Kunstsammlungen der Veste Coburg

ONLINE-VORTRAGSREIHE
„SCHÖN WIE EIN SCHADOW. FRIEDRICH MÜLLERS FORTUNATA-PORTRÄT IM KONTEXT“

In den Kunstsammlungen der Veste Coburg ist bis 22. August die Studioausstellung "Schön wie ein Schadow. Das Porträt der Fortunata von Friedrich Müller“ zu sehen. Begleitend zur Ausstellung findet eine Online-Veranstaltungsreihe mit Kurzvorträgen und anschließender Diskussion statt.

1 KSW Fortunata 002
Fortunata
Friedrich Müller, Porträt der Fortunata Segadori (Ausschnitt), 1832,
Öl auf Leinwand. Klassik Stiftung Weimar, Inv.-Nr. G 75.
Foto: © Klassik Stiftung Weimar/Alexander Burzik)

Friedrich Müllers Porträt des berühmten römischen Modells Fortunata Segadori wurde als Meisterleistung zeitgenössischer Kunst gleich mehrfach kopiert. Die jüngere Forschung hat es zeitweilig sogar Wilhelm Schadow, dem Begründer der Düsseldorfer Malerschule, zugeschrieben. Ausgehend von Untersuchungen des Gemäldes und seiner Kopien werden vielschichtig zusammenhängende Themenkomplexe diskutiert: das Kunstschaffen von Friedrich Müller, die Porträtmalerei seines großen Vorbilds Wilhelm Schadow, der Modellkult des 19. Jahrhunderts, die Kunst der Porzellanmalerei und das Verhältnis von Original, Nachahmung und Kopie in der Kunst des 19. Jahrhunderts.

TERMINE:

18. Mai 2021, 18.00 Uhr  

Dreimal Fortunata

Dr. Niels Fleck (Kunstsammlungen der Veste Coburg) | Der große Wurf – Friedrich Müller und seine Fortunata

Dipl. Rest. Anne Levin (Klassik Stiftung Weimar) | Die Weimarer Fortunata von Friedrich Müller und ihre Varianten in Coburg und Köln – Eine kunsttechnologische Untersuchung

Friedrich Müller (1795/96–1834) war ein herausragender Porzellanmaler, der sich kurz vor seinem frühzeitigen Tod auf einer Italienreise der Ölmalerei zuwandte. Schon seine erste, und wohl einzige, bedeutsame Leinwand rechtfertigte den Ehrgeiz des gebürtigen Thüringers. Denn mit dem Porträt des römischen Künstlermodells Fortunata Segadori, das eng an der Malweise Wilhelm Schadows orientiert ist, gelang ihm sogleich der große Wurf. Dr. Niels Fleck bietet eine Einführung zu dem bislang weitgehend unbekannten Künstler. Im Anschluss präsentiert Gemälderestauratorin Anne Levin die Ergebnisse ihrer vergleichenden Untersuchung von Müllers Fortunata-Porträt und dessen aktuell bekannten Kopien.

8. Juni 2021, 18.00 Uhr

Wilhelm Schadow (1788–1862): Stationen einer exemplarischen Karriere

Prof. Dr. Cordula Grewe (Indiana University Bloomington) | Vom romantischen Rebellen zum Düsseldorfer Malerfürsten

Wilhelm Schadow (1788–1862) war ein faszinierender Maler, kluger Theoretiker und begnadeter Lehrer. Als Begründer der weltweit bedeutsamen Düsseldorfer Malerschule prägte er entscheidend die Kunst seiner Zeit. Schadow-Expertin Prof. Dr. Cordula Grewe skizziert in ihrem Einführungsvortrag Schadows künstlerische Entwicklung von seinen Berliner Anfängen und Jahren als Lukasbruder in Rom bis zu seinem beruflichen Aufstieg zum Akademiedirektor und den Spannungen in der Düsseldorfer Kunstszene im Vormärz.

15. Juni 2021, 18.00 Uhr

Malerei als Manifest – Zur Relevanz von Maltechnik und Gattungsfragen in Romantik und Realismus

Dr. Eva Reinkowski-Häfner (Universität Bamberg) | Romantische Experimente zwischen Tradition, Innovation und der „Art der alten Maler“ – Zur Entwicklung der nazarenischen Maltechnik in Wien und Rom

Prof. Dr. Cordula Grewe (Indiana University Bloomington) | Tableau oder Tagelöhnerproduktion? Schadows Porträtmalerei im Kontext ihrer Zeit

 Das wiederaufgefundene Ölgemälde des Kamaldulenser-Mönchs von Wilhelm Schadow wird in der Coburger Ausstellung im direkten Gegenüber zu Friedrich Müllers kongenialer Porzellankopie präsentiert. Gemälderestauratorin Dr. Eva Reinkowski-Häfner gibt Einblick in ihre kunsttechnologischen Untersuchungen zur Staffelleimalerei der Nazarener und speziell zu Schadows gefeiertem Mönchsbild von 1818. Dessen Auffinden erlaubt es zudem, die Schlüsselstellung der Porträtmalerei in Wilhelm Schadows Werk und Wirken neu auszuloten. Prof. Dr. Cordula Grewe analysiert in ihrem Vortrag Schadows anspruchsvolles Porträt-Konzept, das Elemente der Historien- und Genremalerei aufgreift und das nicht zuletzt eine programmatische Kampfansage an das Bildnis als sinnentleerter Tagelöhnerproduktion war.

29. Juni 2021, 18.00 Uhr

Die Kopie als Sammlerobjekt

Dr. Ilka Voermann (Schirn Kunsthalle Frankfurt) | Den Geist des Originals atmen – Zum Ideal der treuen Kopie in der Malerei des 19. Jahrhunderts

Thomas Aufleger (Germanisches Nationalmuseum) | „… die Porzellanmalerei eine Stufe höher zu heben …“ – Die Gemäldekopie in der europäischen Porzellankunst des 19. Jahrhunderts

Dem besonderen Verhältnis von Original, Nachahmung und Kopie in der Kunst des 19. Jahrhunderts sind die beiden abschließenden Vorträge der Online-Veranstaltungsreihe gewidmet. Dr. Ilka Voermann verfolgt den Aufstieg der Gemäldekopie vom traditionellen Mittel der Künstlerausbildung zum begehrten Objekt in Gemäldegalerien. Im Anschluss verortet Thomas Aufleger Friedrich Müllers Porzellankopie von Schadows Kamaldulenser im Kontext der bahnbrechenden Entwicklungen der Porzellankunst um 1800, als technische Neuerungen die detail- und farbgetreue Wiedergabe von Ölmalereien auf sogenannten Plattengemälden möglich machten. Geschätzt für ihre mitunter höchst ambitionierte Ausführung, ihre besondere Leuchtkraft und Alterungsbeständigkeit lösten die Plattengemälde zugleich kontroverse Debatten um den künstlerischen Rang der Porzellanmalerei aus.

TEILNAHME:
Teilnahme kostenfrei

Anmeldung per E-Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Die Vorträge finden auf der Plattform Zoom statt. Nach Anmeldung wird Ihnen einen Zugangslink zugeschickt.

Die Ausstellung
Die Studioausstellung „Schön wie ein Schadow. Das Porträt der Fortunata von Friedrich Müller“ ist bis 22. August 2021 in den Kunstsammlungen der Veste Coburg zu besichtigen. Eine mögliche Öffnung des Museums hängt aktuell von den Inzidenzwerten ab.

Begleitband zur Ausstellung
Schön wie ein Schadow. Friedrich Müllers Fortunata-Porträt im Kontext, hg. von Niels Fleck und Cordula Grewe, Begleitband zur Ausstellung in den Kunstsammlungen der Veste Coburg, Michael Imhof Verlag, Petersberg, 144 Seiten, Klappenbroschur, Euro 24,95, im Museumsshop der Veste Coburg für Euro 17,95, ISBN 978-3-7319-1104-3.

Copyright © 2021 Ulrich Göpfert. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.