Der Deutsche Michel von Oeslau

Sau, Wassar und Bier“
Diese Mundartgeschichte beruht auf einer tatsächlichen Begebenheit

Über meinen Urgroßvater genannt der "Deutsche Michel von Oeslau“ hat der bekannte Coburger Mundartdichter Georg Eckerlein ("der Original Coburger Schursch“) Anfang des vorigen Jahrhunderts ein Mundartgedicht mit dem Titel: "Sau, Wassar und Bier“ verfasst.

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Der Deutsche Michel von Oeslau
Repro: Ulrich Göpfert

Im Dezember und Januar war früher auf den Dörfern die Zeit der Hausschlachtungen
Von so einer Hausschlachtung mit ihrer Vorbereitung und Durchführung erzählt diese Mundart-Geschichte. Sie ist nicht frei erfunden, sondern beruht auf einer tatsächlichen Begebenheit Anfang 1900. Die Hauptperson dieser Erzählung ist ein gewisser Michel aus Oeslau. Er war bekannt unter seinem Spitznamen: "Deutscher Michel“. Das ist mein Urgroßvater mütterlicherseits. Seine Frau war die "Michel`s-Marie“ bekannt dadurch, dass sie mit ihrem Huckelkorb früher die Haushalte in der Umgebung vom heutigen Rödental besuchte und den "Rödentaler-Kuhkäse“ angeboten und verkauft hat. Als Kind weiß ich, dass diese Geschichte immer von meinem Großvater bei Familienfeiern und Hochzeiten vorgetragen wurde.

Sau, Wassar und Bier

Es hot im Stall a fetta Sau dar deutscha Michel in Oeslau.

Es war sei Sinna und sei Trachten des guta Tierla ball zu schlachten.

Und noch Waldsachsen läft er stracks zum Wert und Mextar Bauersachs.

Tut dort dar Suckel letztes Zappeln racht gründlich und racht brät bappeln.

Und wos ma braucht zur Schlachterei, des päckt ma in an Trogkurb nei.

Und danach mit an Schwung von hinten a Bierfaß auf dan Kurb drauf binden.

Des Fassla obar des war lär, des merkt dar Michel nimmarmähr,

denn, ach, der Michel hot sei Partla, weil ar gebechart bloß zäh Kartla.

Im Zickzack ar sich stark bawegt, a Nachbar drüm dan Trogkurb tregt.

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Repro: Ulrich Göpfert

Dar wußt, dass mit dan lär`n Faßla dar Wert gemacht sich hot a Spaßla.

Natürlich segt der Nachbarschmah dann deutschen Michel nex davah.

Vom Kirchturm, do tuts neuna brumma, wie ölla zwa nach Oeslau kumma.

Und dort beim Bräuar Sauarteig hot wiedar Durscht dar Michel gleich.

"Dan Trogkurb tut ka Mensch uns mausen“, dan lossen sa im Hausplatz draußen.

 Ball hocken drinna bei die Gest dar Michel und sei Nachbar fest.

Arzehln ihrn Krom do von Waldsachsen. Die Spöttelein dar Gest tun wachsen.

Dar Nachber naus zum Hausplatz schleicht und nimmt des Faßla lär und leicht.

Läßt Wassar nei am Brunna hint`n, tuts wiedar auf dan Trogkurb binden.

Schwart ohm und vorna nei an Spund, ball wußts die ganza Zecharrund.

Doch hat gemerkt von dann Gestichel, weil mähr wie selig, nex dar Michel.

Dann "Deutschen Michel“ von Oeslau, tut ma zu Kinnar, Frah und Sau samt Trogkurb

in sei Häusla trogen, wie`s Mitternacht scho lengst g`schlogen.

Ball früh, es dammart galb wie Wachs, kümmt dar Waldsachnar Bauersachs.

Tut aus dan Bett dan Michel jogen, denn jetztar geht`s dar Sau an Krogen.

Üm sechsa war dar Suckel Geist ins Himmelreich scho naufgareits.

Üm neuna hot`s scho fein garochen, do warn die Labarwürscht beim Kochen.

Ah kocht dar Spind, gar fett und blaß. "Heh Michel steck jetzt ah es Faß,

es tut die Frühstückszeit rarücken, guck hie, es Fläsch is scho in Stücken.

Und wenn ma macht zwa Stunden Wurscht, kriegt jedar Mextar elend Durscht“.

Brav tut dar Michel aus dar Ecken es Faßla nahma und a`stecken.

Und lässt vollaaf an stanarn Krug, setzt a, will tu an fazzen Zug

"Hundsigel!“ schreit ar wie von Sinna, do is ja nex wie Wassar drinna.

Du Bauarsachs, jetzt sag mer fei, wie kümmt des in des Bierfaß nei?“.

Des war`n beim Sauerteig die Freckar, dohar des Sticheln und Gemekar.

Euch pfusch ich jetztar nei in`n Spaß, jetzt hol ich mar a annarsch Faß.

Und nach Waldsachsen geht ar nüber und holt a annarsch Faßla rübar.

A Fest, wie net bei jedar Sau, wor do beim Michel in Oeslau.

Bei Assen, Trinken und Wörschtstopfen, bei bayrisch Bier, hochfeinar Tropfen.

Es stelln sich ah su noch dar Reih ball dar und jenar Nachbar ei.

Die ham beim Sauarteig vanumma wie`s Wasser nei des Faß gakumma,

und stehn vawunnart an dar Tür, dass die drin schenken richtig`s Bier.

Und schließlich tun sa in dar Ecken, von salbst des erschta Faß entdecken.

Ma lacht und bald drauf fällt es Wort: "Ihr habt ja noch a Faßla dort“.

Dar Michel tut dan Mextar knuffen, "des ham mir scho lengst ausg`suffen.

Des hot g`schmeckt, wie sog ich gleich, grod su wie des vom Sauarteig“.

 

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Vordere Reihe 3. von links der "Deutsche Michel“ von Oeslau dieses Bild stammt aus den 20iger Jahren und zeigt ihn anlässlich eines Schulausfluges der Oeslauer Schüler mit auf dem Foto: die beiden Fischer-Brüder, Gustav und Ferdinand (dem späteren Rödentaler Bürgermeister). Michel`s größte Freude war, die Schulkinder "schnupfen“ zu lassen, sehr zum Leidwesen der Mütter, die danach die schmutzigen Taschentücher waschen mussten.
Repro: Ulrich Göpfert

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Auf diesem Foto ist die Hochzeitsgesellschaft anlässlich der Vermählung meines Großvaters Franz Zeidler mit Anna, geb. Michel in Oeslau zu sehen. Mit auf dem Foto, rechts vom Brautpaar, ist mein Urgroßvater Michel, genannt "Deutscher Michel" mit Maßkrug verewigt. Links vom Brautpaar sind meine Urgroßeltern Zeidler zu sehen.
Repro: Ulrich Göpfert

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