Der Oktober

Von Erich Kästner

01
Aufgenommen im Erich Kästner Kinderdorf
Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

Fröstelnd geht die Zeit spazieren.

Was vorüber schien, beginnt.

Chrysanthemen blühn und frieren.

 

Fröstelnd geht die Zeit spazieren.

 

Und du folgst ihr wie ein Kind.

Geh nur weiter, bleib nicht stehen.

 

Kehr nicht um, als sei's zu viel.

 

Bis ans Ende musst du gehen,

 

hadre nicht in den Alleen.

 

Ist der Weg denn schuld am Ziel?

02
Herbst im Park von Schloss Rosenau
Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

 

Geh nicht wie mit fremden Füßen

 

und als hättst du dich verirrt.

 

Willst du nicht die Rosen grüßen?

 

Lass den Herbst nicht dafür büßen,

 

dass es Winter werden wird.

Auf den Wegen, in den Wiesen

 

leuchten, wie auf grünen Fliesen,

 

Bäume bunt und blumenschön.

 

Sind's Buketts für sanfte Riesen?

 

Geh nur weiter, bleib nicht stehn.

 

03
Herbst im Park von Schloss Hohenstein
Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

Blätter tanzen sterbensheiter

 

ihre letzten Menuetts.

 

Folge folgsam dem Begleiter.

 

Bleib nicht stehen. Geh nur weiter,

 

denn das Jahr ist dein Gesetz.

 

Nebel zaubern in der Lichtung

 

eine Welt des Ungefährs.

 

Raum wird Traum. Und Rausch wird Dichtung.

 

Folg der Zeit. Sie weiß die Richtung.

 

"Stirb und werde!" nannte Er's.

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