungens der 2. Klasse unter Leitung von Oberlehrer Geuther im Turnraum der Schule eingefunden, um den Eltern ein Fußballspiel zu zeigen. Die Zuschauer bestanden zum größten Teil aus den Vätern der hier spielenden Buben, die ihren Nachwuchs kräftig anfeuerten. Als Unparteiischer fungierte Oberlehrer Geuther. Der Turnraum der Schule ist nur ein Provisorium, die Kinder freuen sich schon heute darauf, in die neue Turnhalle, deren Bau in diesem Jahr begonnen werden soll, umziehen zu können.

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Die Mädchen der 8. Klasse bei einer Kochstunde in der Schule von Dörfles.
Rechts außen in der unteren Reihe: Lehrerin Frau Dürr
Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

Nach der Pause trafen wir im Küchenraum der Schule ein. In diesem Raum, der mit allen modernen Haushaltsgeräten bestückt ist und dem sich ein gesonderter Speiseraum anschließt, hatten die Mädchen der 8. Klasse unter der Obhut von Frau Dürr bereits alle Vorbereitungen getroffen, um den erschienen Eltern, Einblick  in eine Stunde des Kochunterrichtes zu gewähren. Auf dem Speisezettel der Kochstunde stand: 1. Boullion mit Ei und als 2. Gericht Apfelstrudel mit Kaffee. Um uns aus dem geschäftigen Treiben im Haushaltsraum zu lösen, steigen wir eine Treppe höher zum Physikraum der Volksschule. Hier herrscht eine nüchterne Atmosphäre, denn Lehrer Baumgärtner, umgeben von Mädchen und Jungen der 7. Volksschulklasse erläutert an Hand von einzelnen Modellen den Unterschied von einer Saug- zu einer Druckpumpe, wobei ihn sein Anschauungsmaterial wertvoll unterstützt. Der Unterricht ist modern gestaltet, zumal sich den Erläuterungen und Ausführungen des Lehrers Baumgärtner, die Ansichten einzelnen Diskussionsgruppen anschließen.

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Die Jungs der 8. Klasse, unter Aufsicht ihres Lehrers Wohlleben, bereitet die
Arbeit im Werkraum der Schule besonders viel Freude. Rechts außen: Lehrer Wohlleben.
Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

An großen Werktischen, Werkzeugschränken mit allen modernen Werkzeugen ausgestattet, kann sich mancher Junge im Werkraum der Schule, seinen Bastelwunsch erfüllen. Zurzeit befindet sich die 8. Klasse unter Aufsicht ihres Lehrers Wohlleben in diesem Raum. Neben dem bereits erwähnten weist der Raum ein Universalgerät auf, welches als Kreissäge, Hobelein- und -abrichtung verwendet werden kann. Dass den Jungen die Arbeit im Werkraum der Schule Freude bereitet, beweisen die zahlreichen Gegenstände im Ausstellungsraum der Schule. Die Besucher sparten nicht mit Worten der Anerkennung für die hier gezeigten künstlerischen Werke. Fein säuberlich auf Tischen aufgebaut und mit dem Namen der Klasse versehen, findet man im Ausstellungsraum von der 1. Klasse angefangen, Streichholzschachteln mit buntem Glanzpapier bekleidet vor. Im Mittelpunkt der vergangenen Wochen des Zeichnens und des Werkens stand die Faschingszeit, von der noch zahlreiche Zeichnungen und Pappköpfe zeugen. Nicht nur die Jungens gestalten diesen Raum aus, nein, großes Lob gebührt ebenfalls den Mädchen, die mit zahlreichen Ausstellungsstücken aus den Handarbeitsstunden, den Raum mit verschönern halfen.

Die 4. Klasse dachte bei ihrer Ausstellung vor allem an die notwendigen Geräte, die die Mütter in der Küche benötigt. So sind unter vielem anderen Schneidebretter aus Holz, Holzschalen mit bunten Bildern verziert und Kuchenlöffeln vorzufinden. Glaseinlegearbeiten mit Fischen und anderen Tiermotiven stellte die 5. Klasse her. Zahlreiche Flächenzeichnungen, Bilder von Burgen und vieles mehr, stellt die 6. Klasse dem Besucher vor. Schmuckkästchen mit geplätteten Strohhalmen beklebt, Tuschezeichnungen und Linoleumschnitte sind von der 7. Klasse vorzufinden. Gezeichnete Familienstammbäume, Fernsehtürme, sowie holzgeschnitzte Pfeifenständer über dem Ausstellungstisch ein Luftspiel mit zahlreichen bunten Fischen sind Zeugnisse der Zeichen- und Bastelarbeit der 8. Klasse.

Es ist 10:35 Uhr und es wird Zeit, dass wir uns in die 5. Klasse begeben, denn aus der Lautersprecheranlage, die in jedem Klassenzimmer angebracht ist, ertönt das Zeichen zum Beginn der Englisch-Stunde, Rektor Walter Angermüller leitet in dieser Klasse den Unterricht. Sehr interessiert hatten sich zahlreiche Eltern zu dieser Stunde eingefunden.

Leute, wie die Zeit vergeht, ein interessanter und lehrreicher Vormittag in der Volksschule Dörfles geht zu Ende und das alles ist schon über 50 Jahre her!

Alle Fotos und Repros: © Ulrich Göpfert

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