Der Juli

von Erich Kästner

 

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Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

Still ruht die Stadt. Es wogt die Flur.

Die Menschheit geht auf Reisen

oder wandert sehr oder wandelt nur.

und die Bauern vermieten die Natur

zu sehenswerten Preisen.

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Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

Sie vermieten den Himmel, den Sand am Meer,

die Platzmusik der Ortsfeuerwehr

und den Blick auf die Kuh auf der Wiese.

Limousinen rasen hin und her

und finden und finden den Weg nicht mehr

zum Verlorenen Paradiese.

 

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Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

Im Feld wächst Brot. Und es wachsen dort

auch die zukünftigen Brötchen und Brezeln.

Eidechsen zucken von Ort zu Ort.

Und die Wolken führen Regen an Bord

und den spitzen Blitz und das Donnerwort.

Der Mensch treibt Berg- und Wassersport

und hält nicht viel von Rätseln.

 

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Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

Er hält die Welt für ein Bilderbuch

mit Ansichtskartenserien.

Die Landschaft belächelt den lauten Besuch.

Sie weiß Bescheid. Sie weiß, die Zeit

überdauert sogar die Ferien.

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Foto:  Archiv © Ulrich Göpfert

Sie weiß auch: Einen Steinwurf schon

von hier beginnt das Märchen.

Verborgen im Korn, auf zerdrücktem Mohn,

 ein zerzaustes Pärchen.

ruht Hier steigt kein Preis,

hier sinkt kein
Lohn.


Hier steigen und sinken die Lerchen.
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Foto: Archiv © Ulrich Göpfert

Das Mädchen schläft entzückten Gesichts.

Die Bienen summen zufrieden.

Der Jüngling heißt, immer noch, Taugenichts.

Er tritt durch das Gitter des Schattens und Lichts
 
in den Wald und zieht, durch den Schluss

des Gedichts, wie in alten Zeiten gen Süden.
 

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