Die Otternkönigin

Die Otternkönigin
Eine Sage aus dem Coburger Land


Kreuzotter (Vipera berus) © Werner Strassmann, Schweiz
Internet: www.reptiles.de
Das Foto wurde mir freundlicherweise von Herrn Werner Strassmann, Schweiz
zur Verfügung gestellt!

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Es ist schon recht lange her, da hat es in Obersiemau Kreuzottern gegeben. Sie waren schneeweiß am Körper und jedes trug ein Krönlein auf dem Kopf. Die allerschönste Krone hatte die Otternkönigin. Nach dem Glauben der Alten brachten die Schlangen Glück ins Haus, darum stellten die Frauen den Ottern ein Näpfchen mit Milch vor die Tür. Manchmal ist es auch vorgekommen, dass eine Otter beim Hinausschleichen ihr Krönlein verlor. Wer es dann fand, ist unermeßlich reich geworden.

Dass es heute keine Ottern mit den schönen Krönlein gibt, daran ist ein Hirtenbub Schuld. Er trieb um Mitternacht seine Schafe in den Pferch und suchte einen kühlen Trunk. Da erblickte er im Talgrund die Wiesenquelle, und oben auf der breiten Steindecke sah er ein kleines eisernes Kästchen. Neugierig öffnete er es und fand darin ein feines goldenes Krönlein mit Diamant und Edelsteinen besetzt. Er blickte sich nach allen Seiten um, und da er niemand sah, nahm er das Krönlein an sich und wollte sich schnell davonmachen. Das Krönlein aber gehörte der Otternkönigin, die sich in der kühlen Quelle badete.

Als sie den frechen Räuber sah, ließ sie sogleich einen gellenden Pfiff ertönen. Da kamen aus allen Löchern und Steinritzen, aus Sümpfen und Morästen viele, viele schneeweiße Kreuzottern hervor. Sie zischten auf den Hirtenknaben los, und es wäre wohl um sein Leben geschehen gewesen, wenn er nicht schnell das gestohlene Krönlein weggeworfen hätte. Als die Otternkönigin ihr Krönlein wieder hatte, ließen sie und die anderen Ottern das zu Tode verängstigte Büblein allein. Seit diesem Tag ist es still geworden am Wiesenbrunnen. Die Otternkönigin, die mit ihrem ganzen Hofstaat einmal hier gewohnt hatte, ist nie mehr gesehen worden.

 Quellenhinweis: Karl Mönch

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