Rückblick und Ausblick

Landestheater Coburg
Spielzeit 2011 / 2012 - Rückblick und Ausblick
Theaterzeit ist Lebenszeit

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Bode Busse
Intendant Landestheater Coburg
Foto: 2011 © Landestheater Coburg

Liebes Publikum,

zunächst das Wichtigste vorweg: mein Kompliment und Dank an Sie – dafür, dass Sie sich in meiner ersten Spielzeit als ein aufgeschlossenes, begeisterungsfähiges, neugieriges und wohlwollend kritisches Publikum gezeigt haben. Sie waren offen für neue Theaterästhetiken, selten gespielte Stücke, ungewöhnliche Spielorte, neue Theaterprojekte und haben viele neue Ensemblemitglieder herzlich im Coburger Theaterleben aufgenommen. Das ist alles nicht selbstverständlich, aber ein Beweis dafür, dass die Coburger Theatertradition nicht zuletzt durch einen lebendigen, Vergangenheit und Gegenwart reflektierenden, gesellschaftlich-kulturellen Dialog fortbesteht.

Theaterzeit ist Lebenszeit
Und das Theater ein Ort intensiver und schöner Erfahrungen des Hörens, Sehens und Fühlens. Im Theater spiegelt sich die Welt aber auch wie in einem Brennglas, das manchmal den Funken der Erkenntnis zündet. Während sich auf der Bühne die Welt des schönen Scheins entfaltet, geschehen draußen die Krisen des Alltags, ereignen sich Naturkatastrophen, Finanzcrashs, Terror, Krieg und menschliches Leid.

Das Theater kann das nicht verhindern
Es kann keine direkten Antworten geben auf die globalen, maßlos gewordenen Menschheitsfragen. Es kann weniger aber zugleich eigentlich viel mehr: durch Geschichten großer Leidenschaften, glücklicher Höhenflüge und tragischer Abstürze, durch die in Bildern und Szenen gespielte, gesungene und getanzte Maßlosigkeit des Menschen uns empfindungsreicher machen, unsere Sinne sensibilisieren für das scheinbar Kleinste oder Nebensächlichste, für das Fremde oder Unverständliche.

Nicht zuletzt ist das Theater als Kunstraum einer der wenigen Orte, wo vorurteilfreies gesellschaftliches Handeln noch möglich ist: ein Ort der Begegnung, der Unterhaltung, des Gesprächs, erfüllt von Mut, Visionen und Hoffnung.

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Landestheater Coburg – Innenraum Großes Haus
Foto: 2011 Landestheater Coburg/Andrea Kremper

Große Themen und Produktionen erwarten Sie in der Spielzeit 2011/2012
Rasant eröffnet das Schauspiel mit einem echten Blockbuster: Die „Blues Brothers“ suchen im Namen Gottes und mit viel „Rhythm and Blues“ ihre Band wieder zusammen. Den Kultfilm von John Landis präsentiert Schauspieldirektor Matthias Straub in einer Großproduktion, die neben dem Schauspielensemble und einer Band auch den Coburger Chor „Unerhört“ mit auf die Bühne bringt.

In die Stadt der Liebe – nach Paris – entführt Sie Mark McClain mit seinem ersten großen Ballettabend: „Das Leben – ein Chanson“ zu den unvergessenen Liedern von Edith Piaf, Jacques Brel oder Michel Legrand.

Mit Giuseppe Verdis tragisch-schönem Meisterwerk „La Traviata“ über die unendliche Liebe zwischen der todkranken Edelkurtisane Violetta Valéry und Alfredo Germont eröffnet das Landestheater Coburg mit glanzvollen Stimmen die Opernsaison. Die wohl schönste aller Liebesgeschichten, Shakespeares „Romeo und Julia“, begegnet Ihnen gleich zweimal in dieser Spielzeit: in Vincenzo Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“, womit wir nach dem großen Erfolg mit Bizets „Die Perlenfischer“ unseren Zyklus mit konzertanten Opern des Belcanto fortführen wollen.

Aber auch das wohl erfolgreichste Broadway-Musical, Leonard Bernsteins  „West Side Story“, erzählt die Romeo-und-Julia-Liebesgeschichte als Kampf zweier New Yorker Jugendbanden. Wohin eine kompromisslose Liebe führen kann, ist auch Thema des Erfolgsstücks „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ von Edward Albee, das Matthias Straub im Großen Haus inszeniert.

Im Schauspiel können Sie sich überhaupt auf große Ensemblestücke freuen: Friedrich Schillers „Maria Stuart“ und Ödön von Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“, womit wir unsere Auseinandersetzung mit Werken der Klassik und der Wiener Moderne fortführen wollen.

Auch in der Oper setzen wir auf programmatische Kontinuität und Vielfalt: unseren slawischen Zyklus setzen wir mit Janáceks musikalisch eindringlicher und dramatisch hoch expressiver Oper „Katja Kabanova“ fort, und faszinierende barocke Zauberwelten öffnen sich Ihren Augen und Ohren in Händels „Rinaldo“ – beides zentrale Werke des Repertoires, die seit Jahrzehnten nicht mehr in Coburg zu sehen waren.

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Landestheater Coburg – Innenraum Großes Haus
Foto: 2011 Landestheater Coburg/Andrea Kremper

Coburg war und ist der Broadway Oberfrankens
– wir können also mithalten mit der internationalen Musicalszene. Ich freue mich, dass wir die Rechte für die deutsche Erstaufführung der Musical-Kriminalkomödie „Curtains – Vorhang auf für Mord!“ bekommen haben.

Auch in der Reithalle haben wir ein prallvolles Programm für Sie parat
Neben einer Schauspielkomödie voller Tempo und Slapstick mit Sean O’Caseys „Der Anfang vom Ende“, der romantischen Liebeskomödie „Leonce und Lena“ von Georg Büchner, komischen Einaktern von Anton Tschechow, dem Musical „Tell Me on a Sunday“von Andrew Lloyd Webber wird auch wieder das Ballett Coburg mit „First Steps – Junge Choreografen“ und dem vierteiligen Ballettabend „Four Ladies’ Night“ die Reithalle zur Tanzbühne machen.

Und es ist noch so vieles mehr, auf das Sie sich freuen können:
die Konzerte, die Produktionen des Jungen Landestheaters, die Produktionen des Wirtshaustheaters im Münchner Hofbräu, eine Marivaux-Komödie in der Aula der Hochschule Coburg – und schlussendlich die theatralische Wiedereroberung der Veste Coburg als Schauplatz für die Open-Air-Produktion des Familienstücks „Cyrano de Bergerac“.

Die Fülle des Programms ist unser Versprechen an Sie, erfüllte Lebenszeit bei uns zu verbringen. Allein die Unmittelbarkeit des Moments, die in seiner flüchtigen Schönheit uns nur das Theater schenkt, die Präsenz des Spiels, die uns staunend den Atem raubt, führt uns an den Ursprung der Humanität.

Ihr
Bodo Busse

Intendant

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