„Moorochsen“ in der Oberpfalz

„Moorochsen“ in der Oberpfalz
Neues Biotop für die selten gewordene Große Rohrdommel

Hilpoltstein
Die Große Rohrdommel ist in Bayern vom Aussterben bedroht. Im gesamten Freistaat leben nur noch rund zehn Brutpaare. Um den im Volksmund gerne auch als „Moorochsen“ bezeichneten Vogel zu retten, muss der seltenen Art wieder mehr geeigneter Lebensraum zur Verfügung stehen. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) hat deshalb mit Unterstützung des Bayerischen Naturschutzfonds am Neuweiher im Charlottenhofer Weihergebiet bei Schwandorf in der Oberpfalz ein neues Biotop für den hoch gefährdeten Schilfbewohner geschaffen.

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Große Rohrdommel
© Henning Werth

Der Neuweiher in der Oberpfalz ist eine knapp zehn Fußballfelder große Weihergruppe am Rande des Charlottenhofer Weihergebietes, die 2012 vom LBV erworben wurde. Ursprünglich intensiv teichwirtschaftlich genutzt, boten die Weiher bisher keinen Lebensraum für die Große Rohrdommel. „Nach gut achtwöchigen Baggerarbeiten kann sich hier nun aber in Zukunft ein wertvoller neuer Lebensraum entwickeln“, sagt LBV-Projektleiterin Anne Schneider. Dabei wurde ein Teil der Dämme zwischen den einzelnen Weihern entfernt und mit dem Material in der Mitte des Weihers und entlang der Ufer Flachwasserzonen gestaltet. „In dieser jetzt großen, ungestörten Wasserfläche können sich in den kommenden Jahren ausgedehnte, flach im Wasser stehende Schilfröhrichte ausbilden – ein Habitat wie es die Rohrdommel benötigt, aber nur noch selten vorfindet“, erklärt Schneider.

In den umliegenden Weihern des Gebiets werden gelegentlich noch rufende Rohrdommeln dokumentiert. Zudem befindet sich das neue Biotop in direkter Nachbarschaft zum Altenweiher, der ebenfalls vom LBV im Rahmen eines EU-Life-Projektes für die Große Rohrdommel gestaltet wurde. Somit kann nun ein noch größerer, zusammenhängender Lebensraum für die seltene Vogelart bereitgestellt werden. „Dies ist dringend notwendig, um den Bestand dauerhaft zu halten und vielleicht sogar eine Wiederausbreitung zu ermöglichen“, so Anne Schneider.

Der Bestand der Großen Rohrdommel ist fast in ihrem gesamten mitteleuropäischen Verbreitungsgebiet stark bedroht
Auch in Bayern steht der scheue Schilfbewohner kurz vor dem Aussterben. Nur noch in drei Regionen Nordbayerns gibt es wenige, voneinander isolierte Einzelvorkommen. Grund für den dramatischen Bestandsrückgang der Rohrdommel ist der Verlust ihres Lebensraumes. „Sie brütet ausschließlich in großflächigen, gut strukturierten Schilfröhrichten, die in den letzten Jahrzehnten durch intensive Teichnutzung, Melioration und Wasserbau vielerorts zerstört wurden“, sagt Schneider.

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