Die ehemalige Erbschenke "Zum Goldenen Stern" in Unterlauter

Bärentreiber haben hier u. a. übernachtet; für die Bären stand
im südlichen Garten ein Zwinger zur Verfügung

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Gemeindeplatz von Unterlauter.
Rechts ist die ehemalige
Erbschenke „Zum Goldenen Stern“ zu sehen
Repro: Archiv Ulrich Göpfert

Viele Jahrhunderte diente in Unterlauter das alte Wirtshaus "Zum Goldenen Stern" den Kaufleuten, Reisenden, Marktbesuchern, den Handwerkern und Bauern. Es stellte seine große Stube für Sitzungen des Gerichts, Musterungen der Landmiliz und Jahrtagen der elf Lauterer Innungen zur Verfügung.

Als landesherrliches Lehen hatte es schon in sehr früher Zeit als einziges Gasthaus zwischen Coburg und Eisfeld gewisse Vorrechte: alleinige Gast-, Brau- und Schankrechte, Bannweinverkauf aus den Lauterer Weinbergen, so dass Wünsche, ein neues Gasthaus in Unter-, Oberlauter oder auch einmal in Neukirchen zu errichten, stets auf landesherrlichen Widerstand stießen. Die Erbschenke erhielt ihr "privilegium exclusivum" bis zum Jahr 1812 (Aufhebung aller Monopole!) gegen eine auf einen guten Umsatz hinweisende Wirtshaussteuer, die 1765 auf den sehr hohen Betrag von 1600 fränkischen Gulden erhöht worden war.

Damit die Reisenden in den Gaststätten recht und standesgemäß bewirtet wurden, gab Herzog Albrecht 1682 eine Verordnung heraus, die wegen ihrer sozialen Staffelung schon geradezu modern anmutet: "Für eine Mahlzeit, außer Wein, zu bezahlen: Ein Vornehmer nicht mehr als 6 Gr., ein Mittlerer nicht über 4 Gr., ein Armer nicht über 1 oder 2 Gr. - Ersterer: 5 Gerichte (Suppe; Rindfleisch, Fische, Gebratenes, Gemüse und ein Maß Bier). - Andere: 3 Gerichte (Suppe; Rindfleisch, Gebratenes, gut Gemüs und ein Maß Bier). - Dritte: Suppe; gekochtes Fleisch und Brot, ein Maß gering Bier." Ein Armer konnte auch nur Suppe essen und verrechnen.

Der letzte Gastwirt der Erbschenke war Richard Maaser
Wie vom verstorbenen Besitzer der ehemaligen Erbschenke, Richard Maaser, mündlich überliefert wurde: " Zu den Gebäuden gehörten Brauerei mit herzoglichem Braurecht, Kegelbahn, Viehställe und die riesige Zehntscheune mit 6 Pferdestallungen und darüberliegenden Übernachtungskammern, deren Fenster nur mit Holzläden verschlossen werden konnten. Der Garten besaß neben sonstiger Anlagen einen Springbrunnen.

Zwei Mal wöchentlich, mittwochs und samstags kam der Eisfelder Bote, eine Spedition auf Bestellung. Zur Kartoffelzeit übernachteten die Crocker Kuhbauern auf ihrer Rückfahrt vom Coburger Markt im Gasthaus. Die ganze Straße wäre von abgestellten Fuhrwerken eingenommen worden. Selbst Bärentreiber hätten wenigstens jährlich einmal hier übernachtet. Für die Bären wäre im südlichen Garten ein Zwinger gewesen.

Besonders festlich sei es zugegangen, wenn die 95er vom Drossenhäuser Schießstand zurückkehrten und vor der Gastwirtschaft mit Trinkwasser betreut wurden, um dann erfrischt mit der entgegengekommenen Militärkapelle unter Marschmusik in die Kaserne nach Coburg einrückten."

Quellenhinweis: Waldemar Fischer

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