Die Wartburg bei Eisenach

Die Wartburg bei Eisenach
Seit über 900 Jahren thront die mächtige Burganlage
stolz und erhaben über der Stadt Eisenach

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2011 © Ulrich Göpfert

An einem schönen Sommertag im August machten wir uns auf nach Eisenach und besuchten die Wartburg. Natürlich haben wir wieder viele schöne Eindrücke mit nach Hause gebracht und wie gewohnt habe ich bei diesem Ausflug viele Fotos angefertigt und davon zeige ich einen Teil in der nun folgenden Reportage.

Die Wartburg mit ihren unterschiedlichen Baustilen ist zu einem Nationaldenkmal der Deutschen Einheit geworden. Sie wurde im Jahr 1999 von der UNESCO zum Weltkulturerbe gekürt und die Historie der Festung liest sich wie ein Streifzug durch die deutsche Kulturgeschichte.

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2011 © Ulrich Göpfert

Der Legende nach soll der Landgraf Ludwig der Springer um das Jahr 1067 die Wartburg gegründet haben. Dabei soll der Landgraf ausgerufen haben: „Wartberg, du sollst mir eine Burg werden“ und damit der späteren Festung seinen Namen gegeben haben. Da das Land nicht ihm gehörte, ließ er kurzerhand Erde von seinem eigenen Grund und Boden herbeibringen und regelte so die Besitzverhältnisse, wie die Legende berichtet.

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2011 © Ulrich Göpfert

Mit Graf Ludwig dem Springer beginnt die beispielhafte Entwicklung des Geschlechts der „Ludowinger“, das in den ca. 200 Jahren seiner Machtausübung zu den einflussreichsten im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation gehört. Sein Geschlecht der „Ludowinger“ hatte durch Rodungen, Landraub und Heiratspolitik Macht und Einfluss im mitteldeutschen Raum rasch vermehren und mit der kaiserlichen Übertragung der Landgrafenwürde untermauern können.

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2011 © Ulrich Göpfert

Die Sage vom Sängerkrieg auf der Wartburg
In die Regierungszeit des Landgrafen Hermanns I. fällt die Zeit der höfisch-ritterlichen Dichtkunst, deren Zentrum der thüringische Hof war. Im Jahr 1206, so erzählt eine alte Dichtung, sollen sich sechs Sänger und Dichter, darunter Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide, zu einem nicht ganz friedlichen Wettstreit auf der Wartburg zusammengefunden haben. Während in allen Liedern um die Gunst des Gastgebers Hermann I. gebuhlt wurde, trat der österreichische Heinrich von Ofterdingen mit einem Loblied auf seinen eigenen Herrn, den Babenberger Herzog Leopold auf und verlor. Wie zuvor vereinbart, sollte das schlechteste Lied mit dem Tode bestraft werden. Aber indem der Scharfrichter Stempfel schon die Hand nach ihm ausstreckte, erbat sich Ofterdingen bei der mitleidigen Landesherrin Sophie eine Gnadenfrist, gewann schließlich den ungarischen Magier Klingsor zur Schlichtung des Streites und rettete so Ansehen und Leben. All das soll sich 1206/07 der Sage nach zugetragen haben.

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Glasmosaik in der Elisabeth-Kemenate (1902-1906)
2011 © Ulrich Göpfert

Die heilige Elisabeth
Die vierjährige Tochter des Königs Andreas II. von Ungarn traf im Jahr 1211 am Landgrafenhof ein. Zehn Jahre später wird sie mit dem Landgrafen Ludwig IV. vermählt. Elisabeth entsagte dem Luxus und Prunk am fürstlichen Hof. Ihre frühere Askese, gelebt nach den Idealen des Franz von Assisi, lässt sie am vornehmen Landgrafenhof für Aufsehen sorgen. Elisabeths Tun führte zu familiären Konflikten, die neben vielen anderen Sagen in der Legende vom Rosenwunder erhalten geblieben sind. Dort wird berichtet: Auf dem Weg zur Speisung der Armen überraschte sie ihr Gemahl. Auf seine Frage, was sie in der Schürze trage, antwortete sie: „Rosen.“ Das Brot verwandelte sich in Rosen. Das überzeugte den Landgrafen von der Reinheit ihrer Seele. Nach dem Tod ihres Gemahls folgt 1227 Elisabeth ihrem Beichtvater nach Marburg, um dort ein Leben in Armut, Keuschheit und Demut zu führen. Bereits vier Jahre nach ihrem frühen Tod, im Jahre 1231 wird sie von Papst Gregor IX. heilig gesprochen.

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2011 © Ulrich Göpfert

Im Jahr 1317 tobte ein verheerender Brand auf der Wartburg. Nach der Überlieferung fiel die ursprüngliche Kapelle diesem Brand zum Opfer, was wohl den Einbau eines Sakralraumes in den Palas veranlasst hat. Zur originalen Gestaltung gehören die Reste einer Wandmalerei um 1300. Während des Sommerhalbjahres finden hier Orgelkonzerte und Gottesdienste statt.

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2011 © Ulrich Göpfert

Beim Betreten der Lutherstube fühlt man sich in die Zeit der Reformation zurückversetzt. Dieser authentische Wohn- und Arbeitsraum des Reformators (von Mai 1521 bis März 1522) ist seit Jahrhunderten Ziel unzähliger Pilger und darf als Geburtsstätte unserer deutschen Schriftsprache gelten.

Martin Luther auf der Wartburg
Der Thesenanschlag des Augustinermönches und Theologieprofessors Martinus 1517 in Wittenberg sollte die weltweite Reformierung der katholischen Kirche einleiten. Die päpstliche Ungnade wuchs, Leo X. verhängte den Bann; Kaiser Karl V. belegte Luther in Worms mit der Reichsacht. Selbst die mit seinen Lehren sympathisierenden Fürsten konnten dies nicht verhindern. Unter ihnen war Friedrich der Weise von Sachsen, der den Reformator auf die Wartburg in Schutzhaft nehmen ließ.

Unweit der Burg Altenstein im Thüringer Wald war er am 4. Mai 1521 entführt worden. Auf der Wartburg schlüpfte Luther in die Rolle des Junkers Jörg, musste sein Aussehen verändern, Bart und Haare wachsen lassen. Für die kommenden zehn Monate lebte und arbeitete er in einem karg eingerichteten Raum der Vogtei, in der heutigen Lutherstube. Seine Freunde drängten ihn mit der Bibelübersetzung zu beginnen. Dafür legte er den griechischen Urtext zugrunde. Nach nur zehn Wochen lag die Rohfassung des Neuen Testamentes vor. Am 1. März 1522 verließ Martin Luther die Wartburg.

Johann Wolfgang von Goethe besucht die Wartburg
Im Jahr 1777 weilte Johann Wolfgang von Goethe das erste Mal für fünf Wochen auf der Wartburg. Dieser Besuch war vor allem von Naturbegeisterung geprägt, doch hinterlässt der Dichter Zeichnungen, denen wir heute die visuelle Kenntnis untergegangener Bauten verdanken.

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2011 © Ulrich Göpfert

Ein Blick aus dem Fenster auf der Wartburg zeigt im Bildhintergrund auf der Göpelskuppe das 33 Meter hohe Burschenschaftsdenkmal. Der Architekt Wilhelm Kneis entwarf es für die Deutschen Burschenschaften. Es wurde im Jahr 1902 eingeweiht und trägt die Inschrift „Ehre, Freiheit, Vaterland“.

Das Wartburgfest der Burschenschaften
Zum 300. Reformationsjubiläum und anlässlich des vierten Jahrestages der Leipziger Völkerschlacht gegen die napoleonische Fremdherrschaft versammelten sich am 18. Oktober 1817 über 500 Studenten zum Wartburgfest, der ersten bürgerlichdemokratischen Versammlung in Deutschland. Unter dem Motto „Ehre – Freiheit – Vaterland kämpfen sie um einen geeinten Nationalstaat.

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Die Wiederherstellung der Burg (1838-1890)
Das Haus Sachsen-Weimar-Eisenach besinnt sich auf das „Goldene Zeitalter“ des klassischen Weimar, das man auf der Wartburg wiederaufleben lassen und fortsetzen möchte. Nach 1838 veranlasst der kunstsinnige Erbgroßherzog Carl Alexander die Wiederherstellung des Thüringer Stammschlosses. Der Giessener Architekturprofessor Hugo von Ritgen nimmt sich der Aufgabe an und macht sie zu seinem Lebenswerk. Begleitet wird diese bedeutende Bauphase durch ein umfangreiches künstlerisches Schaffen, das in Moritz von Schwinds Freskenzyklen im ersten Palas-Obergeschoss und in der Ausstattung des Festsaales gipfeln sollte.

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2011 © Ulrich Göpfert

Im Sängersaal dominiert das große Fresko vom Sängerkrieg. Moritz von Schwind schuf es 1854/55. Die historische Deckenmalerei, Möbel und Leuchter wurden bei den Restaurierungsarbeiten im 19. Jahrhundert von Hugo von Ritgen entworfen.

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2011 © Ulrich Göpfert

Der Festsaal im zweiten Obergeschoß wurde unter Hermann I. gebaut. Ursprünglich war er flach gedeckt. Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt der Festsaal die trapezförmige Kastendecke und wurde mit schmückender Malerei und Bauplastik versehen. Der Festsaal gilt als einer der qualitätsvoll erhaltensten Raumensembles des 19. Jahrhunderts.

Gründung der Wartburg-Stiftung
Die Revolution von 1918 und die Ausrufung der Republik zwingen die deutschen Fürsten zur Abdankung. 1922 wird die Wartburg-Stiftung gegründet, die die Erhaltung der Burg fortan übernehmen soll und bis heute beinahe unangefochten besteht.

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2011 © Ulrich Göpfert

1967 das Jahr der nationalen Jubiläen
Im Jahr der „Nationalen Jubiläen“ der DDR begeht man auf der Wartburg die 900-Jahrfeier, den 450. Jahrestag des Beginns der lutherischen Reformation und die 150. Wiederkehr des Wartburgfestes der deutschen Burschenschaften.

Die Wartburg als Welterbe
Im Dezember 1999 hat die UNESCO die Wartburg in das Welterbe der Menschheit aufgenommen.

Einige Impressionen von der Wartburg

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Marktplatz mit Rathaus
2011 © Ulrich Göpfert

Nach dem Besuch der Wartburg unternahmen wir noch einen Abstecher in die Stadt Eisenach. Die Stadt hat sich das Besondere bis in die Gegenwart bewahrt. Martin Luther nannte Eisenach „meine liebe Stadt“ und Goethe schrieb von hier …“die Gegend ist überherrlich!“Auch der Zauber der Landschaft um die Stadt Eisenach beeindruckte viele Dichter, Maler und Komponisten und viele fanden hier Inspiration für ihr Schaffen. Heute hat die Stadt ca. 44.000 Einwohner. Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche Thüringens hat hier seinen Sitz und die Lutherstadt steht ganz im Zeichen des Automobilbaues. Hier sind zahlreiche Sehenswürdigkeiten und Denkmale durch das Wirken von Klassikern der Musik und der Dichtung sowie bedeutender Persönlichkeiten der Wissenschaft und deutschen Geschichte zu finden. Das von Adolf von Donndorf geschaffene Bachdenkmal steht schräg gegenüber vom Bachhaus am Frauenplan

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Bachdenkmal
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Bachhaus
2011 © Ulrich Göpfert

Das Bachhaus wurde 1907 von der Neuen Bachgesellschaft der Öffentlichkeit als Bachgedenkstätte übergeben. Optisch und akustisch erlebt der Besucher die Zeit, in der Johann Sebastian Bach lebte und wirkte.

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Schwarzer Brunnen
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Der schwarze Brunnen in Eisenach wurde im Jahr 1817 zur Erinnerung an die Pulverexplosion am 1. Sept. 1810 an der Unglücksstätte errichtet. Im Jahre 1910 wurde er als Springbrunnen erneuert, wobei man die neu eingebaute Brunnensäule und die sie umgebende Brunnenschale mit französischen Granatkugeln schmückte. Der Brunnen steht unweit vom Markt, dort wo die Neue Straße die Georgenstraße durchschneidet. Er fällt durch sein mächtiges schwarzes Wasserbecken und die seltsame Ausschmückung des Brunnenstockes mit Granatkugeln auf. Auf einer Geschichtstafel am nahen Haus steht in kurzen Worten: "Schauplatz der großen Pulverexplosion". Über diese Pulverexplosion kann man einen größeren Beitrag in meinem Internetportal unter Archiv: Aus der Vergangenheit – Pulverexplosion - nachlesen.

Mit dieser Reportage konnte ich nur einen kleinen Einblick geben, natürlich konnte nicht alles Wichtige erfasst werden, dies würde den Rahmen der Berichterstattung sprengen. Deshalb meine Empfehlung, unternehmen Sie doch einmal einen Ausflug in die „Deutsche Geschichte“ nach Eisenach und auf die Festung Wartburg, Sie werden es bestimmt nicht bereuen.

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