Die Rückkehr des Fischadlers

Die Rückkehr des Fischadlers
LBV und Forst bringen seltenen Greifvogel zurück nach Bayern
– Neue Bruthilfen errichtet – Adler-Sichtungen bitte melden

Hilpoltstein

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren Fisch- und Seeadler in Bayern ausgerottet
Die Gründe: Menschliche Verfolgung und über die Nahrungskette angereicherte Umweltgifte. Nun kehren die beiden eindrucksvollen Greifvogelarten wieder in den Freistaat zurück. Noch konzentrieren sich die Neuansiedlungen auf den Osten Bayerns. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) und die Bayerischen Staatsforsten Allersberg wollen jedoch die weitere Ausbreitung der beiden Adlerarten voranbringen. Deshalb haben sie nun vor den Toren Nürnbergs zahlreiche Nistmöglichkeiten für den Fischadler geschaffen. Außerdem bittet der LBV die Bevölkerung in diesem Zusammenhang um die Meldung von Adler-Beobachtungen, welche die erhoffte Ausbreitung bestätigen könnten.

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Der Fischadler brütet vielleicht bald wieder in Bayern
Foto: © Z. Tunka

Noch brüten in Bayern gerade mal eine Handvoll Fischadler
und das nur im Osten des Freistaats. Im Fränkischen Seenland kann man den imposanten Greifvogel bislang nur als Durchzügler beobachten. Aber das könnte sich bald ändern. „Die ausgedehnten Wasserflächen des Fränkischen Seenlandes mit ihrem üppigen Nahrungsangebot sind hervorragend für eine dauerhafte Ansiedlung des Fischadlers geeignet“, meint Dr. Daniel Schmidt-Rothmund. Der in Süddeutschland führende See- und Fischadlerexperte berät und unterstützt den LBV bei seinen Bemühungen, den Greifvogel wieder in Bayern anzusiedeln.

Der LBV hat deshalb schon im März 2014 in Kooperation mit einem Energieversorger und den örtlichen Naturschutzbehörden eine erste Nisthilfe auf der Vogelinsel im Altmühlsee installiert, die derzeit vom Weißstorch erfolgreich als „Zwischenmieter“ genutzt wird. Seit kurzem warten nun rund um Altmühl- und Brombachsee im Fränkischen Seenland weitere sechs Nisthilfen auf eine Besiedlung durch die Adler. „Damit hilft der LBV dem Mangel an natürlichen Brutmöglichkeiten in den jungen Wäldern des Seenlandes ab“, erklärt der Experte.

Verena Auernhammer, LBV-Gebietsbetreuerin für das Wiesmet, Altmühlsee- und Brombachseegebiet und Lisa Weiß, Försterin bei den Bayerischen Staatsforsten, hoffen nun, dass die Horste angenommen werden und Fischadler bald auch im Fränkischen Seenland als Brutvögel bewundert werden können. Die Chancen dafür stehen gut, meint der Experte Schmidt-Rothmund. „Vor allem Jungvögel nehmen bereits vorhandene Nester gerne an.“ Dazu erkunden die Adler potenzielle Gebiete während des Durchzuges, um dann vielleicht schon im Jahr darauf ihr neues Domizil als Brutplatz zu nutzen. „Manchmal muss man aber auch einige Jahre warten, bevor sich ein Brutpaar in einem neuen Gebiet niederlässt. Ist dies gelungen, dann kann durchaus mit weiteren Ansiedlungen in der Umgebung gerechnet werden.“

Unterstützt wurden die Naturschützer bei den jüngsten Hilfsaktionen für den Fischadler von den Bayerischen Staatsforsten Allersberg. Die zuständigen Revierförster halfen Verena Auernhammer bei der Suche nach geeigneten Standorten und stellten zwei Baumsteiger zur Verfügung. Diese montieren dann unter Anweisung des Experten die Nistplattformen. Auch bei der Betreuung und Beobachtung der installierten Kunsthorste bringen sich die Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforste ein. Die Aktion wurde außerdem durch das Wasserwirtschaftsamt Ansbach und die Höhere Naturschutzbehörde begleitet und unterstützt. Dazu erfolgte Unterstützung durch die Stiftung Bayerisches Naturerbe und die französischen Naturschutzstiftung Fondation Nature et Decouvertes.

Der LBV bittet um die Mitteilung eventueller Fischadlerbeobachtungen an die LBV Umweltstation in Muhr am See unter Tel. 09831/4820 oder per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Beobachtungshinweis für fortgeschrittene Hobby-Ornithologen
Besonders hilfreich sind dabei die Meldungen der Buchstaben-Ziffern-Codes beringter Vögel, die mit Hilfe eines sehr guten Fotos oder bei der Beobachtung durch ein Spektiv abgelesen werden können.

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Zum Fischadler
Fischadler sind Zugvögel, die den Winter in wärmeren Gefilden verbringen. Ab Mitte März kommen sie aus Afrika und Südeuropa zurück und nutzen das Fränkische Seenland bislang schon regelmäßig zur Rast, bevor sie nordwärts in ihre angestammten Brutreviere weiterfliegen. Ihre Nahrung besteht, wie der Name vermuten lässt, ausschließlich aus Fisch. Der Fang der Fische ist dabei spektakulär: Nach einem Sturzflug packt der Adler mit seinen Fängen nahe unter der Wasseroberfläche schwimmende Fische, zumeist Brachsen.

Aber auch, wenn man keine Gelegenheit hat, den typischen Jagdflug zu beobachten, sind Fischadler leicht zu erkennen. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 1,70 Meter sind sie deutlich größer als ein Mäusebussard, wirken aber dabei durch ihr geringes Gewicht von unter 2 Kilogramm sehr grazil. Unverwechselbar werden sie durch ihre kontrastreiche schwarz-weiße Färbung und die angedeutete Federhaube am Hinterkopf.
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