Schloss Neu- und Neershof

Schloss Neu- und Neershof
Das Schloss mit Geschichte hatte Anfang des 18. Jahrhunderts einen "mörderischen Rauf- und Trunkenbold“ als Schlossherren

 
Schloss Neuhof - Vorderansicht

Schloss Neuhof wurde als der "Newenhoff“ erstmals schriftlich im Jahre 1371 erwähnt. Der neue Hof des Nachbarortes Neershof, der also die ältere Siedlung ist. 1288 erscheinen in den Unterlagen zwei Brüder von Esselsdorf als Zeugen einer Zentbefreiung. Nach 1358 ist dieses Geschlecht nicht mehr belegbar, der Ansitzname aber bleibt. Auf eine ehemalige befestigte Anlage deutet der Flurname Burgschrot hin. 1371 ist wahrscheinlich schon der zu Ansehen und Reichtum gelangte Vater des späteren Ritters Albrecht von Bach im Besitz von Neyseltorff (Neershof) und Newenhoff (Neuhof), denn der bislang als Eigentümer zitierte Dietrich von Coburg hatte nur den Zehnten von Neu- und Neershof und anderen Orten, was etwa mit einer heutigen Hypothek zu vergleichen ist. Die beiden Siedlungen – Neershof später mit "oberen“ und "unterem“ Dorf“ bleiben im Wesentlichen bis 1861 ein einheitliches Lehen, dessen Besitzer das Neuhofer Schloss bewohnen.


Schloss Neuhof – Rückseite

An das Geschlecht von Bach erinnern die Flurnamen der "Bacheneller“ und das Bachenschrot“. Albrecht von Bach hatte sich in der Schlacht bei Sellnitz in Böhmen gegen die Hussiten hervorgetan, und im Anschluß an die Kampfhandlungen war der Coburger Bürger, dessen Familie in der Zeit zwischen 1401 und 1490 mehrere Bürgermeister der Stadt stellte, zum Ritter geschlagen worden. Von ihm, der 1441 starb, zeugt in der Moritzkirche in Coburg im Inneren des Rabenturmes sein künstlerisch beeindruckendes Grabmal mit der lebensvollen Figur des Stammvaters der Ritter von Bach, die spätestens vor der Mitte des 16. Jahrhunderts ein Schloss im "Newenhoff“ besessen haben müssen.

Als "adliger Ansitz“ wird die Wasserburg Neuhof 1673 – vor über gut 300 Jahren also – erstmals genannt. Auf dem steinernen Erdgeschoß erheben sich zwei Stockwerke in verputztem Fachwerk. Im ersten Oberstock sind ein Saal mit schöner Renaissance-Balkendecke und ein Raum mit einer Stuckdecke erhalten. Die kreuzgewölbten Erdgeschoßräume dienten einst als Gefängnis. Aus der südwestlichen Längsseite schiebt sich der achteckige Treppenturm vor, dessen schön gewundene Spindel an die verwandten Wendeltreppen von Schloss Ahorn und Schloss Untersiemau erinnert.

Im 30jährigen Krieg hatte der kleine Landadel besonders zu leiden, und bereits 1635 schrieb Wolf Philipp von Bach an Herzog Ernst, den Bruder und Nachfolger von Johann Casimir: "Die Landschaft Coburgk ist von Freundt und Feindt ruiniert und die adelichen Schlösser dermaßen spoliert (beraubt), dass ich für meine Person meiner Armuth auf dem Rittergut Neuenhof nicht ein(en) Mensch(en), viel weniger ein Nützlich Thier vorgefunden........

Die Mitgift seiner Frau Ursula genügte nicht zur "reparirung“ der Wasserburg, und selbst seinem Sohn Otto Friedrich Hieronimus war es bei seinem Tode 1691 noch nicht gelungen, seinen "geringen, fast noch wüsten Newenhoff“ wieder instand zu setzen.


Ein Blick in den Park

Dessen Nachfolger Wolf Friedrich fiel als Sachsen-Meiningischer Hauptmann 1706 bei St. Lois, und sein leichtsinniger, ausschweifend lebender Bruder Joh. Christoph wurde Herr des Rittergutes. Der war als so streitsüchtig verschrien, dass Bauern, die nach Coburg wollten, einen großen Bogen um Schloss Neuhof machten aus Furcht, in Händel mit dem Raufbolden zu geraten.


Frisch geerntete Kürbisse

Als Johann Christoph Bach am April 1707 nach einer Trinktour im "Grünen Baum“ zu Coburg und beim Wildmeister von Merklin auf Schloss Eichhof auf dem Rückweg nach Neuhof in der Seidmannsdorfer Straße in Coburg den Bürger Johann Nicol Guthardt traf, brach er einen Streit vom Zaun, in dessen Verlauf der Trunkenbold den Coburger erschlug. Bei seiner Verhaftung bald darauf zerschoß er einem der ausgesandten Bürgerpolizisten noch ein Bein, wurde in Ketten in den Hirtenturm – heute Ernstplatz in Coburg – gebracht und 1708 zum Tode verurteilt.

Doch bevor nach mehrfachen Gnadengesuchen das Urteil rechtskräftig wurde, gelang es dem Delinquenten, mit geheimer Hilfe bei der Hahnmühle über die Stadtmauer zu entfliehen. Im seit langem anticoburgisch eingestellten fürstbischhöflichen Bamberger Territorium gewährte man dem sauflustigen Totschläger Schutz, der sich dort auch noch verheiratete. Aber nach Neuhof auf sein Erbgut konnte er natürlich nie mehr zurück.

So fiel das erledigte Lehen an die Landesherrschaft, und als 1713 der gewalttätige Ritter in Acht und Oberacht und seiner Güter verlustigt erklärt wurde, stand das Gut zum Verkauf. Aber erst 1730 findet es in Sophie von Waldsachsen eine neue Besitzerin, deren Nachkommen – von Schauroth, von Donop und von Schönberg – bis 1857 Herren von Neuhof waren. Dann verkaufte Haubold von Schönberg die Besitzung an den Antwerpener Kaufmann Albert Böcking, von dem der achteckige Oberteil des runden, damals noch in den großen See des Wasserschloss hinausblickenden Eckturms stammt.


Der eigene Kräuter- und Gemüsegarten

1865 erwarb Charles Isaac Souchay aus Manchester den gesamten Grundbesitz. Dieser ließ 1866 den Schlossteil, der sich nach Nordosten an die Gegenseite der Treppenturmfront des alten Baues anschließt, in neugotischen und spätrenaissance-Formen errichten. Der Architekt war der Coburger Baurat Georg Rothbart, der im gleichen Jahr auch das ehemalige von Wangenheim`sche Palais (Palais Edinburg am Schlossplatz – heute Sitz der Industrie- u. Handelskammer zu Coburg) in eleganter Neurenaissance und später das Ketschendorfer Schloss schuf. Ein dritter Turm enthält das Treppenhaus für den Neubau. Gleichzeitig wurde der See, der das Schloss umgab, zugeschüttet. Ein Gewächshaus wurde errichtet und ein "Englischer Park“ angelegt, zu dem die wildromantische Baumlandschaft um den See den Ansatz bot.

Der preußische Generalfeldmarschall Graf Albrecht von Roon ist der geschichtlich interessanteste Besitzer (1873 bis 1879), der das Schloss durch Vermittlung des Kommerzienrates Jakob Meyer, des späteren Freiherrn Mayer von Ketschendorf, erworben hatte. Roon suchte dort Erholung von seinen drückenden Staatsämtern, denn er war preußischer Kriegsminister, Marineminister und 1873 zugleich Ministerpräsident. Er setzte die umstrittenen Ronnsche Heeresform, die Grundlage für Moltkes Kriegsführung (1870/71) durch und erreichte, dass schließlich Kaiser Wilhelm I. den Freund Roons, Otto von Bismarck, gegen den der Monarch bei Anerkennung dessen großer Begabung einen "geheimen Widerwillen“ hegte, zum preußischen Ministerpräsidenten machte.

Die Hoffnung des alten Feldmarschalls, in Neuhof Besserung seines Asthmaleidens zu finden, wurde von dem vor allem im Winter zu feuchten Klima vereitelt, so dass er das Schloss nur als alljährlichen Sommeraufenthalt benutzen konnte. Immerhin hatte Roon von seinem "bescheidenen Sanssouci“ aus allerlei Beziehungen zu seiner selbst gewählten Altersheimat: vor allem zu Herzog Ernst II., zu dem Wilhelm I. vor der Kaiserproklamation zu Versailles gesagt hatte: "Ich vergesse nicht, dass ich die Hauptsache des heutigen Tages Deinen Bestrebungen mit zu verdanken habe“. Dann zu des Herzogs Gemahlin Alexandrine und Friedrich Rückerts Sohn August, in dessen Gartenhaus auf dem Goldberg in Neuses bei Coburg – gegenüber von Schloss Callenberg – der Naturfreund besonders gerne weilte. Der Sohn des Dichters hatte dem vornehmen Gast extra eine "Roon-Bank“ mit der schönsten Aussicht erstellen lassen.


Ein Blick vom Park aus auf Schloss Neuhof

Der so genannte "Roon-Weg“ wurde auf Anweisung des Herzogs Ernst II. durch die herzogliche Forstverwaltung von der nordwestlichen Grenze des Rittergutes Neuhof zur Verbindungsstraße zwischen Waldsachsen und Cortendorf angelegt, um des Grafen Landauerfahrten von Schlosss Callenberg zu erleichtern. Auch eine "Roon-Eiche“ steht noch nördlich des Mühlteichs am Rande des jetzigen Staatsforstes.

Auf Schloss Neuhof fasste der alte Soldat und Politiker den Entschluß, seine schwere Verantwortung als dreifacher Minister niederzulegen. Von dort sandte er sein Entlassungsgesuch an seinen König und Kaiser und dort erreichte ihn das Genehmigungsdekret Seiner Majestät. Im Mai 1878 wohnte Roon zum letzten Mal in seinem Neuhofer Schloss, ehe der 76jährige am 23. Februar 1879 im Hotel de Rome zu Berlin seiner Krankheit erlag. Fünf Jahr nach Roons Tod verkauften seine Söhne Schloss Neuhof im Jahre 1884 an den Konsul Ferdinand Ladenburg aus Mannheim, der es seiner Tochter Johanna zu ihrer Heirat mit dem späteren Rittmeister Dorff als Mitgift schenkte. Um die Jahrhundertwende wurde die um das Schloss angelegte Gärtnerei mit ihren Gewächshäusern, Warmbeeten und Obstspalieren als musterhaft von Fachleuten bezeichnet.

Bis 1950 blieb das Gesamtgut in Dorffschen Besitz, dann kaufte der Landkreis Coburg das Schloss mit Park. Der Landkreis ließ das historische Gebäude zu einem Altersheim herrichten. Bei den Renovierungsarbeiten zeigte sich unter dem Putz der Obergeschosse des alten Traktes schönes Zierfachwerk, an dem verkohlte Stellen auf einen Brand – vermutlich während des 30jährigen Krieges – hinwiesen.


Ein Blick auf eigens angelegte Blumenbeete

1952 zogen die Insassen des aufgelassenen Altersheimes von Schloss Callenberg in Schloss Neuhof ein und mit ihnen ihr hochverdienter Heimleiter Richard Hauptmann, ein Sudetendeutscher aus dem Kühländischen an der oberen Oder, der sich als Heimatvertriebener hier geradezu zum coburgisch-fränkischen Heimatdichter entwickelte. 1970 starb Richard Hauptmann und erlebte so die Auflösung des Altersheimes und dessen Übersiedlung nach Mönchröden im Jahr 1972 nicht mehr. 1973 hat das Ehepaar Schwanstecher die historischen Räume der ehemaligen Wasserburg zu einem geschmackvollen, Tradition atmenden Hotelrestaurant mit attraktivem Vogelpark verwandelt. Leider ging dieses in Konkurs.

Heute befindet sich im Schloss Neuhof eine soziotherapeutische Einrichtung für Suchtkranke. Dort werden zurzeit 39 alkoholkranke Männer und Frauen behandelt. Alkoholabhängige Männer und Frauen jeder Altersgruppe, die aufgrund langjährigen Alkoholmissbrauchs Störungen in ihren physischen, psychischen und oder sozialen Funktionen aufweisen und den geschützten Rahmen eines positiven Milieus benötigen, können dort aufgenommen werden, um zu regenerieren und um sich nüchtern neu zu orientieren.


Idyllisch liegt der kleine See eingebettet in der Parklandschaft

Das Schloss Neuhof steht in einem ca. 3 ha großen Landschaftspark mit altem Baumbestand und einem kleinen See. Auf dem Gelände befinden sich ein Grillplatz, eine Lagerfeuerstelle, viele Sitzecken für besinnliche Stunden, Tiergehege und ein Kräuter- und Gemüsegarten. Hier wird den Patienten ein sehr positiver Rahmen zum stilvollen und naturnahen Leben und Arbeiten geboten.


Ein Blick auf die Rückseite des Schlosses vom Park aus


Geschäftsführer Klaus-Erik Ziesemer und Zimmerermeister
Jörgen Knödel
vor dem neuen Schreinereianbau

In separaten Gebäuden im Park sind eine Schreinerei – die zurzeit einen größeren Anbau erhält, die Wäscherei und Räume für Arbeits- und Beschäftigungstherapie untergebracht. Das Schloss hat 13 gemütlich eingerichtete Einzel- und 5 Zweibettzimmer jeweils mit eigener Toilette und Bad. Im Dachgeschoss befinden sich zwei Dreier-Appartements, eines davon mit eigener Küche. Alle Zimmer sind voll möbliert.


Ein Blick in den Speisesaal

Alle Fotos: 2005 © Ulrich Göpfert

Im Haupthaus, dem Schloss befinden sich u. a. die Büroräume, diverse Gemeinschaftsräume, zum entspannten Zusammen sein, zum Essen, Fernsehen und Spielen. Ein Fitnessraum im Dachgeschoß und ein öffentlicher Computer im "Brunnenhaus“ runden das Angebot ab.

Diese Einrichtung für Suchtkranke in Schloss Neuhof wird am 20. September 2005 im Rahmen einer kleinen Feier ihr 10jähriges Bestehen feiern. Darüber werde ich in Kürze ausführlich berichten.

Weitere Informationen:
Soziotherapeutische Einrichtung für Suchtkranke
Wohnheim Schloss Neuhof
Neuhofer Str. 20, 96450 Coburg
Tel: 09563-74740
Fax: 09563-747420
E-Mail:
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Internet:
www.schlossneuhof.de

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