Das Coburger Fuchsschaf

Eine alte und schöne Landschafrasse
Ein Beitrag von Ulrich Göpfert

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Coburger Fuchsschafe
Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

Fuchsschafe, eine alte Landschafrasse, gab es früher über nationale Grenzen hinaus nicht nur in Deutschland, sondern im ganzen europäischen Mittelgebirgsraum. Charakterisiert sind die Tiere durch die rotbraune Färbung von Kopf und Beinen und durch die zumeist melierte Wolle, das so genannte "Goldene Vlies“.

Tiere dieses Typs waren zu Anfang des 20. Jahrhunderts noch stark verbreitet. 60 % des Schafbestandes waren im Coburger Land fuchsfarbige, schlichtwollige Schafe. Danach aber wurden die robusten Landschafrassen zu Gunsten „Fleisch betonter Rassen“ verdrängt, systematisch in den Zeiten des Dritten Reiches und der ehemaligen DDR. Allmählich nahm das Interesse am Coburger Fuchsschaf wieder zu, - in einigen Bundesländern gewährte man eine Förderung für die vom Aussterben bedrohten Schafrassen -, und die Anzahl der eingetragenen Muttertiere stieg stetig an. DLG-Ausstellungen, lokale Märkte und die Bundesschafschau für Landschafe im Rahmen der Grünen Woche im Januar 2002 machten diese Rasse bekannt und förderten deren Verbreitung.

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Ein Blick auf das Schafhaus in Meeder mit seinen Bewohnern
Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

Rassetypische Merkmale des Coburger Fuchsschafes
Angestrebt wird ein mittelgroßes Landschaf mit einem hornlosen, schmalen, edlen Kopf. Dieser und die Beine sollen von gleicher goldgelber bis rotbrauner Farbe sein, ebenso sollen Kopf und Beine unbewollt sein.

Eine Besonderheit ist die Wolle
Das Vlies der neugeborenen Lämmer ist rotbraun und hellt mit zunehmendem Alter auf, wird aber auch bei den erwachsenen Tieren in der Regel nicht weiß. In dem beigen Vlies befinden sich mehr oder weniger dunklere Fasern. Durch die verschiedenen Farbtönungen und durch die dunklen Fasern eignet sich die Wolle der Fuchsschafe nicht zur gemeinsamen Verarbeitung mit den weißen Wollen; aber getrennt verarbeitet, erhält man den schönen warmen beigen Ton einer Wolle, die sich bestens zur Herstellung von Kleidungsstücken, Teppichen, Tweedstoffen und Filzen eignet. Dem Handspinner eröffnet die Fuchsschafwolle viele Möglichkeiten, wobei die dunklere Lammwolle nach der ersten Schur besonders reizvoll ist.

Lust auf Lamm zu Ostern
Sie gehören zu Ostern wie die Ostereier – die Osterlämmer. Gerade zu diesem Fest kommt Lammfleisch in zahlreichen Familien auf den Tisch. Neben der interessanten Wolle ist das Fleisch der Lämmer und der älteren Tiere bei Feinschmeckern sehr geschätzt, weil es kaum Fettansatz hat, wohlschmeckend und sehr zart ist. Besonders im Rahmen der Direktvermarktung ist es sehr gut abzusetzen. Das für die Rasse typische "Goldene Vlies“ macht auch die gegerbten Felle zu einem begehrten Produkt.

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Das Schafhaus in Meeder - Natürlich sind dort auch „Coburger Fuchsschafe“ zu sehen.
Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

Meistens wird das Coburger Fuchsschaf in kleineren Beständen als Koppelschaf gehalten. Daneben gibt es aber auch größere Herden, hier bewährt es sich in der Landschaftspflege. Außerdem wird Besitzern von Wiesen, größeren Gärten oder Streuobstwiesen die ungewöhnliche Möglichkeit geboten, ihre Flächen durch umweltfreundliche Schafe, statt stinkenden Rasenmähern pflegen zu lassen. Auch hier haben sich die "Coburger Füchse“ bisher bestens bewährt. Dabei sind sie nicht nur ein idealer Landschaftspfleger, sondern sie tragen auch durch ihr ruhiges Wesen dazu bei, das selbst "Städter“ Freude am Kontakt zu Natur und Tier bekommen. In der heutigen Zeit hat man die Bedeutung der alten, robusten Landschafrassen erkannt und so wird das Coburger Fuchsschaf wie andere Landschafrassen auch, neben den intensiv gehaltenen Fleischschafrassen seine Stellung behaupten können.

Das Coburger Fuchsschaf hat in den letzten Jahren zwar zahlenmäßig zugenommen, es gehört aber immer noch zu den gefährdeten Haustierrassen.

Brauchtum

Das "Betzenaustanzen“ (Betz = Schaf) ist ein
e alte Tradition
Es stellte eine Art erste gemeindliche Sozialhilfe oder Kindergeldhilfe dar. Früher gab es überall Gemeindeschäfereien. Von diesen bekamen die jungen Pärchen zur "Kerwa“ (Kirchweih) einen Betzen gespendet. Auch heute noch wird dieser Brauch fortgesetzt. Die Kerwasburschen und Kerwasmädchen tanzen und geben dabei einen Blumenstrauß weiter. Das Pärchen, bei dem der Strauß angekommen ist, wenn der Wecker klingelt, bekommt diesen Betzen geschenkt.

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