Die "Bergdörfer"

Die "Bergdörfer" im Coburger Land
In reizvoller Landschaft sind die Bergdörfer:
Höhn, Brüx, Rüttmannsdorf und Weimersdorf im Coburger Land gelegen


Ein Blick auf die ersten Häuser vom Bergdorf Höhn
in der Bildmitte ist die Bergkirche, im Hintergrund
der "Thüringer Wald“ zu sehen
Foto: 2012 © Ulrich Göpfert

Abseits vom Lärm und Unruhe unserer heutigen Umwelt, still und träumerisch, liegen die vier Dörfer auf einem stattlichen Vorberg des Thüringer Waldes.Der Höhenzug beginnt in dem Winkel zwischen Itz und Röden bei Oeslau und steigt allmählich auf bis zum Taubels, von dem man über den Neustadter Talkessel hinweg weit hinein ins Frankenland schauen kann. In der Ost-West-Richtung breitet sich das Bergmassiv zwischen dem Röden- und Itztal aus, das hier im Froschgrund seine schönsten Partien zeigt, und erhebt sich rund 500 Meter über N.N. bei einer absoluten Höhe von etwa 170 Meter über den Talsohlen.

Auf diesem dicht bewaldeten Höhenzug haben sich frühzeitig Menschen angesiedelt, und bis zum heutigen Tag lebt dort unter wirklich sehr erschwerten Verhältnissen ein biederer, treuer Menschenschlag. Vier kleine Dörfer, nicht mit materiellen Glücksgütern übermäßig gesegnet, wohl aber reich ausgestattet mit Naturschönheiten, krönen gleichsam den Bergkamm.


  Bergkirche in Höhn
Foto: 2012 © Ulrich Göpfert

Erbaut 1910 unter der Regierung des letzten Coburger Herzogs Carl Eduard und der Herzogin Victoria Adelheid von Sachsen Coburg und Gotha. Einen Besucheransturm erfährt die Kirche alljährlich zur Christmette an Heiligabend und an den Weihnachtstagen sowie an Silvester. Aus dem Coburger Land und von auswärts strömen die Besucher zu den Gottesdiensten in diese Kirche. Heute gruppiert sich das ganze Leben der Bewohner um ihre schmucke Kirche, auf die sie mit berechtigtem Stolz blicken.

"Droben stehet die Kirche, schauet stille ins Tal hinab“. Die einzige Kirche, die unter der Regierung des letzten Coburger Herzogs Carl Eduard im Coburger Land erbaut und in seinem Beisein geweiht wurde. Wie feierlich klingt das herrliche Geläut der Kirche von dem Berg über die Berge hinab in die tiefen, stillen Täler. Allein die herrliche Kirche mit ihrer schlichten erhabenen Inneneinrichtung und die göttliche Ruhe gerade hier in diesem Gotteshaus lohnt einen Besuch. Zumal die Kirche selbst in einer Fülle landschaftlicher Schönheiten ganz besonderer Art steht. Erhaben sind die Reize der Landschaft auf und an dem Höhenzug. Heute führt mit wohlbegründeter Absicht ein Hauptmarkierungsweg des Thüringer Waldvereins über die aussichtsreichen Höhen hinweg, den Wanderer von der Veste Coburg über die Rosenau nach Sonneberg und den Thüringer Wald geleitend.

Die Markierung folgt hier oben zum größten Teil jener alten Handelsstraße, die von Oeslau über Gnailes kommend durch Weimersdorf und Rüttmannsdorf, an Höhn, Brüx und dem Taubels vorbei nach den alten Goldgruben bei Steinheid/Thüringen hinüber in das Schwarzatal führte. Aber auch die Dörfer selbst zeigen landschaftliche Eigenheiten. Der Ort Höhn, dessen Name nichts mit der Höhenlage zu tun hat, sondern von Hain abgeleitet ist, liegt ganz zerstreut über die im Laufe der Jahrhunderte vom Wald ausgerodete und in fruchtbares Gelände verwandelte Flur. Eine mächtige Linde in dem ältesten Anwesen des Dorfes bilden einen kostbaren Schmuck. Zu ihren Füßen soll einst ein Friedhof gelegen haben.

Von Brüx aus, dem nördlichsten der Bergdörfer, das uns an die durch den Sumpf gelegte Brücke, einem einfachen Knüppeldamm, für die auf der alten Handelsstraße dahin ziehenden Fuhrwerke erinnert, hat man einen herrlichen Blick nach dem Bleßberg, der majestätisch am Horizont aufsteigt. Auf diesem Bleßberg entspringt auch der Fluß Itz, der durch das Coburger Land fließt und in den Main mündet.
In Rüttmannsdorf, dem am schönsten gelegenen Bergdorf, hat sich einst wohl mancher Fuhrmann mit seinen Geleitsleuten und seinen treuen Pferden an der Wirt, einem frischen, lauteren Quell inmitten des Ortes, reichlich gelabt. Heute stehen oberhalb des Brunnens drei herrliche Linden und geben dem Fremden einen stattlichen Anblick.

Das älteste der vier Bergdörfer mag wohl Weimersdorf sein; es lässt sich dies aus den dort vorhandenen Flurnamen schließen. Von jeher haben Naturkenner in Wort und Schrift die Lage der Dörfer als besonders reizend hervorgehoben. Noch viel reicher aber an landschaftlichen Reizen ist die nächste Umgebung der Dörfer. Eine ganze Reihe stiller, träumerischer und malerischer Winkel. An den steilen, dicht bewaldeten Berghängen machen auf das Gemüt einen tiefernsten Eindruck. Hingewiesen seien auf den wildromantischen Kehrgraben mit seinen vielen Teichen, in denen zur heißen Sommerzeit die weißen Seerosen hell aufleuchten. Ein erhabenes Plätzchen bildet die Saubucht, wo bis zur Herzogs Casimirs Zeiten zurückgehend die fürstlichen Saujagden abgehalten wurden.

Auf der Höhe über den Häßlichsgrund bietet sich dem Auge des Wanderers ein herrlicher Blick über den Frieden der Natur dar. Ernst und düster wirken eine Wanderung durch die Klinge, einem tiefen mit Hochwald bestandenen Taleinschnitt in der Richtung nach Meilschnitz, und der Wanderer, der nach dem tiefsten Frieden der Natur sucht, findet dort hinten am Kaltenbrunnteich eine wirklich erhabene Einsamkeit. Am Westabhang des Höhenzuges geben der Weimersgraben, der Rätzeberg, der Hellberg und der Rückertswinder Grund ein gutes Bild von den eigentlichen Gebirgstälern des Thüringer Waldes.


Reizend liegt das ehemalige meiningsche Dorf Rückerswind
jenseits der ehemaligen Grenze in Thüringen
Foto: 2012 © Ulrich Göpfert

Geradezu wunderbar ist es, dass all die landschaftlichen Schönheiten hier nicht an bestimmte Zeiten gebunden sind. Das ganze Jahr hindurch, in allen witterungsverhältnissen und zu allen Tages-, ja selbst Nachtzeiten, übt hier die Natur auf den fühlenden Menschen ihre Reize aus, sogar bei Sturm und Wetter zeichnet Mutter Natur hier noch wildromantische Bilder, wie sie sonst nirgends zu finden sind. Der Urquell all der Reize aber liegt in dem prächtigen Wald, der seit Jahrtausenden seine uralten Weisen über die Berge geheimnisvoll rauschen lässt. Leise zieht durch unsere Seele die bekannte Melodie: "Wer hat dich, du schöner Wald, aufgebaut so hoch da droben?“

Die Menschen der vier Bergdörfer sind Waldbewohner und hängen mit jeder Faser ihres Herzens an dem Wald, der ihnen ja erst das Leben lebenswert gestaltet. Jägerblut rollt seit undenklichen Zeiten dort oben in den Adern der Männer. Nirgends gibt es idealere Jagdgründe als gerade hier, wo einst bei mancher fürstlichen Jagd die Hörner an den Bergen oft dreimal widerhallten. Herzog Ernst I. legte hier seinen Tierpark an, der oft reiche Beute lieferte. Noch oft und gerne erzählen die alten Männer sich aus den Tagen seines Nachfolgers, der viele fürstliche Persönlichkeiten zu seinen Hirsch- und Saujagden mitbrachte. Heute ist der Tierpark verschwunden als ein Opfer der Zeit.

Der Charakter der Bewohner der Bergdörfer sträubt sich dort auf den waldumrauschten Höhen gegen eine übertriebene Modernisierung. Die Leute halten am guten Alten fest. Sie lieben eben ihren Wald, und da drinnen können sie nicht das Hasten und aufgeregte Treiben der heutigen überkultivierten Menschheit gebrauchen. Darum vergessen sie auch leicht alle Schwierigkeiten des dortigen Lebens, erfreuen sich an Gesang und Musik und bleiben ewig ein lustiges Völkchen.

Mit Recht hat einst ein Wanderer den Ausdruck zu den Bergdörfern
mit den Worten geprägt:
"Hier ist unsere coburgische Schweiz“. Nun gehe hin und suche sie! Reich belohnt kehrst du zurück“.

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